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Wir haben das KZ überlebt von Engelmann, Reiner, Jugendbücher, Sachbücher, Deutsche Geschichte, Dokumentation

Wir haben das KZ überlebt

Zeitzeugen berichten

Engelmann, Reiner

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2015

Verlag: cbj

Empfohlen ab: 12 Jahre

ISBN: 9783570171974

Inhalt

Wer Überlebende des Holocaust trifft, spürt den Abgrund, der sie von anderen Menschen trennt. Sie waren in Auschwitz, Buchenwald, Dachau. Sie haben unsägliches Leid erfahren. Der Tod war ihr ständiger Begleiter. 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz gibt es nicht mehr viele Zeitzeugen. Umso wichtiger ist es, ihre Erfahrungen für die Nachwelt zu dokumentieren. Im Gedenken an die Toten, aber auch für den Frieden in der Zukunft. Damit sich die Hölle auf Erden nicht wiederholt.

 

Reiner Engelmann hat Max Mannheimer, Esther Bejarano, Eva Mozes Kor und sieben weitere Zeitzeugen befragt und ihre Erinnerungen für Jugendliche aufgeschrieben. Ein erschütterndes Zeugnis und ergreifendes Mahnmal wider das Vergessen. Und zugleich ein zutiefst bewegendes Plädoyer für das Leben.

Bewertung

In diesem Buch sind die Geschichten von 13 Zeitzeugen des Holocausts niedergeschrieben. Sie waren in Konzentrationslagern, haben unfassbares Leid erfahren und reden nun über ihre Erfahrungen. Warum sie das tun? Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen und sie wollen verhindern, dass ihre Geschichten, so wie die vieler anderer, die den Holocaust nicht überlebt haben und ihre nie teilen durften, verloren gehen. Sie setzen auf Vergebung, aber vergessen nicht und das sollte niemand.

 

Der Titel beschreibt direkt, worum es in diesem Buch geht. Reiner Engelmann hat die Geschichten von 13 Zeitzeugen niedergeschrieben, die den Holocaust überlebt haben und von ihren Erfahrungen berichten. Entsprechend der Personen ist das Buch in 13 Kapitel untergliedert. Jedes widmet sich einer Persönlichkeit und beginnt mit einer Art Schwarzweiß-Zeichnung und einem Zitat der Person. Ich finde jedes Zitat sehr bewegend, da es zumeist die Hoffnung des jeweiligen Menschen vermittelt und sie an einem sehr offenen und verwundbaren Punkt zeigt.

Die Berichte selbst sind sehr verschieden, weisen aber doch viele Parallelen auf. Die Charaktere waren aus unterschiedlichen Gründen im Visier der Nationalsozialisten. Manche einfach aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Lebensweise, andere weil sie aktiv Widerstand geleistet haben. Gemeinsam haben alle, dass sie viel Leid erleben mussten.

Beim Lesen fragt man sich, wie man Menschen so etwas überhaupt antun kann. Aber da es geschehen ist, darf man nicht die Augen verschließen, sondern muss sich bewusst machen, dass Menschen diese Taten begangen haben. Aus diesem Grund finde ich diese Ansammlung an Zeitzeugenberichten so wichtig. Sie erinnert uns daran, dass Menschen andere Menschen ungeheuren Qualen ausgesetzt haben. Und sie ermahnt uns dazu, nicht zu vergessen, damit sich so etwas nie wieder wiederholt.

Gemeinsam haben die Berichte auch, dass oft Glück eine Rolle beim Überleben gespielt hat. Dies führt einem noch einmal vor Augen, dass eine kleine Tat Großes bewirken kann und dass jeder etwas tun kann.

 

Jeder Charakter ging mir mit seinen Erzählungen unter die Haut. Ich habe den größten Respekt vor diesen Personen, die unaussprechliches Leid erfahren und überlebt haben, und sich dafür entschieden haben, nicht zu schweigen, sondern sich aktiv gegen das Vergessen und für die Versöhnung einzusetzen. Zeitgleich vermitteln sie eine Liebe für das Leben, da ihnen bewusst ist, wie kostbar es ist.

 

Ich empfehle die Zeitzeugenberichte über den Holocaust allen Lesern ab etwa 14 Jahren. Der Nationalsozialismus wird viel in der Schule thematisiert, doch ich finde, dass diese Geschichten das Ganze personalisieren und dem Grauen ein Gesicht geben. Ich vergebe 5 Sterne für ein Buch, das uns am Vergessen hindert und uns aufruft, so etwas wie den Holocaust nie wieder geschehen zu lassen.


Lidan Chai (18) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Deutsche Geschichte, Dokumentation