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Worte sind nicht meine Sprache von Chambers, Aidan, Junge Literatur, Aus dem Leben, Freundschaft

Worte sind nicht meine Sprache

Chambers, Aidan

Übersetzung: Gunkel, Thomas

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2013

Verlag: Knesebeck

Empfohlen ab: 15 Jahre

ISBN: 9783868735079

Inhalt

Karl ist verliebt und verzweifelt zugleich: Der 18-Jährige soll eine Reihe von Briefen verfassen, durch die Fiorella, das Mädchen seiner Träume, mehr über ihn und seine Geheimnisse herausfinden will. Doch Karl hat Schwierigkeiten sich auszudrücken. Er leidet unter Legasthenie und so fasst er einen ungewöhnlichen Plan: Er bittet Fiorellas alternden Lieblingsautor um Hilfe.
Was dann folgt, ist die Geschichte über das Finden der eigenen Sprache und der eigenen Identität, aber auch über die Bedeutung von Liebe und Verlust. Über die Schwierigkeit, seine wahren Gefühle auszudrücken – und über eine ganz und gar außergewöhnliche Freundschaft.

Bewertung

Von diesem Buch erwartet man eine ganze Menge und obwohl es dann in eine völlig unerwartete Richtung geht, ist man am Ende nicht enttäuscht:
Karl ist ein 18jähriger Klempner-Lehrling, der gerne Schach spielt, angeln geht und Rugby mag – da man bei diesen Beschäftigungen „nicht schreiben muss“. Als Legastheniker ist er bisher ganz gut zurecht gekommen, aber als seine Freundin Fiorella ihn bittet, ihm in Briefen Fragen über sich zu beantworten, stößt der zurückhaltenden junge Mann an seine Grenzen. Ein Ghostwriter muss her und wer, wenn nicht Fiorellas Lieblingsautor, könnte seine Gedanken genauso in Worte fassen, wie sie Fiorella beeindrucken würden?
Also steht Karl eines Tages vor der Tür des Schriftstellers und trägt ihm sein Anliegen vor. Der namenlose über Siebzigjährige weiß am Anfang nicht genau, worauf er sich da einlässt – aber nach und nach entwickelt sich zwischen ihm und Karl eine einzigartige Freundschaft, die beide so manches Mal in die Bredouille bringt. Denn sie bleiben nicht dabei, Fiorellas Fragen zu beantworten, sondern wenden sich immer mehr dem Leben des Anderen zu, um bald festzustellen, dass sie beide mit schweren Verlusten nicht umgehen können.
„Worte sind nicht meine Sprache“ ist ein Buch über die verschiedenen Möglichkeiten, die der Mensch hat, um sich auszudrücken: Ob beim Romanschreiben, Bildhauern oder Philosophieren mit anderen. Es zeigt, wie schwer es für jeden Einzelnen ist, über seine festgefahrenen Grenzen hinauszuwachsen und Neues zu wagen. Dabei liest es sich nicht belehrend oder hochtrabend, sondern sensibel-ernsthaft mit genügend kritischem Witz, um für jeden verständlich zu sein.
Ein Jugendroman, der aus der Sicht eines alternden Mannes geschrieben ist, habe ich nicht als so modern, aufgeschlossen und originell erwartet. Ich fand es wahnsinnig interessant, wie dieser Senior das Alter mit Humor nimmt, seine Unzulänglichkeiten und Schwächen nicht verheimlicht und dabei dem jungen Protagonisten Karl ein oft gleichwertiger Freund ist.
Empfehlen würde ich das Buch allen Lesern ab 15, die gerne über die Vielfältigkeit des Lebens nachdenken. Mir persönlich hat der Roman sehr gefallen und mir auch auf ganzer Linie Mut gegeben, an meinen Träumen zu arbeiten und sie mir nicht von anderen vermiesen zu lassen. Daher kann ich nur 5 Sterne geben.
Beatrice Buchholz (22) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Freundschaft