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Seelenhüter von Whitcomb, Laura, Jugendbücher, Fantasy, Fantasy

Seelenhüter

Whitcomb, Laura

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2011

Verlag: PAN

Empfohlen ab: 13 Jahre

ISBN: 9783426283325

Inhalt

Calder ist ein Seelenhüter, der den Menschen seit über 300 Jahren die Tür in das Leben nach dem Tod öffnet. Doch als er eines Tages das Zimmer eines kranken Jungen betritt, geschieht etwas Unerwartetes: Er verliebt sich auf den ersten Blick in die am Bett wachende, bildschöne Alexandra. Calder ist überzeugt: Sie ist seine Seelenverwandte! Er bringt es nicht übers Herz, der jungen Frau weh zu tun, und schenkt dem Kind das Leben. Von nun an kann Calder die Schönheit Alexandras nicht mehr vergessen. Aber um sie wiederzusehen, muss er die uralten Gesetze der Seelenhüter brechen – mit fatalen Folgen.

Bewertung

Whitcombs Geschichte über einen Begleiter, der die Seelen Verstorbener ins Himmelreich überführen soll, ist eine überraschende Mischung aus Abenteuer und halb erfundener Historie. Calder, ein über 300 Jahre alter Seelenhüter, kommt von seinem vorgegebenen Weg ab, als er sich in eine Sterbliche verliebt und ihren im Sterben liegenden Sohn rettet, obwohl der Junge schon für den Tod bereit war.
Jahre später, als er auf denselben Jungen trifft, beschließt er, zu den Sterblichen überzugehen und sich einem Körper anzunehmen, den des Rasputins. Von da an sind sein Leben und seine Arbeit mit der der Familie Romanow verbunden, der letzten russischen Zarenfamilie.
Es ranken sich einige Geschichten über die ehemals verschollenen Leichname des Thronfolgers Alexis und seiner Schwester Anastasia, Whitcombs Roman erzählt eine davon. Auf der Suche nach dem Schlüssel, der die Kinder zur Familie in den Himmel bringen soll, führt sie ihre Reise durch das vom Krieg heimgesuchte Russland über Japan nach Los Angeles, weiter an die amerikanische Ostküste, von wo aus sie nach Europa gelangen, um bei Verwandten Zuflucht in England zu finden. Dabei schweben sie immer in höchster Gefahr, denn durch den Gebotsbruch des Begleiters - als Calder sich einen sterblichen Körper nahm begann er eine Sünde - hat er auch die verlorenen Seelen gegen sich aufgebracht. Sie suchen nicht nur ihn heim, sondern bedrohen auch Alexis und Anastasia, die sich immer mehr mit dem Seelenhüter anfreunden.
Whitcomb erlegt ihrem Protagonisten immer neue, scheinbar unlösbare Aufgaben auf; so muss Calder nicht nur die Zarenkinder schützen, die er als seine Lehrlinge auserwählt hat, sondern auch eine alte verirrte Seele ins Himmelreich bringen und "die Kinder retten". Er vertraut dabei unaufhörlich auf Gott, muss aber auch erfahren, dass Glaube und Zuversicht in ihm selbst liegen.
Die Liebesgeschichte, die auf dem Buchrücken angedeutet wird, ist nicht der Leitfaden des Romans. Und es ist kein Liebesroman, wohl eher ein wirklich interessant geschriebener Entwicklungsroman. Als Liebesgeschichte hätte es wohl nicht den Ernst und die Botschaft erhalten, die am Ende den Roman ausmacht. Es handelt von Freundschaft, Treue und Verzicht, Erwartungen und Hoffnung, sowie der Erkenntnis, dass das Leben einfach geschieht und Dinge sich von ganz allein entwickeln. Sehnsucht und Vertrauen werden immer wieder geschildert, aber auch Erfüllungen und Zufriedenheit. Und schließlich wird auch eine Liebe, die sich entwickelt, erwidert.
Stellenweise scheint der Text unverständlich, durch die Grenzverwischung von Calders Vergangenheitsträumen und der Gegenwart; und dem ständigen Wechsel zwischen seinem Dasein als Rasputin und dem wirklichen Geist Rasputin. Der Roman enthält viele Geschichten, wie den Ersten Weltkrieg und die Situation vor allem in Rußland, die Legende um die Zarenfamilie, das Leben nach dem Tod in Gottes Obhut, der Kindheit eines kleinen Bettlerjungen und das alles eingebettet in der unbestimmten Reise der Figuren Ana, Alexis und Calder.
Das Buch lässt sich sehr angenehm lesen, dank der Einteilung in sieben Sinnesteile und siebenundreißig Kapitel. Whitcombs Schreibstil ist angenehm detailliert, sie kann Bilder hervorrufen, die sich einem ganz klar vor Augen zeigen.
Ich würde das Buch jedem empfehlen, der gerne Legenden liest und unvoreingenommen zu Büchern greift. Es lohnt sich. Von der immer wieder neuen Entwicklung war ich sehr überrascht und ich überlege sogar, andere Werke der Autorin zu lesen. 5 Sterne!
Beatrice Buchholz :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Fantasy