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Zeit der großen Worte von Günther, Herbert, Jugendbücher, Historie, Deutsche Geschichte

Zeit der großen Worte

Günther, Herbert

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Gerstenberg

Empfohlen ab: 14 Jahre

ISBN: 9783836957571

Inhalt

Sarajevo - ein Wort mit einem wunderbar weichen Klang. Der vierzehnjährige Paul schnappt es im Vorübergehen auf. Doch was in seinen Ohren wie eine Zauberformel klingt, kündigt die erste große Katastrophe des 20. Jahrhunderts an. Pauls Alltag ist geprägt von ganz anderen, von pathetisch aufgeladenen Worten, die die Kriegsbegeisterung schüren. Pauls Vater und sein bewunderter großer Bruder melden sich als Freiwillige. "Weihnachten sind wir wieder zu Hause!" Mit diesen Worten verabschieden sie sich. Doch alles kommt ganz anders als erwartet und Pauls Familie zerbricht fast an diesem Krieg, der sich vier Jahre hinziehen wird. Immer dringlicher wächst in Paul die Frage danach, wie seine Zukunft aussehen wird, danach, was sich hinter den großen Worten verbirgt, und welches seine, Pauls Worte, sein könnten.

Bewertung

Heldentum, Tod für das Vaterland, Opfer bringen. Es ist die Zeit der großen Worte. Paul ist noch keine 14, als der Krieg ausbricht. Überall schwirren nun die großen Worte herum, jeder Mann hat ein Held für das Vaterland zu sein. Doch schon bald wird Paul schmerzlich bewusst, dass der Krieg nicht so glanzvoll und glorreich ist, wie alle es sich vorgestellt haben. Kein Brot mehr – Opfer für das Vaterland. Kein Weihnachtsbaum mehr – Opfer für das Vaterland. Keine intakten Familien mehr – Opfer für das Vaterland. Die Frauen um ihn herum, seine Mutter, die Geschäftsfrau, Helene, die Bücherfrau, und Luise, das gebildete Mädchen, zeigen ihm, welche Konsequenzen der Krieg für diejenigen hat, die nicht an der Front stehen und oftmals vernachlässigt werden. Krieg, dieser riesige Begriff, was ist das eigentlich?
Den Titel finde ich wirklich ideal gewählt. Er spiegelt die Atmosphäre des ersten Weltkrieges wie im Buch beschrieben perfekt wieder. Die Gestaltung und der Aufbau sind auch sehr angenehm, der Zeilenabstand erleichtert das Lesen ungemein. Zudem ist das Buch in Kapitel unterteilt, was für mehr Übersichtlichkeit sorgt. Toll finde ich auch, dass sich hinten eine Zeitleiste zum ersten Weltkrieg befindet.
Wir haben - zum Glück! - niemals erleben müssen, was Paul mit nur 14 Jahren erlebt. Kein Buch der Welt wird uns jemals das Grauen eines Krieges so darstellen, wie es in der Realität war. Doch „Zeit der Grossen Worte“ gewährt uns zumindest einen Einblick in dieses Grauen und gibt dem Leser ein Gefühl dafür, wie sich die Menschen damals gefühlt haben müssen.
Ich finde, dass das Buch dies auf eine sehr schöne Art und Weise tut. Die Hauptfigur Paul stellt genau die Fragen, die sich jede Person seines Alters gefragt hat und heute noch fragt, wenn es um den Krieg geht. Paul legt zu Anfang des Buches eine sehr natürliche, kindliche Naivität an den Tag, die ihm zusammen mit dem Leser genommen wird. Er stellt genau die richtigen Fragen: „Warum? Was wäre wenn...?“.
„Zeit der Grossen Worte“ ist in erster Linie ein menschliches Buch. Es schildert ein unfassbar schreckliches Ereignis aus einer, sofern dies möglich ist, tollen Sicht, indem es dem Leser erlaubt, zusammen mit Paul zu versuchen, das Ganze zu verstehen. Beim Lesen habe ich die Stimmung der damaligen Zeit so greifen können, als wäre ich selbst dort. Für diese ausgezeichnete Leistung vergebe ich 5 Sterne. Das Buch ist Lesern ab 14, also etwa dem Alter der Hauptfigur entsprechend, und allen, die in die Vergangenheit zurückreisen möchten, stark zu empfehlen.
Lidan Chai (17) :: Kinder- und Jugendredaktion Buecherkinder.de

Themen: Deutsche Geschichte