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Väterland von Léon, Christophe, Jugendbücher, Aus dem Leben, Problemthemen, Zeitgeschehen

Väterland

Léon, Christophe

Übersetzung: Griebel-Kruip, Rosemarie

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2017

Verlag: Mixtvision

Empfohlen ab: 13 Jahre

ISBN: 9783958540958

Inhalt

Gabrielle ist fast dreizehn Jahre alt. Im Alter von sechs Monaten wurde das aus Somalien stammende Mädchen von einem homosexuellen Paar adoptiert. George und Phil, ihre Väter, sind seit 15 Jahren verheiratet, doch nun wurde ein Gesetz erlassen, das sie zu Ausgestoßenen macht. Sie müssen eine rosa Raute als Kennzeichnung tragen, in einem Ghetto am Stadtrand wohnen und verlieren das Recht, ihren Beruf auszuüben (die beiden sind Künstler) – in der Stadt dürfen sie sich ohne Genehmigung nicht mehr bewegen. Um ein Geschenk zu Gabrielles Geburtstag zu finden, riskieren sie alles und fahren ohne Erlaubnis in die Stadt. Doch nachdem sie einen Autounfall gebaut haben und dadurch die Aufmerksamkeit vermeintlich rechtschaffener Bürger auf sich gelenkt haben, können sie niemandem mehr vertrauen. Wie sollen sie Gabrielle warnen, die Zuhause geblieben ist? Wie können sie ihre Verfolger abschütteln? Und wohin sollen sie flüchten?

Bewertung

Bald hat Gabrielle Geburtstag und wird 13 Jahre alt. Dafür wollen ihre Eltern ihr natürlich ein besonderes Geburtstagsgeschenk besorgen. Doch Gabrielles Eltern sind ein homosexuelles Paar und Ausgestoßene aus der Gesellschaft. Sie leben zusammen mit ihrer aus Somalia adoptierten Tochter in einem Ghetto mit anderen homosexuellen Familien und dürfen nur mit selten ausgestellten Passierscheinen in die Stadt. Doch anlässlich Gabrielles Geburtstags fahren ihre Väter mit einem gefälschten Unterlagen in die Stadt, haben dort jedoch einen Autounfall, was die Aufmerksamkeit der rechtschaffenden Bewohner auf sich zieht. So beginnt eine grausame Verfolgungsjagd, während Gabrielle unwissend im Ghetto zurückbleibt.

 

Das Buch ist eine, eher politische, Dystopie und spielt im Paris der Zukunft. Dort hat sich das „traditionelle“ Familienbild durchgesetzt und Homosexuelle haben kaum Rechte, müssen in einem Ghetto außerhalb der Stadt leben und eine rosa Raute zur Markierung tragen, ein Szenario, das an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert.

Das Buch ist mit 115 beschriebenen Seiten kurz und auch die Schrift ist eher größer, weshalb der Inhalt insgesamt wenig ist. Vielleicht lag es an dem wenigen Inhalt, dass mich das Buch nicht richtig berühren konnte. Natürlich war ich schockiert und verärgert, habe jedoch in dem Buch weitaus mehr Potential gesehen.

Das Buch besteht insgesamt aus drei Handlungssträngen. Zum einem wird der schleichende Prozess der Ausgrenzung Homosexueller als Rückblende aus Sicht der kleinen Gabrielle geschildert. Hierbei muss sich der Leser viel hinzudenken, da die Sicht des Mädchens natürlich beschränkt und kindlich naiv ist. Im zweiten Handlungsstrang erfährt man wie es den beiden Vätern George und Phil auf ihrer Flucht ergeht, während man im dritten, in etwa parallel verlaufenden Handlungsstrang Einsichten in Gabrielles Situation ohne ihre Väter bekommt.

Durch die Kürze des Buches konnte ich keine allzu tiefen Bindungen mit den Charakteren aufbauen und das Ende hat sich mir nicht hundertprozentig erschlossen. Der Autor hat die Situation jedoch sehr authentisch dargestellt und ihm gelingen einige interessante Verknüpfungen an die historische und aktuelle Realität. Die rosa Raute ist beispielsweise eine Analogie zu einer Markierung für Homosexuelle im Nationalsozialismus – dem „Rosa Winkel“. Gut finde ich außerdem, dass der Autor das Thema der Diskriminierung neu angeht und nicht auf den Nationalsozialismus zurückgreift.

 

„Väterland“ ist ein Jugendbuch über Intoleranz und Radikalisierung, was aufgrund seiner bescheidenen Länge jedoch nicht außergewöhnlich packend ist. Ich vergebe 4 Sterne und empfehle es Jugendliche ab 14 Jahren.

 

Ellen Bartsch (15) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Problemthemen, Zeitgeschehen