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Zweite Generation von Kichka, Michel, Junge Literatur, Aus dem Leben, Alltag & Familie, Biografie , Deutsche Geschichte

Zweite Generation

Was ich meinem Vater nie gesagt habe

Kichka, Michel

Übersetzung: Pröfrock, Ulrich

Rating Star

Erscheinungsjahr: 2014

Verlag: Egmont Graphic Novel

Empfohlen ab: Junge Erwachsene

ISBN: 9783770455058

Inhalt

Michel Kichka gewährt in Zweite Generation einen persönlichen Einblick in die Beziehung zu seinem Vater Henri. Dieser, 1926 geboren und 1942 nach Ausschwitz deportiert, musste miterleben, wie seine gesamte Familie von den Nationalsozialisten ermordet wurde.Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs sind im Familienleben der Kichkas präsent und beeinflussen das Alltagsleben und die Erziehung der Kinder, zum Beispiel am Esstisch, in der Schule und auf Familienfeiern. Für Michel Kichka ist es eine lebenslange Aufgabe geworden, sich mit der Biographie seines Vaters und mit dem Trauma seiner Eltern, das durch die Shoah verursacht wurde, auseinanderzusetzen.

Bewertung

Michel Kichka ist Sohn eines Auschwitz-Überlebenden. Doch obwohl der Vater seine Erfahrungen aus erster Hand an seine Kinder weitergeben könnte, tut er dies nicht. Wie viele Menschen, die das dritte Reich mit- und überlebt haben, fängt Michels Vater erst an, von seinen Holocaust-Erlebnissen zu berichten, als er schon hoch betagt ist. Doch auch wenn Michels Vater seinen Kindern lange Zeit keine Geschichten darüber erzählt - Michel stöbert trotzdem stundenlang in den Büchern des Vaters über das Dritte Reich, die es zuhauf in der heimischen Bibliothek gibt. Der Heranwachsende begibt sich auf die Suche nach seiner Identität, nach dem Judentum, das ihm doch etwas fern erscheint. Jüdische Verwandte hat er keine einzigen - die ganze Familie ist dem Holocaust zum Opfer gefallen. Es dauert bis zur Rente des Vaters, dass dieser anfängt, über seine Vergangenheit zu reden. Doch welchen Preis haben seine Kinder, die Kinder eines Holocaust-Überlebenden, die doch so wenig von den traumatischen Erlebnissen, aber wohl von dem Trauma des Vaters mitbekommen haben, dafür zu zahlen?

 

„Zweite Generation“ ist ein Comic, der aus der Perspektive des heranwachsenden und dann alternden Michel erzählt, wie es ist, Sohn eines Holocaust-Überlebenden zu sein. Es muss sehr beklemmend sein, als Kind mit einem Vater aufzuwachsen, der das Unmögliche überlebt hat, aber seine Erlebnisse in eine dicke Decke aus Schweigen hüllt. Sowohl Michel als auch seine Geschwister haben ein Leben lang mit dieser bedrückenden Frage zu kämpfen.

 

Der schwarz-weiß-Comic ist in mehrere Teile aufgeteilt, die bisweilen auch zeitliche Sprünge beinhalten. Das kann teilweise für Verwirrung sorgen, doch größtenteils lässt sich der rote Faden mitverfolgen. Die bildliche Darstellung könnte die Erzählung vor allem Kindern zugänglich machen, die nicht gerne lange Texte lesen. Jedoch gibt es ein paar Zeichnungen, wie zum Beispiel die von verhungerten Leichnamen in Auschwitz, die für die Jüngsten nicht geeignet sein könnten. Auch könnte es für Jüngere schwer sein, die vielschichtigen Probleme, die Michel sein Leben lang mit dieser außergewöhnlichen Familie(-ngeschichte) hat, nachzuvollziehen.

 

Alles in allem empfehle ich „Zweite Generation“ deshalb ab 12 Jahren und vergebe für die augenöffnende Erzählung aus einer anderen Perspektive, die teilweise aber nicht immer den roten Faden beibehält, 4 Sterne.


Miriam Thiel (18) :: Redaktion Buecherkinder.de

Themen: Alltag & Familie, Biografie , Deutsche Geschichte