Jugendbücher  >  Aus dem Leben
Nicht weit vom Stamm von Uschmann, Oliver, Jugendbücher, Aus dem Leben, Spannung

Nicht weit vom Stamm

Uschmann, Oliver

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2011

Verlag: script5

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783839001202

Inhalt

Sven hat die schiefe Bahn verlassen und ist am Ziel angekommen: ganz unten. Seine Tage verbringt er im Rausch, seine Nächte wahlweise mit Sex oder Prügeleien. Dabei stünden ihm alle Türen offen, sagt sein Vater – hätte Sven sie nicht vor fünf Jahren zugeschlagen.
Als seine Schwester bedroht wird, findet sich Sven in seinem schlimmsten Albtraum wieder: Der einzige Weg, Lina zu retten, ist, so zu werden wie sein Vater.

Bewertung

Die Geschichte eines vergeudeten Lebens. Sven Lechner ist in seiner Kindheit ein ehrgeiziger Mensch. Er schreibt gute Noten, hat viele Freunde und gewinnt sogar einen Preis. Doch ein Fehler, ein Moment der Unachtsamkeit ändert alles. Mit 19 Jahren schlägt sein Ehrgeiz immer mehr in Lustlosigkeit, Alkoholkonsum und Schlägereien um, und er steht plötzlich am Rand der Gesellschaft. Sein Leben besteht nur noch aus Alkohol, Drogen, Sex und Gewalt. Dies geht so weit, dass er sogar für einige Zeit ins Gefängnis muss. Von Vater und Mutter möchte er am liebsten gar nichts mehr wissen. Die einzig wichtige Person aus seiner Familie, ist seine Schwester Lina, denn diese macht ihm niemals Vorwürfe, obwohl sie durchaus Grund dazu hätte. Er selbst macht sich aber Vorwürfe, an dem schweren Unfall Schuld zu sein, dem seine Schwester zum Opfer wurde. Sein Vater bestärkt ihn auch, indem er ihn dafür verantwortlich macht. Erst als er begreift, dass seine Schwester ihn jetzt braucht, da sie bedroht wird, versucht er sich zu ändern. Doch er muss feststellen, dass das gar nicht so einfach ist, und verfällt immer wieder in sein früheres Leben. Schafft er es dennoch, seiner Schwester zu helfen, und sich aus dem Sumpf des Selbstmitleides und der gesellschaftlichen Isolation zu befreien?
Oliver Uschmann beschreibt die Geschichte von Sven unverblümt, doch manchmal auch ein wenig zu vulgär. Es wirkt wie eine sehr krasse Darstellung, welche von bestimmten Ausdrucksweisen noch verstärkt wird. "Nicht weit vom Stamm" ist sicherlich ein Roman, der wachrüttelt, denn er entlockt dem Leser schon einige Emotionen. Was geschieht mit unserer Gesellschaft, vor allem mit der Jugend? Dennoch sollte man alles nicht so ernst nehmen, denn jemand wie Sven, ist ein Ausnahmefall. So wirkt die Erzählung auf mich an manchen Stellen unwirklich und sehr befremdlich. Es fällt mir außerdem schwer, mich mit Sven zu identifizieren, und somit richtig in die Geschichte einzutauchen. An manchen Stellen lässt die Spannung deutlich nach, doch trotzdem finde ich es durchaus interessant ein solches Leben kennenzulernen. Der Roman ist nichts für schwache Nerven, denn er zeigt die ungeschminkte Realität eines Menschen, für den Gewalt und Drogen an der Tagesordnung stehen. Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen, gebe dem Buch jedoch 4, da ich es wichtig finde, dass Jugendliche und vielleicht sogar Eltern, diesen Roman als Abschreckungsbeispiel sehen und einmal einen Blick in die Welt von Sven werfen.
Kevin Hartwig (17 Jahre) - Jugend-Redaktion Buecherkinder.de



Was einst nach einem Leben mit Studium und Karriere aussah ist nun längst vergessen: Sven Lechner, dem durch seinem erfolgreichem Vater "alle Türen offen stehen", hat aufgegeben, sein einziger Grund zu Leben scheinen nur Alkohol, Drogen und Sex zu sein. Die Beziehung mit seinem Vater scheint komplett aufgegeben sein, die beiden leben nur noch aneinander vorbei und ein Gespräch ohne Ausartung scheint unmöglich. Doch da ist noch Lina, seine Schwester, die er über alles liebt. Nach Körperverletzung muss Sven für 2 Monate ins Gefängnis, verpasst den Abflug seiner Schwester, die für ein Jahr nach Australien geht, in das Land ihrer gemeinsamen Kindheitsträume. Doch dann gerät Lina in Gefahr und Sven muss alles daran setzen, das Lösegeld zusammen zu kratzen um sie zu befreien. Doch geht das mit Drogenhandel und Diebstahl? Oder muss Sven sich sein Geld erarbeiten?
Oliver Uschmann schildert das Leben des 19-jährigen Sven in einem interessanten Schreibstil: einerseits völlig unzensiert und ungeschminkt, aufrüttelnd, knallhart und ehrlich, andererseits ergreifend und voller Emotionen. Es kommt nicht selten vor, dass man beim Lesen am liebsten das Buch vor gegen die Wand schmeissen würde, man fühlt mit Sven mit, wie missverstanden er sich fühlt, wie ungerecht die handelnden Personen ihn behandeln, andererseits ist man verärgert über Svens Entscheidungen und seine regelmässigen Rückschläge. Manchmal lässt die Spannung leider etwas nach und man ist versucht, einige Absätze zu überspringen. Die Geschichte symbolisiert einerseits sehr gut die heutige Jugend und vor allem die alltägliche Realität vieler Jugendliche, über die die meisten nur den Kopf schütteln können, andererseits kommen einem einige Geschehnisse schon sehr unwahrscheinlich und von zu weit hergeholt aus. Alles in einem habe ich das Buch jedoch mit grosser Spannung gelesen und würde es Jungen sowie Mädchen weiterempfehlen, jedoch nicht unter 14 Jahren. Ich gebe dem Buch 4 Sterne.
Clara Pietrek (15 Jahre) - Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Spannung