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Poppy der Piratenhund von Kessler, Liz, Kinderbücher, Erstes Lesen, Abenteuer

Poppy der Piratenhund

Kessler, Liz

Übersetzung: Riekert, Eva

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Fischer KJB

Empfohlen ab: 6 Jahre

ISBN: 9783596856138

Inhalt

Der Dalmatiner Poppy freut sich schon auf die Sommerferien am Meer. Er weiß, dass ihm alles gefallen wird. Besonders das Piratsein. Aber als Poppy an Bord eines Schiffes gehen soll, fühlt er sich gar nicht mehr gut. Ein seekranker Piratenhund? Nein, mit dem passenden Boot ist Poppy auch ein richtiger Piratenhund.

Bewertung

Dalmatiner Poppy wird im Urlaub am Meer zum Piratenhund. Klar, dass ein echter Pirat auch raus auf See muss. Doch das bekommt Poppy so gar nicht, bis seine Familie eine prima Idee hat...

 

Ein großes rotes Boot, zwei Kinder in Piratenverkleidung und ein Hund – schon das Cover ist sehr ansprechend gestaltet. Die Geschichte vom seekranken Piratenhund mit seinen Freunden Tim und Susie ist für Jungs und Mädchen gleichermaßen geeignet und sehr liebevoll ausgedacht. Das Bild-Text-Verhältnis ist optimal für Erstleser und die Info, dass es einmal einen echten Poppy gab, besonders schön. Mein kleiner Testleser Adam (7) meinte auf die Frage, was ihm denn an „Poppy“ am besten gefallen habe: „Dass der Poppy so traurig war und es ihm dann wieder gut ging.“

Allerdings hat das Buch einige deutliche Schwachstellen, wie ich finde: „Poppy der Piratenhund“ wird vom Verlag als Erstlesebuch angepriesen. Da verwundert die Beibehaltung des englischen Familiennamens Brown, mit dem junge Leser und Leserinnen sicher ihre Schwierigkeiten haben. Nachdem sowohl die Vornamen der Familie als auch die Adresse übersetzt bzw. eingedeutscht wurden, wäre „Familie Braun“ doch auch eine passable und deutlich besser lesbare Variante gewesen, oder?

Unverständlich ist mir auch die Entscheidung des Verlages, Poppy im Zuge der Übersetzung einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen. Im englischen Original handelt es sich nämlich um eine Hündin! Gleich auf der ersten Seite fällt außerdem die (falsche) Rechtschreibung der Straße auf: „Parkblick Straße Nummer 12“. Korrekt müsste es im Deutschen heißen: „Parkblickstraße“.

In einem Erstlesebuch erwarte ich, dass besonderes Augenmerk auf korrekte Grammatik gelegt wird, damit die Kinder sich keine falschen Varianten einprägen. Auch sind viele Sätze für junge Leser deutlich zu lang und komplex, manchmal erstrecken sie sich über eine ganze Seite. Komplizierte zusammengesetzte Wörter wie „erwartungsvoll“ oder „entlangspazieren“ müssen für Erstleser auch nicht unbedingt sein. Die Bilder sind ok, aber weder künstlerisch noch inhaltlich besonders hervorhebenswert. Lediglich einmal zeigt ein Bild etwas, das noch nicht bereist im Text beschrieben wird, nämlich Poppys Traum vom Piratenleben (S.24/25).

Auffällig sind hingegen die sehr stereotypen Geschlechterrollen, die im Buch gezeigt werden: Mama und Tochter tragen fast ausschließlich Rosa und Kleider bzw. Röcke, kaufen Hüte und tragen Handtaschen. Papa hingegen packt sein Buch für den Urlaub ein und kann natürlich als stärkster in der Familie Poppy an Bord des Schiffes bringen, nachdem es alle anderen Familienmitglieder vergeblich versucht haben. Man muss es mit dem Gendern ja nicht übertreiben, aber so viel Klischee ist nun auch wieder nicht nötig. Die Kinder nehmen diese Details nicht bewusst wahr und stören sich daher nicht daran, aber unbewusst beeinflussen sie ihr Weltbild. Wir sollten uns daher schon fragen, welche Rollenbilder wir vermitteln wollen. Hätte man Poppy weiblich und damit eine Piratin sein lassen, wären die Klischees zumindest ein Stück weit relativiert gewesen, aber diese Chance wurde leider vertan.

Alles in allem ein nettes Buch mit einer liebevollen Geschichte, die Kinder mögen. Etwas mehr Sorgfalt bei der Bearbeitung hätte ihm aber gut getan.

 

Regina Rullmann und Adam (8) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Abenteuer