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Zusammen von Oberthür, Rainer, Kinderbücher, Kinderliteratur, Sprache

Zusammen

Die Geschichte von den Bilder- und den Wortmenschen

Oberthür, Rainer / Nascimbeni, Barbara

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2016

Verlag: Gabriel

Empfohlen ab: 8 Jahre

ISBN: 9783522304320

Inhalt

Eines Tages begibt sich ein Bildermädchen, dem die Worte fehlen, weil es nur Bilder kennt, auf die Suche nach neuen Bildern. Als es dabei auf einen Wortjungen trifft, dem es genau andersherum geht, geschieht etwas Wunderbares: Seine Worte wecken plötzlich Bilder und Gefühle in ihr und lösen ihre Zunge. Sie zeigt ihm den Reichtum der Bilder und er ihr den Reichtum der Worte und schon bald entdecken sie, welche Möglichkeiten ihr Zusammentreffen birgt.

 

Eine poetische Geschichte über die Kraft der Bilder und Worte.

Bewertung

Das kleine Büchlein im Querformat erzählt in Bildern und Worten eine poetische Geschichte von Bildermenschen und Wortmenschen. Auf dem Buchcover sind vor rotem Hintergrund die Profile zweier sich zaghaft lächelnd anschauender Kinder, ein Mädchen und ein Junge, zu sehen. Der Kopf des Mädchens ist von Bildern, Zeichnungen von Tieren, Pflanzen, eines Vulkans und einer Mondsichel, der Kopf des Jungen hingegen von ungewöhnlichen Wortzusammensetzungen wie „sonnemondsternehimmel“, „feuerluftregen“ oder „augenmund“ umgeben – ein graphischer Einstieg in das Buchthema.

Wenn wie in der erzählten Geschichte ein Bildermädchen auf einen Wortjungen trifft und sie ihm den Reichtum der Bilder und er ihr den Reichtum der Worte näherbringt, eröffnet sich für beide eine neue bereichernde Welt, die mit der eigenen zu verschmelzen beginnt.

 

Im Land der Bildermenschen, die Augenwesen sind und jede Einzelheit aufmerksam betrachten, gibt es keine Worte für all das Gesehene, welches somit ohne Bedeutung oder tieferen Sinn bleibt. Die Menschen dort verharren in kindlichem Staunen und kommunizieren nicht miteinander über ihre Eindrücke. Letztlich sind sie ein Leben lang gemeinsam einsam.

Im Land der Wortmenschen, die Sprachwesen sind, ist es ganz ähnlich, denn es gibt keine Bilder für all ihre vielen Worte. Auch hier bleiben die Menschen gewissermaßen allein, sie haben sich wenig zu zeigen und ihre Sprache bleibt phantasielos.

Zwischen dem Land der Bildermenschen und dem Land der Wortmenschen gibt es einen schmalen Grenzstreifen, ein menschenleeres Niemandsland, paradiesisch schön. Dort begegnen sich eines Tages das Bildermädchen und der Wortjunge und fühlen sich plötzlich wie verzaubert. Die vielen Worte des Jungen, der aus seinem Leben erzählt, wecken Bilder beim Mädchen und plötzlich beginnt auch sie mit Worten zu ihm zu sprechen, indem sie über die zauberhafte Natur ins Schwärmen gerät und die Bilder ihres Lebens erstmals mit Worten beschreibt. Diese Beschreibungen wecken wiederum die Vorstellung einer Welt in Bildern beim Wortjungen. Gemeinsam machen das Mädchen und der Junge nun neue Entdeckungen, fühlen das Leben in Bildern und Worten und beginnen sich tiefgründige Sinnfragen zu stellen. So reift der Entschluss, ihre beiden Herkunftswelten zusammenzubringen …

 

An sich ist dies eine liebevoll erzählte poetische Geschichte, die von zarten, überwiegend von den Grundfarben Rot, Blau und Gelb dominierten, Bildern begleitet werden. Auch bietet das Buch eine interessante Gesprächsgrundlage zu philosophischen oder religiösen Themen, wobei es eine wertvolle Hilfestellung sein kann. Dennoch weckt es bei mir ambivalente Gefühle, die den Begeisterungsfunken nicht so recht überspringen lassen wollten, was einerseits an der mir unmöglichen Vorstellung einer Existenz von Worten ohne die gleichzeitige Assoziation zugehöriger innerer Bilder und andererseits an der allzu deutlich spürbaren pädagogischen Bemühtheit liegen mag, die sich sowohl in den Worten des Autors als auch den begleitenden Bildern der Illustratorin, die mich an die Zeichnungen in Religionsbüchern meiner Kindheit erinnern, niederschlägt.


Hanna Nebe-Rector (malkastl.de) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Sprache