Junge Literatur  >  Aus dem Leben
Mein Name ist Leon von de Waal, Kit, Junge Literatur, Aus dem Leben, Alltag & Familie, Problemthemen, Zeitgeschehen

Mein Name ist Leon

de Waal, Kit

Übersetzung: Naumann, Katharina

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Rowohlt

Empfohlen ab: Junge Erwachsene

ISBN: 9783499272301

Inhalt

Erscheint April 2016

 

Leon ist neun und ziemlich dunkelhäutig, sein Halbbruder Jake dagegen ganz blond und erst sechs Monate alt. Als ihre Mutter Sandra mal wieder richtig Pech mit einem Kerl hat, bleibt sie einfach im Bett liegen. Und Leon muss sich um Jake kümmern, ihn wickeln, etwas zu Essen besorgen.

 

Das fliegt natürlich irgendwann auf, das Sozialamt schaltet sich ein. Es bringt die beiden Jungs erst einmal bei Pflegemutter Maureen unter: übergewichtig, rothaarig, etwas nah am Wasser gebaut - man muss sie schon ein bisschen kennenlernen, um zu merken, was für ein riesengroßes Herz Maureen hat. Bald findet sich auch eine richtige Adoptivfamilie. Allerdings nur für Jake, denn der ist ja klein und blond. Leon weiß nicht mehr ein und aus vor Schmerz. Und er fasst einen Plan. Einen gefährlichen Plan, in diesem heißen Londoner Sommer 1981 …

Bewertung

„Mein Name ist Leon“ ist ein Roman von Kit de Waal, der in den 1980er Jahre in England spielt. Leon ist sieben Jahre alt und lebt mit seinem kleinen Halbbruder Jake, der noch ein Baby ist, bei seiner Mutter. Diese ist alleinerziehend, oft krank und vernachlässigt ihre Kinder immer mehr, so dass am Ende Leon derjenige ist, der sich um Jake und sogar um seine eigene Mutter kümmern muss.

Eines Tages wird es zu schlimm und offensichtlich und er und Jake kommen zu Maureen, ihrer neuen Pflegemutter. Die ist sehr dick, aber auch sehr lieb und sie gibt ihnen oft Süßigkeiten. Als Jake adoptiert wird zerbricht für Leon eine Welt, schließlich muss er sich ja um seinen kleinen Babybruder kümmern, denn Jake braucht ihn, das weiß er genau. Doch Leon bleibt alleine bei Maureen zurück, weil er schon älter ist und schwarz, und Jake wird in eine neue Familie gebracht, weil er ein weißes Baby ist. Als dann auch noch Maureen krank wird, wird alles noch schlimmer. Dabei will Leon einfach nur wieder mit Jake bei seiner Mutter leben.

Zum 10. Geburtstag bekommt Leon endlich einen Brief von Jakes neuer Familie mit einem Foto von ihm drin, und auf diesem Foto steht Jakes Adresse. Also fasst Leon einen abenteuerlichen Plan.

 

Das Cover des Buches passt meiner Meinung nach sehr gut zur Geschichte, weil es Leons Trauer und Wut über den Verlust seiner Familie auffasst, ohne zu viel zu verraten. Die Geschichte wird in der dritten Person aus Leons Sicht erzählt. Die Autorin schafft es so zu schreiben, als hätte tatsächlich ein Kind diese Geschichte erzählt, jedoch ohne ältere Leser zu langweilen. Dadurch kann man sich sehr einfach und gut in Leons Perspektive hinein versetzten und seine Gefühle und Erlebnisse mitempfinden, obwohl er noch so jung ist. Dabei bleibt das Buch interessant und fesselnd, da man sehr mit Leon und seinem Schicksal mitfühlt und wissen möchte, wie es weiter geht. Gleichzeitig ist es unterhaltsam und aufschlussreich zu erfahren, wie die Menschen in den 80er Jahren in England gelebt haben und was ihr Leben damals bewegt hat.

Die Autorin beschreibt diese Zeit in ihrem Buch ohne sie dem Leser aufzudrängen und von der eigentlichen Geschichte abzulenken, aber doch so, dass sie einem immer bewusst bleibt.

 

Mit ihrem Roman „Mein Name ist Leon“ hat Kit de Waal ein sehr einfühlsames, gleichzeitig aber auch unglaublich direktes Bild davon geschaffen, wie es einem Kind wie Leon ergeht, wenn es aus seiner Familie gerissen wird, aber auch was es bedeutet hat, in England in den 1980er Jahren dunkelhäutig zu sein.

Ich empfehle dieses Buch an Jungen, Mädchen und Erwachsene ab 13 Jahren, die wissen wollen wie es ist, aus seiner Familie genommen zu werden, oder die einfach ein sehr gutes, gleichermaßen einfühlsames und fesselndes Buch lesen wollen.

Ich vergebe 5 Sterne.

 

Annina Hacheney (17) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie, Problemthemen, Zeitgeschehen