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Warum bin ich nicht du? von Ungerer, Tomi, Kinderbücher, Kinderliteratur, Wissen

Warum bin ich nicht du?

Antworten auf philosophische Fragen von Kindern

Ungerer, Tomi

Übersetzung: Beilharz, Alexandra , Fröhlich, Grit , de Weck, Margaux

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Diogenes

Empfohlen ab: 8 Jahre

ISBN: 9783257069808

Inhalt

Die großen philosophischen Fragen bleiben immer dieselben, sei es vor zweitausend Jahren oder heute, ob man achtzig oder acht Jahre alt ist. Neugier ist der Ursprung der Philosophie. Kinder aus Frankreich und Deutschland haben Tomi Ungerer Fragen gestellt. Seine Antworten sind verblüffend, frech, witzig – und immer beflügelnd.

Ein Philosophiebuch, das Lust aufs Denken macht, für Kinder und Erwachsene.

Bewertung

Auf dem Titelbild des Buches, in dem der weithin bekannte französische Autor und Illustrator Tomi Ungerer philosophische Fragen von Kindern auf seine ganz eigene, unkonventionelle Weise beantwortet, stehen sich als Sinnbild der gleichzeitigen Gleich- und Verschiedenheit zwei Pinguine gegenüber – der eine mit pinkfarbenem, der andere mit hellgrünem Bauch.

Alle Menschen treiben, mal mehr und mal weniger, existentielle Fragen um, nach denen wir allgemeingültige Antworten suchen. Doch kann es diese Allgemeingültigkeit angesichts unserer Verschiedenheit geben? Und wenn ja, woran können wir sie festmachen? Lässt sich das Allgemeingültige im Individuellen finden? Ungerer führt in das Buch mit der Überlegung ein, dass eine Philosophie, die keine Rezepte für das Leben bereithalten würde, bloße Gehirngymnastik und zu akrobatisch für gewöhnliche Sterbliche sei. Mit Gedanken jener großen Philosophen wie Kant, Descartes oder Kierkegaard, mit denen er sich in seiner Jugend auseinanderzusetzen versuchte, fühle er sich überfordert und zudem erregen Theorien, die die Wahrheit gepachtet zu haben scheinen, sein gesundes Misstrauen. Ungerer nimmt sich lieber die Freiheit, selbst zu denken und diese Gedanken aufzuschreiben. Dies macht er mit besonderer Begeisterung, als ihn der Chefredakteur eines französischen Philosophiemagazins fragt, ob er dort in einer Kolumne von Kindern gestellte Fragen beantworten wolle. Diese Antworten sind nun in einem 181-seitigen Buch versammelt, welches Ungerer in seinem erfrischend subversiven Stil mit persönlichen Betrachtungen und 40 Illustrationen bereichert.

Die 97 Fragen von Kindern wie Maya, Laura, Paul, Pierre, Rafael und vielen weiteren Kindern im Alter von 3 bis 13 Jahren berühren Themen aus allen Lebensbereichen. Am Buchende ordnet - was für das spätere Nachschlagen sehr sinnvoll erscheint - ein Themenregister diese Fragen in die Bereiche Angst, Denken und Wissen, Familie, Freundschaft, Geld, Gesellschaft und Moral, Kinder und Erwachsene, Kosmos und Weltall, Liebe, Mensch und menschliche Natur, Natur und Wissenschaft, Religion, Tiere, Tod und Vorurteile, wobei sich einzelne Fragen in mehreren Themenbereichen wiederfinden.

Es sind Fragen zum Beispiel danach, wie man jemandem sagt, dass man ihn liebt, warum wir Lieblingsfarben haben, warum es Geld gibt, ob Tiere Gefühle haben, was hinter den Sternen ist, ob Gott männlich oder weiblich ist, wie es nach uns auf der Erde aussehen wird, warum es so viele Bücher gibt, wie das Sterben ist, was Zeit ist und viele weitere interessante und spannende Fragen, die Ungerer unkonventionell, originell und zuweilen auch ein wenig provokant, doch nie arrogant, zu beantworten versucht.

Titelgebend ist die Frage der siebenjährigen Eurydice: „Warum bin ich nicht du?“, die Ungerer mit einer Anekdote aus der eigenen Kindheit zu beantworten beginnt, was er nicht nur an dieser Stelle macht und mit diesen eigenen biografischen Bezügen unmittelbare Authentizität schafft, Erklärungsansätze anbietet, jedoch keine fertigen Antworten liefert, sondern vielmehr verschiedene Überlegungsanstöße zum Weiterdenken darlegt. Das macht er respekt-, verständnis- und humor- und phantasievoll, zuweilen auch gewürzt mit einer Portion Rebellion. Ungerer sagt selbst dazu: „Ich bleibe auch im Absurden Realist, wie eine Eiche, die ihre Blätter durch Nadeln ersetzt, wenn der Winter naht. Das Leben ist eine Prüfung, die man bestehen muss in einer Welt voller Ungerechtigkeit und Gewalt – besser, man warnt die Kinder rechtzeitig davor.

Fragen von Kindern zu beantworten bedeutet, sich an ihre Stelle zu versetzen, ihnen die Dinge mit erwachsenen, verständlichen Worten erklären, die Gedanken mit Beispielen aus der Realität oder der Phantasie illustrieren. Ihnen zeigen, dass man alles überwinden kann mit einem Lächeln, mit Respekt. Und dass wir - dem Absurden sei Dank - alle bloß Zauberlehrlinge sind. Tomi Ungerers philosophischer Zauberlehrling zu sein, macht Freude und regt den Geist an.

 

Hanna Nebe-Rector (Malkastl.de) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Wissen