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Tilda und der Duft der Welt von Koch, Karin, Kinderbücher, Vorlesen, Alltag & Familie, Aus dem Leben

Tilda und der Duft der Welt

Koch, Karin / Wolfermann, Iris

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Peter Hammer Verlag

Empfohlen ab: 6 Jahre

ISBN: 9783779505167

Inhalt

Was Tilda mag und was nicht , sagt ihr ihre Nase. Sehr gern mag Tilda Papas Geruch. Er duftet nach Holz und Erde und ein bisschen nach Muskatnuss.

Seit der Vater nicht mehr bei ihnen wohnt, können Tilda und ihr kleiner Bruder Hans ihn nur noch manchmal besuchen. Bei Papa ist alles anders. Sie dürfen beim Baden alles unter Wasser setzen, und wenn Hans auf dem Sofa einschläft, trägt Papa ihn einfach ins Bett, ohne Zähneputzen. Aber Mama will nur wissen, ob er sich noch immer nicht rasiert und wieder vor dem Fernseher eingeschlafen ist. Eines Tages dürfen sie Papa gar nicht mehr besuchen. Hans schließt sich vor Wut im Gartenschuppen ein und endlich merken die Großen, dass die Kleinen nicht alles schlucken.

Bewertung

Tilda nimmt die Welt vor allem über Gerüche wahr. Und so weiß sie ganz deutlich: Bei Papa ist irgendwas nicht ganz in Ordnung. Bei ihm müffelt es immer ein bisschen. Sie muss direkt die Balkontür aufmachen, wenn sie zusammen mit ihrem kleinen Bruder Hans bei ihm ankommt.

Denn so oft sind Tilda und Hans nicht da. Sie wohnen bei ihrer Mutter. Lange sind die Eltern noch nicht getrennt und Tilda erzählt uns aus ihrer kindlichen Perspektive, wie schwer es manchmal sein kann, die Erwachsenen zu verstehen. Tildas Mama will immer alles ganz genau wissen, wenn die beiden Geschwister vom Besuchswochenende zurück sind. Tilda berichtet davon, wie sie nicht die Zähne putzen müssen, wie sie Cola trinken darf, wie überhaupt alles ein bisschen anders ist. Und versteht dabei nicht, dass ihre Antworten die Kluft zwischen ihren Eltern verschärfen. Sie liebt ihren Vater. Dass er in den Augen der Mutter etwas falsch machen könnte, kommt ihr nicht in den Sinn. Die Situation eskaliert, als Tildas Mutter Tildas Vater schließlich verbietet, die Kinder zu sehen. Tilda ist geneigt, sich traurig in ihr Schicksal zu ergeben. Hans nicht. Trotzig erkämpft er sich sein Recht auf den Vater. Das sieht auch der Familienrichter so und die Kinder dürfen ihren Papa zum Schluss wieder regelmäßig besuchen.

 

Die Trennung der Eltern ist nie ein leichtes Thema. Nur wenigen Paaren gelingt es, die eigenen Konflikte nicht auf ihre Kinder weiterstrahlen zu lassen und sie in einen Loyalitätskonflikt zu bringen. Karin Koch gelingt es beeindruckend sensibel zu schildern, wie es Tilda und Hans in ihrer neuen Situation geht und wie sie den Umgang der Eltern miteinander erleben. Ein besonders wichtiger Pluspunkt des Buches ist dabei, dass bei beiden Elternteilen „Fehler“ ersichtlich werden, bei beiden aber auch deutlich ist: Sie lieben ihre Kinder. Und sie tun ihr Bestes. Diese wohlwollende und verständnisvolle Erzählhaltung ist es, die „Tilda und der Duft der Welt“, so lesenswert macht. Das Buch wird vom Verlag ab 6 Jahren zum Vorlesen und ab 8 Jahren zum Selbstlesen (es ist in der Tat ein Hybrid zwischen klassischem Bilder- und Kinderlesebuch) empfohlen. Allerdings wird hier behauptet: Auch manchen Eltern in Trennung täte die Lektüre sicher gut.

Iris Wolfermann hat zu der Erzählung einfühlsame Illustrationen geschaffen, die die verschiedenen Gefühle gut auffangen und einbringen und so dem Text noch eine passende gestalterische Ebene hinzufügen. „Tilda und der Duft der Welt“ ist ein Kinderbuch nah am Leben – und nicht nur Scheidungskindern zu empfehlen.

 

Saskia Geisler :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie, Aus dem Leben