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Wenn mein Mond deine Sonne wäre von Steinhöfel, Andreas, Kinderbücher, Kinderliteratur, Alltag & Familie, Außergewöhnliches

Wenn mein Mond deine Sonne wäre

mit Hörbuch-CD

Steinhöfel, Andreas / Palmtag, Nele

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: Carlsen

Empfohlen ab: 8 Jahre

ISBN: 9783551271365

Inhalt

„Dies ist die Geschichte von Max, wie ihr sie aus der Zeitung kennt, oder aus dem Fernsehen. Ihr erinnert euch? Nein? Max wohnt in dieser kleinen Stadt, viel kleiner als eure eigene. (…) Habt ihr die Bilder nicht gesehen? Sommerbilder waren das. Da konnte man sich vorstellen, wie sie hier entlang hasteten, Max und sein Großvater, gefolgt von Fräulein Schneider: drei eilige Menschenpünktchen. Warum sie es eilig hatten? Na, weil sie davonliefen. Weil alle hinter ihnen her waren. Weil das der Tag war, an dem Max seinen Großvater entführt hatte.“

 

Eine anrührende Geschichte über Demenz und die besondere Beziehung zwischen Großeltern und Enkel. Mit Hörbuch von Andreas Steinhöfel und 12 Klassikstücken für Kinder von Bizet und Prokofiew, gespielt vom SWR-Sinfonieorchester.

Bewertung

Etwas hilflos lässt der alte Mann auf dem Titelbild dieses 80 Seiten zählenden Büchleins seine noch immer starken Arme herabsinken und schaut mit fragendem Gesichtsausdruck auf den kleinen Jungen, der ihn da so innig umarmt. Fast scheint es so, als wäre er mit der Situation für kurze Zeit überfordert, als müsste er erst seine Erinnerungen an diesen kleinen Jungen ordnen.

Der kleine Junge ist Max, neun Jahre alt, und der alte Mann ist sein Großvater. Das Buch beschreibt auf einfühlsame und ganz besondere Weise in Worten, Bildern, und Musik, was mit den Menschen und ihren Beziehungen zueinander geschieht und wie sie damit umgehen, wenn einer die Erinnerungen an sein Leben zu verlieren beginnt - das wie ein Damoklesschwert über Allem schwingende drohende Vergessen, das man Demenz nennt und in vielen der begleitenden Illustrationen sinnbildlich als schwarze Krähe auftaucht .

 

Von einem plötzlich überwältigendem Sehnsuchtsgefühl getrieben begibt sich Max eines frühen Morgens, bepackt mit einem Rucksack voller Proviant, auf den Weg zu seinem geliebten Großvater, der nun seit einiger Zeit am anderen Ende der Stadt in einem Heim lebt, gemeinsam mit anderen Leuten, die „nicht mehr alle Murmeln im Schälchen haben“, wie es Max´ Opa ausdrückt und sich dabei selbst nicht ausnimmt. Früher war der Großvater einer, der Max auf den Schoß nahm nach dem Äpfelsammeln, ihn seine starke Hand beschützend spüren ließ und leise Melodien dazu summte. Die Tür im Heim, welches Max manchmal wie ein Gefängnis vorkommt, ist mit einem Zahlencode geschützt, den keiner der Heimbewohner kennt. Aber Max kennt ihn. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf: Neben dem verdutzten Großvater marschiert auch Fräulein Schneider, ebenfalls Bewohnerin des Heimes, mit Max durch die Tür in die Freiheit, mit dem Bus durch die Stadt, hin zur erinnerungsträchtigen Sommerwiese …

 

Eindringlich, berührend und humorvoll fängt die kleine Entführungsgeschichte die besondere Atmosphäre und die zwischen Großvater und Enkel schwingenden Gefühle ein. Auf einer dem Buch zusätzlich beigelegten, vom Autor eingesprochenen Hörbuch-CD mit 13 begleitenden Musikstücken von Prokofjew und Bizet, wird diese Atmosphäre besonders deutlich. Am besten blättert der Betrachter lesend und die ebenso wunderbar mit dem Text harmonierenden Illustrationen betrachtend, durch das Buch, während die trefflich ausgewählte Musik an den entsprechend gekennzeichneten illustrierten Doppelseiten zum Verweilen und Nachsinnen einlädt.

Wunderbar zum Beispiel die Beschreibung der liebenswert-tüddeligen, zu einer Petite suite von Bizet tanzenden Fräulein Schneider, die früher einmal Tanzlehrerin war und jetzt die Sonne antanzt. Im Anhang findet sich ein sehr lesenswertes Gespräch zwischen Autor und Illustratorin über die Entstehung des Buches, indem am Ende der Hoffnung, dass es gelungen sein möge, sich in diese Geschichte fallenlassen, in ihre Tiefe eintauchen zu können, dass sie die Anziehungskraft haben möge, wie sie gute Geschichten und gute Bilder auszeichnen, Ausdruck gegeben wird. - Das lässt sich eindeutig bejahen!

 

Hanna Nebe-Rector :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie, Außergewöhnliches