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Wo ein bisschen Zeit ist ... von Ostrovski, Emil, Jugendbücher, Aus dem Leben, Erwachsenwerden

Wo ein bisschen Zeit ist ...

Ostrovski, Emil

Übersetzung: Gunkel, Thomas

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Fischer FJB

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783841421609

Inhalt

Der 18-jährige Jack Polovsky entführt seinen neugeborenen und zur Adoption freigegebenen Sohn, um ihn seiner dementen Großmutter zu zeigen. Und so gerät alles aus den Fugen. Jack kauft ein Auto, holt seinen besten Freund Tommy und später auch die Mutter des Kindes dazu, und gemeinsam sind sie zwei Tage lang auf der Flucht vor der Polizei.
Jack bespricht dabei schon mal die ganz großen Themen des Lebens mit seinem Sohn. Der heißt nämlich Sokrates – zumindest für Jack.
Am Ende wird alles gut: Jack bekommt Besuchsrecht, das Baby Sokrates bekommt einen richtigen Namen und sie finden (fast) den Sinn des Lebens.

Bewertung

Emil Ostrovskis Debütroman „Wo ein bisschen Zeit ist“ nimmt uns mit auf eine philosophische Reise durch Amerika.

Morgens noch wollte Jack sich fast „fast-umbringen“, Mittags befindet er sich schon mit seinem gestohlenen Baby namens Sokrates, dem besten Freund, der bald zum Militär möchte und einer, mit Stühlen werfenden, Exfreundin in einem gestohlen Auto auf dem Weg zu seiner dementen Großmutter. Klar, dass das ein verrückter Trip voll Potential zum Abenteuer wird. Jack möchte seinen Sohn noch prägen und sich verabschieden bevor er zur Adoption freigegeben wird und vielleicht hofft er auch nur auf ein Wunder, auf etwas mehr Zeit und ein lang ersehntes Stück Freiheit.

Während der Reise geraten die vier auf Umwege, enden an den verlorensten Ecken, lernen faszinierende Menschen kennen und kommen dem Sinn des Lebens, den alten Philosophen und sich selbst ein Stück näher. Jack´s gedankliche Gespräche mit seinem Sohn führen durch die Geschichte der Philosophie, nähern sich der Unendlichkeit des Universums, dem Goldenen Vlies und der letzten, alles umfassenden Decke. Wie groß ist unendlich ? Warum sind wir hier? Gibt es einen freien Willen? Was ist Glück? Mit diesen großen Fragen der Philosophie beschäftigt sich das Buch, regt den Leser zum Nachdenken an, stellt ganz nebenbei Theorien und Ansätze großer Philosophen wie Epikur, Sokrates und Aristoteles vor, kritisiert, fragt nach und lässt Platz für eine eigene Antwort.

 

Der Roman ist sowohl humorvoll wie tiefgründig, er bringt mich abwechselnd zum Lachen und zum Grübeln, lässt mich fragend zurück und bewegt etwas in mir. Genau das ist es, was ich von einem guten Buch erwarte: dass eine Quintessenz dessen was ich lese zurückbleibt.

Dies ist kein Buch, das man nur einmal liest, auch keines das man an einem Abend verschlingt, nein dieser Roman ist nur dort sinnvoll „wo ein bisschen Zeit ist“ ,denn er stellt so viele Fragen, gibt so komplexe Ansätze und Ideen vor, dass man sie erst einmal wirken lassen und verdauen muss. Allerdings leidet die Spannung etwas darunter, die Geschichte fesselt mich nicht sie plätschert mehr so dahin und ist eher um die Gedanken herum gebaut, als dass sie sie untermalt. Trotzdem wird dieses Buch zu einem neuen Schatz in meinem Regal, das ich wohl noch so einige Male lesen werde.

 

Ein grandioses Debütwerk des jungen Autors voll Wortwitz und Philosophie. Ein Buch für alle Grübler, Abenteurer, Freiheitsliebende, Verrückte und Träumer.

 

Elisa Lehmann (16) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Erwachsenwerden