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Wörter auf Papier

Vawter, Vince

Übersetzung: Herzke, Ingo

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Königskinder

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783551560018

Inhalt

Victor ist der beste Werfer von ganz Memphis. Nicht nur beim Baseball. Jede Zeitung, die er austrägt, landet perfekt auf der Veranda. Doch wenn Victor an Freitag denkt, wird ihm mulmig zu Mute. Dann muss er das Geld bei den Abonnenten einsammeln. Und das, wo er so sehr stottert, dass er kaum zwei Wörter hintereinander herausbringt.

Der heiße Sommer 1959 bringt die seltsamsten Begegnungen mit sich. Da ist Mrs Worthington, die Kummer hat; der Fernsehjunge, der nie rauszugehen scheint; und der weise Mr Spiro, der Victor einen stotternden Dichter nennt.

Bewertung

Memphis 1959: Der 11-jährige Victor ist der beste Pitcher in seiner Altersgruppe. Keiner kann den Baseball so hart und genau werfen wie er. Als Victor seinen besten Freund beim Zeitungsaustragen vertreten soll freut er sich auf diese Aufgabe, Zeitungen werfen ist schließlich fast das Gleiche wie Baseball spielen. Nur vor den Freitagabenden fürchtet er sich, denn da muss er an jeder Tür in seiner Nachbarschaft klingeln und das Geld für die Zeitungen einsammeln. Und dafür muss er sprechen.

Doch wenn Victor spricht bleibt er meistens schon am ersten Buchstaben hängen und kommt nicht weiter, denn Victor stottert. Auf seiner Tour trifft er Menschen, die ihm helfen, sich und die Welt um sich herum besser zu verstehen. Dabei lernt er, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. „Warum verschwenden Menschen, die richtig reden können, so viele Worte und sagen nichts?“, fragt Victor einmal seinen neuen Freund Mr. Spiro, denn der Junge leidet sehr darunter, dass er nicht das ausdrücken kann, was er eigentlich sagen will.

 

Der Autor schafft es dabei, dem Leser die Thematik und die Probleme des Stotterns wirklich näher zu bringen und man spürt ganz deutlich die autobiografischen Bezüge in der Geschichte. Das Stottern wird dabei schriftlich dargestellt, sodass man Victors „Kampf“ mit den Wörtern nachvollziehen kann. Gleichzeitig wird auch die Ignoranz der Gesellschaft und sogar von Victors Familie gegenüber seinem Stottern thematisiert. Vor allem die Mutter schafft es nicht ihren Sohn so anzunehmen, wie er ist.

Weitere Themen, wie das distanzierte Verhältnis zu seinen Eltern, sowie die umso engere Bindung zur Haushälterin „Mam“ und die Diskriminierung der afro-amerikanischen Bevölkerung geben der Geschichte mehr Tiefe und zeichnen ein sehr authentisches Bild vom Leben im Memphis Ende der 50er Jahre.

Es macht Freude mitzuerleben, wie Victor an seiner Aufgabe wächst und es schafft neue Freundschaften zu knüpfen. Der Junge und seine beste Freundin „Mam“ wachsen dem Leser richtig ans Herz und ihre tiefe Freundschaft, die sich über alle ethnischen Konventionen der damaligen Zeit hinwegsetzt, ist für mich der schönste Aspekt an dieser Geschichte.

Zwar hat die Handlung am Ende noch einen kleinen Spannungsbogen, doch im Großen und Ganzen ist das Erzähltempo sehr ruhig und die Sprache malerisch, teilweise sogar poetisch.

 

Insgesamt ist „Wörter auf Papier“ eine Geschichte, die sehr zu Herzen geht mit einem unglaublich starken Protagonisten, doch gerade durch das ruhige Erzähltempo fehlte mir manchmal der Ansporn zum Weiterlesen.

 

Tessa Marie Scholler (17) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie, Anders sein