Jugendbücher  >  Aus dem Leben
Und wieder Winter von Schauberger, Anja, Jugendbücher, Aus dem Leben, Alltag & Familie

Und wieder Winter

Schauberger, Anja

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag: Schwarzkopf und Schwarzkopf

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783862651771

Inhalt

Annas Mutter hat Brustkrebs – und das nun schon zum zweiten Mal. Während ihre kleine Schwester Emma sich kaum dafür zu interessieren scheint, begleitet Anna ihre Mutter zur Bestrahlung, versucht, ihr zu helfen, wo es nur geht. Auch weil die 18-Jährige sich schuldig fühlt – hat sie ihrer Mutter in der Vergangenheit doch viel zugemutet. In der Gegenwart der Krankheit vergisst Anna jedoch nur allzu gern ihre eigene Zukunft.
Zumindest bis Daniel auftaucht, der – anders als Anna denkt – nicht nur Augen für die hübsche Emma hat. Obwohl Anna skeptisch ist (Wie kann sich Daniel nur in sie, das unzufriedene Mädchen mit den viel zu kleinen Brüsten, verlieben?), gibt sie ihm eine Chance. Heimlich beginnen die beiden eine Beziehung und zum ersten Mal seit Langem ist Anna wieder glücklich. Aber ist das überhaupt erlaubt, wenn die eigene Mutter schwer krank ist?

Bewertung

Anja Schaubergers Debüt über ein ungleiches Schwesternpaar, das mit der gnadenlosen Krankheit der Mutter umgehen lernen muss, ist ein sehr ehrliches und authentisches Portrait Jugendlicher, die schneller reifen müssen, als ihnen lieb ist. Anna ist 18 und macht gerade ihr Abitur; ihre jüngere Schwester Emma treibt sich lieber mit ihren Freunden rum, als Zuhause auf die Neuigkeiten über die Mutter zu warten. Diese wiederum versucht immer wieder, sich nichts anmerken zu lassen, sie geht weiterhin Vollzeit arbeiten, obwohl sie bestrahlt wird, und will sich nur nichts abnehmen lassen. Anna, die ihre Familie sehr liebt, beobachtet kritisch und überrascht die Veränderungen ihrer Mutter und Schwester, was sie manchmal traurig werde lässt, sie aber auch aufregt. Sie muss lernen, eine Balance zwischen dem Werdegang ihres eigenen Lebens zu finden, ohne ständig Gewissensbisse gegenüber ihrer kranken Mutter zu haben.
Neben der schulischen Belastung muss sie sich Gedanken über ihre weitere Zukunft machen, ob sie von ihrer Familie weggeht oder an sich an der städtischen Uni einschreibt; und sich der verfahrenen Situation mit ihrer geheim gehaltenen Beziehung stellen: Da sie das Gefühl hat, ihre Schwester hintergangen zu haben, als sie eine Beziehung mit deren Exschwarm Daniel eingeht, lädt sie sich mehr Probleme und Lasten auf, als sie vertragen kann.
„Und wieder Winter“ ist berichtend, jung und wie ein langer innerer Monolog geschrieben. Anja Schauberger scheut sich nicht, ihre Figur Anna sämtliche (auch naive) Fragen stellen zu lassen und unzensiert Gedanken zu formulieren, die laut ausgesprochen sozial nicht anerkannt wären. Alles, was man sich nicht trauen würde, in der Öffentlichkeit zu sagen, taucht in Annas Monologen auf. Vorwürfe, Scham und die Angst vor dem Vergessen begleiten Anna ständig. Es ist nicht belehrend oder philosophisch ernst; und auch keine Hilfestellung zum Umgang mit krebskranken Menschen, sondern die Schilderung aus einem angespannten Alltag, der einen Einblick in die Gefühlslagen aller Beteiligten gibt und zeigt, wie unterschiedlich ein jeder mit der Herausforderung umgeht. Anna weiß selbst nicht, wie viel Unterstützung man als Angehörige geben muss oder soll, wann es für den Betroffenen aber auch für das Familienmitglied einfach zu viel wird.
Die Autorin hat ein Beobachtungstalent für die Gestaltung spontaner Momente, die der Geschichte ihre Lebendigkeit geben.
Für mich gab es nur wenige Dinge, die mir nicht so unbedingt gefallen haben: Beispielsweise die Tatsache, dass die meisten Absätze mit einem Tagesanfang beginnen und nur Tagesabläufe beschrieben werden, das macht die Erzählweise ein wenig eintönig; oder dass in jedem Kapitel unkommentiert eine ganze Menge Alkohol getrunken wird (oder aus Langeweile geraucht wird). Bis auf Anna und Emma bleiben alle anderen Charaktere recht blass, sowohl von der äußeren als auch inneren Beschreibung her.
Es ist kein Liebes- oder Krankheitsroman, sondern eine einfühlsame Erzählung über eine schwierige Lebensphase, bei der selbst am Ende noch offen bleibt, wie es mit den Figuren weitergeht – was ich persönlich immer gut finde.
Ich gebe dem Roman noch 4 Sterne, weil ich bisher nichts Vergleichbares gelesen habe und es immer wieder Stellen gab, die mich berührt haben. Empfehlen würde ich den Roman erst ab 14, da ich einige Verhaltensweisen der Figuren nicht so vorbildlich finde.
Beatrice Buchholz (22) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie