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Niemand liebt November von Michaelis, Antonia, Junge Literatur, Aus dem Leben, Spannung

Niemand liebt November

Michaelis, Antonia

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Oetinger

Empfohlen ab: 16 Jahre

ISBN: 9783789142956

Inhalt

Kurz vor Ambers sechstem Geburtstag verschwanden ihre Eltern auf unerklärliche Weise. Jetzt ist Amber, die eigentlich November heißt, 17 Jahre alt und glaubt, eine Spur zu haben. Doch was hat es mit dem Jungen auf sich, der in dem erleuchteten Zelt ein Buch liest, sich aber in Luft auflöst, sobald sie sich ihm nähert? Welche Ziele verfolgt der Kneipenwirt, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, und der immer für sie da zu sein scheint? Steckt er vielleicht sogar hinter den anonymen Drohungen, die sie erhält? Amber muss sich entscheiden: zwischen ihrer zerstörerischen Vergangenheit und dem Aufbruch in die Zukunft.

Bewertung

Antonia Michaelis neues Jugendbuch „Niemand liebt November“ schlägt einem mit der Macht der Worte und der Grausamkeit der Realität entgegen, wie der peitschende Novemberregen.

 

Die schroffe November Lark ist auf der Suche nach ihren Eltern, die sie seit ihrem sechsten Geburtstag nicht mehr gesehen hat. Seitdem zieht sie von Heim zu Heim und sieht zu wie ihr Leben den Bach hinunter rauscht. Einzige Begleiter auf diesem Weg sind „die Katze“ und ein mysteriöser Junge in orangefarbenem Zelt. Als sie den Wirt des Bottled kennenlernt scheint ein kleiner Funken Hoffnung zu erleuchten und sie nimmt die Fährte zu ihren wieder Eltern auf. Dieser Weg ist lang und voller Wirrungen, Unglücken und bedeckt von tiefer Traurigkeit. Der Tod und Gefahr lauern hinter jeder Ecke, Verzweiflung überall, die bis hin zur Prostitution führen. Und doch ist da immer ein zarter Schimmer in der Dunkelheit der vom orangefarbenen Zelt ausgeht. Von einem Jungen der unerreichbar nah ist, von verschwimmenden Realitäten und dem Abtauchen in eine andere Welt.

 

November ist eine Protagonistin wie keine andere. Sie steckt volle Widersprüche, ist sensibel und doch so schroff und unnahbar. Sie benimmt sich beinahe asozial und versteht doch den Hauch der Magie in den Worten. An einer Stelle findet man sie abstoßend und wird so wütend, dass man sie schütteln möchte und im nächsten Moment möchte man das zerbrechliche Mädchen, mit dem man sich so gut identifizieren kann nur noch trösten.

 

Hauptsächlich fesselte mich die schwere, wunderbar melancholische Atmosphäre und die drohende Gefahr, doch nicht nur die Stimmung, auch die Handlung hat mich überzeugt. Dazu brauchte es aber etwas. Anfangs schleppte ich mich etwas durch die Zeilen, war wenig begeistert, doch desto weiter ich kam, desto tiefer war ich im Sog gefangen.

Die Sprachgewalt ist unglaublich. Die Worte weben sich zu einer dunklen Decke in die man sich einkuschelt, die einen ummantelt, kratzt und wärmt zugleich. Dieses Gefühl wird durch die Gedichte, die jedes Kapitel einleiten nochmals verstärkt. Diese waren ein ganz besonderer Bonus über den ich mich freute. Der zwischenzeitlichen Sprünge zwischen Realität und Fantasie gefielen mir an einigen Stellen sehr gut und vervollständigten die Geschichte für mich, an anderer hingegen empfand ich sie als verwirrend und störend. So ging es mir auch mit den vielen Themen wie Liebe, Tod, Prostitution, Selbsthass, Schwangerschaft und und und. Einerseits wurden Charaktere und Handlung dadurch noch vielschichtiger und reeller, anderseits aber auch nur angerissen und nicht weiter vertieft, was mir etwas fehlte.

Für mich ein ganz besonders geschriebenes Buch, ich bin und bleibe großer Fan von Antonia Michaelis, die mir meine Kindheit schon versüßt hat und es nun schafft auch die düsteren Gefühle auszudrücken. Ein poetisches, schweres Buch für alle, die sich nicht vor unbequemen Wahrheiten verschließen. Ich gebe die vollen 5 Sterne dafür.

 

Elisa Lehmann (16) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Spannung