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Und in mir der unbesiegbare Sommer von Sepetys, Ruta, Jugendbücher, Historie, Historie

Und in mir der unbesiegbare Sommer

Sepetys, Ruta

Übersetzung: Ahrens, Henning

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2011

Verlag: Carlsen

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783551582546

Inhalt

Litauen, Sommer 1941: Die fünfzehnjährige Lina trägt noch ihr Nachthemd, als man sie, ihre Mutter und ihren jüngeren Bruder Jonas abholt. Sie weiß noch nicht, dass die sowjetische Geheimpolizei auch ihren Vater an der Universität verhaftet hat. Und auch nicht, dass sie - wie zehntausende andere Balten - nach Sibieren deportiert wird. Von einem Tag auf den anderen ist Lina konfrontiert mit unvorstellbarem menschlichem Leid, mit Hunger, Krankheiten und furchtbarer Gewalt. Doch Lina fängt an zu zeichnen, in den Staub, auf jedes kleinste Stück Papier, das sie finden kann. Und sie verliebt sich in Andrius. Lina kämpft um ihr Leben und um das ihrer Familie. Doch wird sie stark genug sein?

Bewertung

"Ich blieb am Spalt stehen und erzählte allen, was ich sah. Der Fluss Nemunas, die großen Kirchen, die Gebäude, die Straßen, die Bäume an denen wir vorbeikamen. Die Leute schluchzten. Litauen war nie schöner gewesen. Bunte Blumen leuchteten prachtvoll in der Junilandschaft. Wir rollten durch das Land, in Waggons, auf denen "Diebe und Huren" stand."

Litauen, 1941. Am Abend des 14. Junis wird die 15-jährige Lina Vilkas zusammen mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Jonas vom NKWD, dem russischen Geheimdienst, aus ihrer Wohnung gezerrt und in Lastwagen verfrachtet, die sie und viele andere Litauer zu langen Zügen bringen, die aus viele aneinander gereihten Viehwaggons bestehen. Der Zug bringt sie fort, immer weiter nach Osten, in die Einsamkeit hinein. Lina weiß nicht, was geschieht und warum ihr Vater nicht bei ihnen sein kann. Die Russen behandeln sie wie Dreck und einige ihrer Mitgefangenen haben die Hoffnung schon aufgegeben. Lina hingegen hält an ihren Erinnerungen fest, und ihre Fähigkeit zu malen hilft ihr oft ihre Gedanken zu verarbeiten. Die Liebe zu ihrer Familie und später auch zu Andrius, einem Jungen, den sie während der Deportation nach Sibirien kennenlernt, lassen sie die ganze Grausamkeit überstehen, obwohl es oft schwer ist. Doch bringt die Hoffnung überhaupt etwas? Wird sie Litauen, ihre Freunde, ihren Vater jemals wiedersehen?

"Mitten im tiefen Winter wurde mir endlich bewusst, dass ich einen unbesiegbaren Sommer in mir trug." (Albert Camus)

Dieses Zitat von Albert Camus ist der Namensgeber für den deutschen Titel, die Autorin beginnt damit ihr Nachwort. Der originale, englische Titel lautet "Between Shades of Gray", doch meiner Meinung nach ist der deutsche Titel viel passender. Für mich bedeutet er, dass man, egal was passiert, im Inneren die Hoffnung behält, die Hoffnung, dass sich was ändert, die Hoffnung dass etwas Gutes geschehen kann. Und eben dies ist die Haltung von Lina, die im Gegensatz zu vielen anderen Deportierten nicht denkt, dass alles vorbei ist. Auch wenn sie zwischendurch verzweifelt ist, sie findet dennoch die Kraft weiterzuleben, weiterzuhoffen.
Der Roman war sehr beeindruckend und regt einen zum Nachdenken an. Das sehr ernste Thema nimmt einen mit, ich musste oft beim Lesen eine Pause machen, weil ich einfach viel zu sehr mitgenommen wurde. Die Handlung ist manchmal hart, aber dennoch auf jeden Fall für Jugendliche geeignet. Über die Nazizeit weiß jeder Bescheid, da gibt es auch sehr viele Romane und Sachbücher für jüngere Leser. Doch dieses Thema war zumindest mir bisher nahezu unbekannt, obwohl es auch ein sehr dunkler Teil des zweiten Weltkrieges ist. Beim Lesen wurde mir mal wieder bewusst, wie viele Menschen in dieser Zeit überall in Europa gelitten haben, ich dachte bei mir: Was sind meine eigenen Probleme im Vergleich zu dem, was andere Menschen ertragen mussten und vielerorts immer noch müssen? Wut und Hilflosigkeit überkamen mich, und riesengroße Traurigkeit. Gefühle, die ich lange nicht bei einem Buch hatte.
Daran kann man glaub ich sehen, wie gut dieses Buch ist, denn genau das sollte ein Buch mit so einem Hintergrund bewirken. Es hat mich mitgenommen auf eine Reise, auf die ich vielleicht gar nicht wollte, aber die ich auf keinen Fall bereue. Ich kann dieses Buch einfach jedem empfehlen, der auch nur den Hauch von Interesse an Geschichte hat, der sich auch mal mit etwas ernsteren Themen auseinandersetzt. Ich lese ja normalerweise auch eher lockere Bücher, meistens Liebesromane, oder Fantasy. Doch das Buch hat mich einfach beeindruckt und bekommt einen Sonderplatz in meinem Bücherregal.
Vollkommen verdiente 5 Sterne für dieses bedrückende, gefühlvolle und beeindruckende Debüt, das einen zum Nachdenken anregt, zum Nachdenken über die dunklen Kapitel unserer Geschichte aber vielleicht auch über unser eigenes Leben und unsere Probleme, die im Vergleich zu Linas Leben einfach nur noch unwichtig erscheinen.
Eva Hanicke (17) - Jugend-Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Historie