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Nest von Ehrlich, Esther, Jugendbücher, Aus dem Leben, Alltag & Familie, Freundschaft, Krankheit

Nest

Ehrlich, Esther

Übersetzung: Mumot, André

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Aladin

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783848920778

Inhalt

Für die elfjährige Naomi »Chirp« Orenstein ist ihr Zuhause auf Cape Cod wie ein kuscheliges warmes Nest - umgeben von weitläufigen Stränden, frischer Seeluft und den schönsten Vögeln. Doch der Tag, an dem bei ihrer Mutter Multiple Sklerose festgestellt wird, ändert alles. Machtlos muss die Familie mitansehen, wie die Krankheit schließlich in einer Tragödie endet. Chirp rinnt das Glück wie Sand durch die Finger. Bis eines Tages Joey, der eigenbrötlerische Nachbarsjunge, auftaucht, der sie auf seine ganz eigene Art daran erinnert, dass Flügel zum Fliegen da sind.

Bewertung

Die 11-jährige Naomi hat alles was sie zum Glücklichsein braucht: eine große Schwester, die auch ihre beste Freundin ist, einen sorgenden Vater und eine wunderschöne Tänzerin als Mutter. Ihre größte Leidenschaft ist jedoch die Vogelwelt ihrer Heimat Cape Cod, was ihr den Spitznamen Chirp, „Zwitschern“ eingebracht hat. Doch ihre heile Welt, ihr kleines behütetes Nest droht auseinanderzubrechen, als bei ihrer Mutter die unaufhaltbare Krankheit Multiple Sklerose diagnostiziert wird.

 

Der Roman „Nest“ von Ester Ehrlich handelt von einem sehr schweren Thema: Krankheit und Tod eines geliebten Elternteils. Am Anfang zeichnet die Autorin das perfekte Familienidyll der Orensteins, eine Familie voller Zuneigung, Rücksichtnahme und geteilter Leidenschaften, was den sich anbahnenden Verlust umso schmerzhafter macht.

Die 11-jährige Protagonistin, das Nesthäkchen der Familie, ist Erzählerin der Geschichte und beschreibt die Personen in ihrem Umfeld treffend und achtet besonders auf kleine Details, die anderen oft entgehen. Das gibt der Erzählung zum einen die zur Hauptfigur passende kindliche Stimme und vermittelt einem als Leser das Gefühl, die Charaktere selbst schon seit langer Zeit zu kennen.

Die Handlung selbst ist nicht besonders umfangreich und lässt sich relativ leicht vorhersehen. Doch der eigentliche Augenmerk liegt nicht auf der Handlung, sondern auf Naomi, ihren Gedanken und Gefühlen und darauf, wie sich die Beziehungen zu ihren Mitmenschen im Laufe der Geschichte verändern. Ihre Gedanken dazu bringt sie ungefiltert zu Papier, so dass es einfach fällt sich in sie einzufühlen, es an manchen Stellen aber auch schwierig ist ihr zu folgen. Nachhaltig in Erinnerung blieben mir die eindrücklich beschriebenen Empfindungen, die Naomis Leben von einem Tag auf den anderen bestimmen: das leise Unverständnis, das krampfhafte Festhalten an der Vergangenheit und die immer wieder hochkommende Wut. Gut gefallen hat mir auch der Rahmen der Geschichte: Ein kleiner Ort an der Ostküste der USA, dessen Landschaft und Vogelwelt eine wichtige Rolle in Naomis Leben spielen. Das Jahr 1972 in dem die Handlung spielt beinhaltet außerdem einige sozialkritische Themen, wie beispielsweise Strombehandlungen oder häusliche Gewalt gegen Kinder, die von der Protagonistin zwar erwähnt aber nicht bewertet werden.

 

Insgesamt ist „Nest“ ein ruhiger Roman mit einer jungen Protagonistin, mit der man einfach mitfühlen muss und der am Ende ein trauriges aber warmes Gefühl hinterlässt.

 

Tessa Marie Scholler (19) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie, Freundschaft, Krankheit