Bücherregal, Buchtipps
Kommentare 14

Buchtipp: Das Schicksal der Sterne

Als dem Autor Daniel Höra 2012 die Idee zu seinem Roman „Das Schicksal der Sterne“ kam, konnte er vermutlich nicht ahnen, wie hochaktuell die Flüchtlingsthematik, der sich das Buch widmet, zum Erscheinungstermin sein würde.

Angesichts von über 50 Millionen Flüchtlingen weltweit und einer Bewegung im Osten, die „Wir sind das Volk!“ ruft, aber etwas ganz anderes meint, kommt das neueste Werk von Daniel Höra genau zum richtigen Zeitpunkt.

höra1

Daniel Höra: Das Schicksal der Sterne, erscheint bei bloomoon

In seiner Geschichte lässt der Autor den aus Schlesien stammenden Karl auf Adib aus Afghanistan treffen. Lediglich den Wohnort Berlin und die Vorliebe für Astronomie scheinen die beiden zu teilen, was sonst sollten ein über 80-jähriger Mann und ein Jugendlicher aus dem Flüchtlingsheim schon für Gemeinsamkeiten haben?

Doch Stück für Stück taucht der Leser in die Vergangenheit der Beiden ein und es wird bald klar, dass sie einen viel größeren gemeinsamen Nenner besitzen: Sie mussten beide aus ihrer Heimat fliehen, der eine vor 70 Jahren, der andere in unserer heutigen Zeit. Geschickt lässt Höra Szenen ihrer jeweiligen Flucht in die Berliner Handlung einfließen, mal finden wir uns auf einer Straße gesäumt von Toten Richtung Leipzig wieder, ein anderes Mal in einem Auffanglager in Griechenland. Und auch wenn Orts- und Zeitwechsel mitunter rasch aufeinanderfolgen, ist die Geschichte nie verwirrend, denn der rote Erzählfaden bleibt immer sichtbar.

Erschreckend ist jedoch, wie viele Ähnlichkeiten die beiden Flüchtlingsgeschichten aufweisen obwohl zwischen ihnen 70 Jahre liegen. Beiden jungen Männern wiesen die Sterne auf ihrer Flucht den Weg und gaben ihnen Hoffnung, beide ertrugen Hunger, Qualen, Erniedrigung und hatten Tote zu beklagen und beide fühlten sich am Ziel angekommen nicht Willkommen.

Die Geschichte von Karl und Adib ist nicht nur brilliant konstruiert, sie regt zum Nachdenken an und berührt zutiefst. Ich wünsche ihr sehr viele Leser und hoffe, dass sie auch als Schullektüre zum Einsatz kommt und zu Aufklärung und Toleranz beiträgt.


Ein Buch auch für dich? Dann bewirb dich bis 3. Februar 18:00 Uhr per Kommentar für eines von zwei signierten Exemplaren, indem du mir verrätst, warum gerade dich die Thematik des Buches interessiert.
Bei mehr als zwei Bewerbern entscheidet das Los per random.org.

Kategorie: Bücherregal, Buchtipps

von

Seit über 10 Jahren betreibe ich die Webseite Buecherkinder.de. Ich bin leidenschaftliche Netzwerkerin (online wie offline), Jurymitglied des “Leipziger Lesekompass” und schreibe regelmäßig für die Fachzeitschrift “Eselsohr”. Obwohl technikaffin lese ich zur Zeit noch am liebsten Bücher der Holzklasse.

14 Kommentare

  1. Als Kind habe ich mir immer ganz gespannt angehört, wie meine Uroma mit ihren beiden Töchtern aus Schlesien vertrieben wurde und wie sie dann hierher kamen. Das war wahnsinnig spannend für mich. Wüsste gerne, ob andere ein ähnliches Schicksal hatten und sich auch so heimatlos und nicht aufgenommen gefühlt haben.

  2. Neben dem Thema an sich interessiert mich der historische Bezug und das Vergessen darüber. Gerade an Gedenktagen (wie gestern die Befreiung von Auschwitz) wird klar: Wir brauchen die Erinnerungen eines Kulturkreises ganz dringend. Bin gespannt.

  3. Mich hat die Thematik schon immer interessiert. Gerade weil man sich selbst die Lage gar nicht vorstellen kann, wenn man es nie selbst erlebt hat. Meine Großeltern haben ab und zu davon erzählt, aber ich glaube, dieses Buch könnte noch einmal eine ganz neue Sicht auf die Thematik der Flüchtlinge eröffnen. Wie du auch schon erwähnt hast: passend, dass das Buch jetzt erscheint.

  4. schlumeline sagt

    Flüchtlinge gab es immer und wird es immer geben und jeder erlebt diese Phase seines Lebens wahrscheinlich unterschiedlich und dennoch gibt es Ähnlichkeiten. Wie verarbeitet ein Mensch so etwas? Wie geht er nach vielen Jahren damit um und wie, wenn er gerade in der Situation steckt? Das ist eine interessante Thematik über die ich gerne etwas lesen würde.
    Wirklich die Heimat dauerhaft verlassen musste aus meiner Familie nie jemand, aber ich fand die Geschichten meiner Mutter schon abenteuerlich, wie sie als Kind die Evakuierung erlebt hat.

  5. Es ist ein Thema, welchrs immer wieder aktuell ist und mit welchem man sich auseinander setzen sollte. Gerade heute wurde mir noch einmal bewusst, dass es auch während des zweiten Weltkriegs jede Menge Flüchtlinge gab, die schlimmes erlebt haben, aber die Chance auf ein neues Leben ergreifen konnten. Ich habe nämlich heute ein Interview mit der Illustratorin Ilon Wikland gesehen, welche 1944 von Estland nach Schweden geflüchtet ist.

  6. Fabienne Pfeiffer sagt

    Ich hatte in meiner mündlichen Magisterprüfung das Thema „Die Flüchtlingsproblematik in aktuellen Jugendromanen“ und hatte dazu vorher auch eine Hausarbeit geschrieben. Das Ganze war ein Projekt aus Eigeninitiative, da mich das Thema – nicht zuletzt durch die fortwährende Aktualität und oft unvorstellbare menschliche Dramatik – sehr interessiert und bewegt. Entsprechend halte ich auch weiterhin stets die Augen nach vielversprechenden Neuerscheinungen offen … Daniel Höra wäre da ein toller Kandidat!

  7. Ich würde das Buch gern Noah schenken, der nicht nur geflüchtete schlesische Urgroßeltern hat und sich sehr für Geschichte interessiert, sondern sich ganz aktuell als junger Dresdner mit den jüngsten Ereignissen auseinandersetzt, sich Gedanken dazu macht und mich auf die Friedensdemos begleitet.
    LG Regina

  8. Steffi sagt

    ich würde das Buch gern nutzen, um meiner Tochter die Flüchtlingsthematik nahe zu bringen!

  9. Caren Küppers sagt

    Hallo ich würde das Buch gerne meiner Mutter schenken. Da sie als Kind mit ihrer Familie auch flüchten musste und die Thematik sehr interessant ist , versuche ich mein Glück
    Gruß Caren

  10. Daniela Pe sagt

    Ein Land hinter sich zu lassen…eine neue Zukunft konstruieren…das alte Ich und das neue Ich zusammen zu bringen… der Vergangenheit verzeihen, der Zukunft vertrauen, dabei sich selbst bleiben und sich auf andere Menschen noch öffnen zu können, ohne ständig nur die eigenen Wunden „zu lecken“: das sind die Themen, die ich in Literatur oft suche, aktuell und zeitlos zugleich.
    Dieses Buch würde ich unbedingt lesen wollen, nicht zuletzt auch um einige wichtige Menschen aus meinem Umfeld besser zu verstehen, die einst ihre Welt verlassen haben und nie wieder darüber sprachen.

  11. Stefanie Leo sagt

    Hallo Ihr Lieben,
    werde heute Nachmittag losen und euch informieren 🙂
    Steffi

  12. Stefanie Leo sagt

    So. Ich habe das Random.org-Orakel befragt und folgende Gewinnerinen gezogen: Regina, Heike UND Steffi, denn der Verlag hat mir sogar ein drittes signiertes Exemplar zugeschickt.
    Herzlichen Glückwunsch, lasst mir möglichst schnell eure Adressen per Mail zukommen: info at buecherkinder.de
    Steffi

  13. Hofmann sagt

    Ich möchte anderen, z. B. meinen Schülern, Einfühlvermögen vermitteln bzw. Verständnis für Flüchtlinge vermitteln. Andrea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.