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Lesen im Akkord? – Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit

montagsfrage_banner_neuJeden Montag stolpere ich über die interessanten Fragen von Libromanie und die ebenso aufschlussreichen Antworten aus der Blogosphäre.

Auf die heutige Frage: „Habt ihr eure Leseziele für 2014 erreicht?“ möchte ich gerne antworten.

 

Es gab Zeiten, da hatte ich eine App auf meinem Smartphone, die mir genau sagen konnte, wann ich ein Buch bei gleichbleibender Lesegeschwindigkeit beenden würde. Ich stapelte meine ungelesenen Bücher aufeinander und fühlte mich beim Blick auf den Stapel sofort ermahnt, doch ein wenig schneller zu lesen, schließlich gab es noch so viele tolle neue Bücher zu entdecken. In Wirklichkeit setzte ich mich aber auf diese Art und Weise nur unter permanenten Druck und das bei einer der schönsten und entspannendsten Tätigkeiten überhaupt: Dem Lesen! – Und Druck hat mich schon immer gelähmt, so war es auch nicht verwunderlich, dass ich anstatt genussvoll im Akkord zu lesen in die nächste Leseflaute stolperte. Kein Buch gefiel mir, ich schaute lieber fern und bügelte anstatt zu lesen.

Mittlerweile habe ich die App gelöscht und auch weitere Plattformen wie beispielsweise Goodreads interessieren mich nicht. Wenn ich Bücher empfehlen möchte, kann ich das auf den von mir genutzten Sozialen Netzwerken oder im Blog tun. Mich interessiert der Gelesene-Seiten-Status anderer Leser – der vermutlich von Goodreads automatisch gepostet wird – herzlich wenig und deshalb komme ich erst gar nicht auf die Idee, andere mit meinem Lesestatus zu belästigen.

Auch Challenges (deutsch: Herausforderung – ein Begriff, in dem auch das Wort „Fordern“ steckt) wie beispielsweise „Lies jede Woche ein Buch!“ lassen mich kalt. Das Leben hält schon genug Herausforderungen für mich bereit, da muss ich mir beim Lesen nicht auch noch Druck machen.

Ich bin ein Genussleser. Manchmal lasse ich nach Abschluss eines Buches auch ein paar Tage verstreichen ehe ich zum nächsten Werk greife. Hin und wieder muss man das Gelesene eben ein wenig „sacken“ lassen. Auch Ort und Zeit zum Lesen müssen passen. Für zehn Seiten krame ich mein Buch erst gar nicht heraus und wenn es um mich herum zu trubelig ist, leidet die Konzentration ebenfalls. Gerne setze ich mich gemütlich auf’s Sofa, den Kaffee oder das Kaltgetränk in Reichweite und zelebriere das Lesen. Und mit reichlich Gelassenheit schafft man dann in der Regel locker 52 Bücher in 52 Wochen.

 

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Seit über 10 Jahren betreibe ich die Webseite Buecherkinder.de. Ich bin leidenschaftliche Netzwerkerin (online wie offline), Jurymitglied des “Leipziger Lesekompass” und schreibe regelmäßig für die Fachzeitschrift “Eselsohr”. Obwohl technikaffin lese ich zur Zeit noch am liebsten Bücher der Holzklasse.

3 Kommentare

  1. Pingback: Montagsfrage #42 von Libromanie

  2. Richtig gute Worte hast Du gefunden. Es gibt eine Ausnahme, wo ich mich beim Lesen selber ein bißchen unter Druck setze: Dann, wenn ich Rezensionsbücher auf dem Stapel liegen habe. Ich möchte da die Autoren und Verlage nicht zu sehr warten lassen. Aber auch hier gilt: es gibt noch ein Leben neben den Büchern und ein jegliches hat seine Zeit.

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