Jugendbücher  >  Historie
Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel von Zöller, Elisabeth, Jugendbücher, Historie, Deutsche Geschichte

Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel

Zöller, Elisabeth

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag: Fischer Schatzinsel

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783596854479

Inhalt

Die fünfzehnjährige Paula liebt ihren Vater über alles. Sie teilt seine Ansichten, verehrt Hitler und ist begeistert beim BDM. Doch nach und nach entdeckt sie, dass ihr Vater maßgeblich an der Deportation von Juden beteiligt ist. Und ihr Weltbild gerät ins Wanken. – Hautnah erlebt der Leser Paulas anfängliche Begeisterung und die schmerzliche Loslösung vom nationalsozialistischen Gedankengut.

Bewertung

Paula ist ein ganz normales Mädchen, das zur Zeit des 2. Weltkrieges in Münster wohnt. Ihr Vater ist Mitglied der NSDAP und ihre Mutter ist bei der NS-Frauenschaft engagiert. Sie selbst ist stolze Schaftführerin einer ca. 10 Mitglieder großen Gruppe des BDM und Besitzerin eines von Adolf Hitler handsignierten Buches „Mein Kampf“, und ihr Bruder Hans ist Mitglied der HJ (Hitler-Jugend). Doch Paula merkt, dass nicht alles so ist wie es dem deutschen Volk verkauft wird. Als sie einen neuen Geschichtslehrer bekommt, der den Mädchen sagt, sie sollen das eigene Denken nicht aufgeben, ist sie sich nicht mehr so sicher, ob alles, was der Führer sagt, auch wirklich gut ist. Durch ihre Freundin Mathilda, die Halbjüdin ist, erfährt sie, was mit Ausländern und insbesondere Juden angestellt wird. Sie lernt die Angst Mathildas vor den schwarzen Autos kennen und erlebt an eigenem Leib, wie es ist, eine Freundin zu verlieren, die von Deutschen abgeholt und weggebracht wird. Die beiden versuchen, durch einen Geheimbriefkasten den Kontakt zu halten, doch Paulas Vater kommt hinter die Geschichte und verhängt ein Verbot, laut dem die beiden keinen Kontakt mehr haben dürfen. Als Paula sich dann eine neue Frisur machen lässt, mit der sie nicht mehr wie ein Kleinkind aussieht, sondern richtig erwachsen, wie ihre Oma findet, eskaliert die Lage bei ihr zu Hause.
Ich war sehr geschockt, als ich gelesen hatte, wie man in der Zeit des 2. Weltkrieges mit den Juden umging. Aber auch Deutsche wurden schlecht behandelt, wenn sie etwas mit Juden zu tun hatten. Sogar deutsche Kinder wurden halb zu Tode geprügelt. Auch das Denken, der Führer ist gut, er macht alles richtig und wir müssen uns auch so verhalten, ist sehr krass geschrieben. Man hatte das Gefühl, die Menschen würden ihren Führer wie einen Gott verehren. Dies alles wird in diesem Buch aufgegriffen. Elisabeth Zöller erzählt von den gelben Bänken nur für Juden und davon, dass Nachbarn auf einmal nicht mehr da sind, und jemand anderes in ihrem Haus wohnt. Manchmal dachte ich: Das ist ja alles verrückt! Und das nur um die Juden aus Deutschland zu vertreiben ...
Die Geschichte um Paula regt zum Denken an. Kinder werden an das Thema „2. Weltkrieg und Drittes Reich“ herangeführt. Toll finde ich auch, dass die Fakten gut verpackt waren, und es dadurch interessanter für Kinder ist, das Buch zu lesen. Für Interessierte unbedingt lesenswert! Ich vergebe 4 Sterne.
Paula Klöver (12) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Deutsche Geschichte