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Und morgen am Meer von Bomann, Corina, Jugendbücher, Aus dem Leben, Liebe

Und morgen am Meer

Bomann, Corina

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Ueberreuter

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783800057221

Inhalt

Milena möchte wenigstens einmal in ihrem Leben das Mittelmeer sehen. Doch zwischen ihr und ihrem Traum steht die Berliner Mauer. Im Sommer 1989 ist in Ostberlin eine Reise in den Süden wie eine Reise zum Mars: unvorstellbar. Doch mit dem Westberliner Claudius scheint plötzlich alles möglich - eine Liebe, eine Flucht, eine Reise ans Meer.

Bewertung

Alles beginnt mit einer verlorenen Kassette in der U-Bahn: Milena, die in Ostberlin wohnt und ihrer besten Freundin eine selbst bespielte Kassette mit verbotener Musik schenken will, staunt nicht schlecht, als ihr diese von einem Jungen wiedergebracht wird, der ganz offensichtlich nicht aus der Gegend kommt. Im Gegenteil: Claudius sieht ganz stark nach Westen aus, nach "Klassenfeind", was Milena eine Menge Ärger bereiten könnte, wenn sie mehr mit ihm spricht als nötig. Doch irgendetwas ist da sofort zwischen den beiden, was sie von nun an nicht mehr trennen wird und sie in halsbrecherische und gefährliche Situationen bringt.
Trotz gelegentlicher Verständnisschwierigkeiten (Claudius wundert sich über die blauen FDJ-Hemden, die er für eine Uniform hält; während Milena ganz überrascht ist, dass er ohne Probleme das Gymnasium besucht und ganz sorglos sein Abitur machen kann) und dem Aufwachsen in verschiedenen geprägten Zonen, verlieben sich die beiden Jugendlichen ineinander so heftig, dass sie schon bald nicht mehr ohne einander sein können und einen Plan aushecken, wie sie trotz der Mauer, dem Todesstreifen und den geschlossenen Grenzen zusammen sein können. Und ehe sie sich versehen, befinden sie sich auf der Flucht statt auf dem Weg in die Freiheit.
Corina Bomanns Roman „Und morgen am Meer“ hat mir außerordentlich gefallen! Die Geschichte über Milena und Claudius ist sehr flüssig und realistisch erzählt, mit fabelhaften Dialogen, prägnanten Beschreibungen und unzensierten Figuren. Unterstrichen wird dieser Jugendroman in seiner ernsten Leichtigkeit von Musiktiteln der Zeit, die alle sehr treffend gewählt sind und die man sich beim Lesen gerne nebenbei anhört.
Für Leser ab 12 ist dieser authentische Roman mit historischen und abenteuerlichen Zügen sehr empfehlenswert, da er nicht nur von gut durchdachten Figuren mit ganz alltäglichen Problemen erzählt, sondern auch von der deutsch-deutschen-Geschichte; ohne Beschönigungen oder haltlosen Verteufelungen. Ich war von der Geschichte rund um die Flucht sehr beeindruckt, da sie über eine schwierige politische Situation erzählt, deren Stimmung keines der momentan auf den Markt gebrachten dystopischen Jugendromanen einfangen kann. Daher ist es der Autorin sehr gut gelungen, einen unterhaltsamen aber auch nachdenklichen Roman über die erste Liebe, die Wende und dem Erwachsenwerden zu schreiben.
Obwohl ich mit der Mehrzahl der DDR-spezifischen Begriffe aufgewachsen bin, hätte ich allerdings doch einen Glossar am Ende des Buches vorteilhaft gefunden. Einiges wird zwar im Laufe der Geschichte erklärt, aber nicht alles. Es ist natürlich sehr realistisch, dass im Alltag mit Abkürzungen umher geworfen wurde, aber wer die sozialistische Lebensweise der DDR nicht kennt, fühlt sich beim Lesen doch eher gebremst, wenn er auf einer Seite erst einmal vier Begriffe nachschlagen muss.
Dennoch vergebe ich 5 Sterne für diese großartige Zeitreise, die sowohl Leser in den Bann zieht, die die DDR nur aus dem Geschichtsbuch kennen, aber auch diejenigen, die sie selbst erfahren haben.
Beatrice Buchholz (22) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Liebe