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Wir beide wussten, es war was passiert von Herrick, Steven, Jugendbücher, Aus dem Leben, Liebe

Wir beide wussten, es war was passiert

Herrick, Steven

Übersetzung: Gutzschhahn, Uwe-Michael

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Thienemann

Empfohlen ab: 13 Jahre

ISBN: 9783522202190

Inhalt

... und wie ich mich abmühte,

selbstsicher zu erscheinen.

Und er antwortete: Ja, toll.

Und ich sagte auch: Toll.

Und danach machte ich mich

wieder ans Wischen

und versuchte zu wirken,

als wenn nichts passiert wär,

obwohl wir beide wussten,

es war was passiert.

Bewertung

Billy reißt von Zuhause aus, um seinen alkoholabhängigen Vater, welcher in misshandelt, zu entkommen. Schließlich gelangt er in die Kleinstadt Bendarat und lebt in einem alten Waggon. Sein Nachbar ist der ebenfalls obdachlose Old Bill, den seine Vergangenheit in die Abgeschiedenheit trieb. Die beiden freunden sich schnell miteinander an und unterstützen sich gegenseitig im harten Alltag auf der Straße. Beim Restestibitzen bei McDonalds lernt Billy Caitlin kennen, welche aus wohlhabenden Elternhaus stammt, aber um der Kontrolle ihres Vaters zu entkommen, bei der Fastfood-Kette Böden wischt. Sie ist sofort fasziniert von dem ruhigen aber dennoch eindrucksvollen Fremden und die beiden entwickeln eine zögerliche Beziehung.

 

Auf den ersten Blick könnte man denken, dass die gesamte Handlung des Romans in Gedichten verfasst wurde, doch dem ist nicht so. Das Besondere an dem Buch ist nämlich, dass es in Versform geschrieben ist. Optisch sieht es also aus wie einzelne Gedichte, allerdings sind keine Reime oder andere rhetorische Stilmittel enthalten und es handelt sich nur um „zerstückelte“ aber prägnante Sätze. Dieses abgehackte Format hat meinen Lesefluss jedoch nicht beeinträchtigt. Da die Seiten durch dieses Format nicht vollständig ausgefüllt sind und die Textmenge dadurch sehr übersichtlich ist, liest man das knapp 200 Seiten lange Büchlein schnell durch. Die Kürze der Geschichte schmälert jedoch nicht die Authenzität und Tiefe der Handlung.

Des Weiteren hat die Handlung keinen richtigen Höhepunkt oder Spannungskurven, sondern plätschert eher vor sich hin und ist von Einfachheit geprägt, was jedoch von dem meines Erachtens brillanten Erzählstil ausgeglichen wird. Da der reduzierte Schreibstil des Autors wie spontane Gedanken der Protagonisten wirkt, habe ich mich trotz einer gewissen Distanziertheit den Charakteren sehr nahe gefühlt.

Der Protagonist Billy ist einem sofort sympathisch und man fliegt an seiner Seite nur so über die Seiten. Die Nebencharaktere Old Bill und Caitlyn haben ebenfalls ihre Erzählstränge, sodass sich eine detaillierte Sichtweise ergibt und die Geschichte sich zu einem perfekten ganzen zusammensetzt. Natürlich stellt der Autor das Leben als Obdachloser sehr romantisiert da, dennoch schildert er die Entwicklung des ungleichen Trios äußerst authentisch.

 

Ich vergebe für diesen simplen aber dennoch einnehmenden Roman, der einen berührt und nachdenklich stimmt, 5 Sterne und empfehle ihn uneingeschränkt ab 13 Jahren.

 

Ellen Bartsch (15) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Liebe