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Nanking Road von Voorhoeve, Anne C., Jugendbücher, Historie, Deutsche Geschichte

Nanking Road

Voorhoeve, Anne C.

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Ravensburger

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783473401024

Inhalt

Franziska ist 11 Jahre alt, als sie mit ihrer Familie aus Nazi-Deutschland flieht, um am anderen Ende der Welt - in Shanghai - ein neues Leben anzufangen.

Was wenn die elfjährige Ziska Mangold aus Berlin nicht in einen jener Züge gestiegen wäre, die jüdische Kinder aus Nazi-Deutschland nach England brachten? Wenn ihre Familie das Schiff nach China erreicht hätte? Diesem Gedankenexperiment folgt die Autorin und lässt eine alternative Geschichte zu „Liverpool Street" entstehen. Sie erzählt von der existenziellen Not der Flüchtlinge im Exil, dem grausamen Krieg zwischen Japan und China - und eben jener Ziska, die auf die Fragen nach Zugehörigkeit, Loyalität, Glaube und Schuld eine Antwort finden will.

Bewertung

Wir begleiten Ziska Mangold im historischen Roman „Nanking Road“ von ihrem elften, bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr. Es wird die mitreißende Geschichte einer jüdischen Familie erzählt, die während des 2. Weltkrieges aus ihrem früheren Leben gerissen wird und Hals über Kopf nach Shanghai fliehen muss. Auf ihrer Reise, die in einem Zug beginnt, auf einem Schiff fortgesetzt wird und schließlich in Shanghai endet lernen die Mangolds viele neue Menschen kennen, die oft auch später im Buch noch wichtige Rollen spielen. Sie versuchen ihre schreckliche Situation zum Besten zu wenden, obwohl das Glück nicht auf ihrer Seite zu sein scheint.
In Shanghai angekommen wird die Vorfreude auf ein besseres Leben urplötzlich gehemmt. China wird von Japan besetzt, und die unzähligen Juden aus aller Welt stecken mitten drin. Die Stadt ist komplett überfüllt und die Juden werden in das heruntergekommenste Viertel Shanghais gebracht. Dennoch wird im Buch deutlich, dass, auch wenn die Lebensumstände der Flüchtlinge grausam sind, die der einheimischen Chinesen um einiges schlimmer sind. Die Juden werden von den USA unterstützt, bekommen Geld und jeden Tag in Asylen Essen. Die Chinesen hingegen sind völlig auf sich gestellt, unzählige verhungern oder erfrieren. Mitten in diesem Elend steckt die kleine Ziska, die so gut es geht versucht zu helfen. Es scheint als würde sie von Zeile zu Zeile erwachsener werden, gezwungenermaßen durch die Umstände in denen sie leben muss. Ihre einzige Fluchtmöglichkeit, der einzige Ort im riesigen, überfüllten Shanghai befindet sich in der Nanking Road. Es ist ein kleines Reisebüro. - Ein kleines deutsches Reisebüro. Und das ist auch der Grund warum sie niemandem von ihren Besuchen dort erzählt. Die Deutschen sind der Feind. Allerdings spielt dieses kleine feindliche Reisebüro eine bedeutende Rolle im späteren Verlauf des Romans.
Mir persönlich hat das Buch unheimlich gut gefallen. Der Schreibstil hat mich sehr angesprochen und man kann sich über Stunden im Lesen verlieren. Das Schicksal der kleinen, doch schon sehr erwachsenen Ziska nimmt einen mit. Man fühlt das Elend das sie fühlt und will nichts lieber als helfen. Der Roman gibt hauptsächlich viele Informationen über die Situation der Juden zur Zeit Hitlers. Diese sind auch spannend und interessant in der Geschichte verpackt. Was mir allerdings auch ganz besonders gut gefallen hat, sind die Informationen, die man über China und Japan erhält. Über die Judenverfolgung aus dem Blickwinkel Deutschlands weiß man mittlerweile sehr viel. Im Unterricht wird darüber gesprochen und auch sonst kann man viel darüber erfahren. Wie es aber mit den Ländern aussah in die die Juden abgeschoben worden, wird nicht so intensiv bearbeitet. Ich für meinen Teil wusste kaum etwas über den Zustand Chinas. Anne C. Voorhoeve hat es geschafft mir diesen Teil der Geschichte näher zu bringen. Und keinesfalls in einer langweiligen Form. Was mir außerdem sehr gut gefallen hat, war die Tatsache, dass nichts verschönt wurde. Ziskas Familie musste viele Verluste ertragen. Sie haben beinahe ihre gesamte Familie verloren und viele Freunde und Bekannte. Und obwohl sie selbst überlebt haben, konnte man deutlich heraus lesen wie sehr sie das alles verzehrt hat. Wer weiß, wie lange sie das noch hätten durchhalten können.
Das Buch war sowohl spannend, als auch informativ, aber auch sehr bedrückend. Es hat mir im wahrsten Sinne des Wortes noch ein mal vor Augen geführt, was es für manche hieß, während des 2. Weltkrieges zu leben. Da gerade diese Tatsache fantastisch umgesetzt wurde und ich nichts zu bemängeln habe, gebe ich 5 Sterne.
Ida Kretschel (16) :: Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Deutsche Geschichte