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Claudia Gliemann und der MONTEROSA Verlag

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Claudia Gliemann

Sich selbstständig zu machen birgt immer ein gewisses Risiko, in heutigen Zeiten jedoch einen Kinderbuchverlag zu gründen zeugt schon von großem Mut. Claudia Gliemann wagte 2010 den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete in Karlsruhe den MONTEROSA Verlag. Als ausgebildete Übersetzerin war ihr die Verlagswelt alles andere als fremd, hatte sie doch in 15 Jahren für viele große Verlage (u.a. Arena, Carlsen, Heyne) bereits mehr als 50 Bücher aus dem Englischen ins Deutsche übertragen.

Fünf Jahre sind seit der Verlagsgründung ins Land gegangen, sieben Titel sind erschienen, eine Krise musste gemeistert werden. Ein guter Zeitpunkt, um der Verlegerin Claudia Gliemann ein paar Fragen zu stellen.

Was hat dich bewogen als Übersetzerin eine Verlagsgründung zu wagen?

Das ist ganz einfach: Niemand wollte meine Texte 😉 Ich hatte damals übersetzt und in einem Unternehmen gearbeitet, dann kam die Wirtschaftskrise. Ich war eine der letzten, die kam und eine der ersten, die gehen musste. Ich hatte schon länger überlegt, einen Verlag zu gründen und dann habe ich aus der Arbeitslosigkeit heraus mit einem Existenzgründungszuschuss den Verlag gegründet. Und ich bin froh, dass ich den Schritt damals gewagt habe.

MONTEROSA Verlag – wie bist du auf den Verlagsnamen gekommen?

Das erste Buch, Kleiner großer Berg handelt von einem Berg, deshalb „Monte“ und „rosa“, weil ich glaube, dass Frauen Unternehmen anders führen. Außerdem klingt es auch ein bisschen wie Ponderosa 😉

Hast du einen Lieblingstitel in deinem Programm?

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„Ohne Oma“ von Claudia Gliemann, illustriert von Patrick Tritschler

Ich finde alle schön. Jedes hat seinen eigenen Charakter und seinen eigenen Charme. Wenn ich mich für eines entscheiden müsste, dann wäre es vielleicht Ohne Oma, weil Ohne Oma das Buch ist, das für mich perfekt ist. Es gibt nichts an diesem Buch, von dem ich denke, das müsste man noch ändern. Für mich stimmt bei dem Buch alles, bis auf die Schriftgröße. Alles ist exakt so, wie es sein soll. Und ich finde, es ist so außergewöhnlich, dass ich glaube, dass es schon so eine Art kleiner Klassiker werden kann. Es ist schlicht und elegant. Ganz einfach und auf das Wesentliche reduziert. Und ich denke, Ohne Oma ist auch das Buch, das den Menschen am meisten in Erinnerung bleibt und mit dem die meisten auch MONTEROSA in Verbindung bringen, zumindest bisher.

Wirst du deinem Themenschwerpunkt (Kinder in schwierigen Lebenssituationen) treu bleiben?

Bücher zu schwierigen Themen soll ein Schwerpunkt des MONTEROSA Verlags und auch einer meiner Schwerpunkte als Autorin sein, es wird aber auch fröhliche Bücher von MONTEROSA und mir geben. Das nächste Buch z. B. ist ein sehr fröhliches Buch.

Die Konzentration auf die schwierigen Themen ist auch durch Ohne Oma entstanden. Ich habe den Verlag im Jahr 2010 gegründet und bin schon sehr bald an meine Grenzen gestoßen. Bis zu MONTEROSA gab es nichts in meinem Leben, das ich mir vorgenommen und nicht erreicht hatte. Vorher hing alles immer nur von meinem Fleiß, meinem Ehrgeiz und meiner eigenen Arbeit ab. Bei MONTEROSA hatte ich mir Ziele gesetzt und gemerkt, das Erreichen dieser Ziele liegt nicht mehr in meiner Hand, sondern hängt vor allem auch von externen Faktoren ab. Da gibt es noch einen Markt, der seine ganz eigenen Gesetze und Spielregeln hat.

Nach zwei Jahren wollte ich aufgeben und hatte schon alles gekündigt. Bis ich auf der Buchmesse in Frankfurt den Kollegen Felix Busse vom Vielflieger Verlag traf und dieser meinte: „Weißt du, Claudia, Aufgeben, das ist, wie wenn du einen Samen in die Erde steckst, ihn hegst und pflegst, gießt, dich mit ihm freust, wenn du das erste Grün aus der Erde sprießen siehst, und dann trittst du ihn selbst mit deinem Absatz wieder in den Boden.“ Darüber habe ich lange nachgedacht und vor allem habe ich mir überlegt, was ich anders machen müsste. Mit der Zeit hat sich herauskristallisiert, dass Ohne Oma – das eigentlich durch seine Optik für mich ein Experiment war, ob so ein „anderes“ Buch überhaupt „funktionieren“ würde – das Buch war und ist, das im MONTEROSA Verlag am meisten verkauft wird, was mich sehr erstaunt hat, da es ja das schwierigste und ein Stück weit auch traurigste Buch war. Und dann kam mir der Gedanke, dass ich es vielleicht einfach gut kann, schwierige Themen für Kinder so umzusetzen, dass die Bücher sie trösten und ich sie dort abholen kann, wo sie gerade sind. So entstand die Ausrichtung auf die schwierigen Themen, und es wird auch in Zukunft ein wichtiger Schwerpunkt im MONTEROSA Verlag sein.

Und die Auszeichnung zum Kinderbuch des Monats April der Akademie für Kinder- und Jugendliteratur für Papas Seele hat Schnupfen ist für mich auch ein Beweis dafür, dass ich damit auf einem guten Weg bin. Und irgendwie ist die Vorstellung dann komisch, wenn ich daran denke, dass ich vor drei Jahren aufhören wollte.

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„Papas Seele hat Schnupfen“ von Claudia Gliemann, illustriert von Nadia Faichney

Ein bis zwei verlegte Bücher pro Jahr, kann man davon leben?

Ja, wenn es die richtigen sind 😉 Ich kann es nicht. Ich habe eine feste Stelle in der Exportabteilung eines Unternehmens. Den Verlag und vor allem auch die Bücher mache ich deshalb, weil ich einen Sinn darin sehe, weil ich glaube, dass die Bücher etwas geben können und auch deshalb, weil ich glaube, dass ich es gut kann.

Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Konkret sind einige neue Projekte geplant, im Schnitt sind es ein bis zwei Bücher im Jahr. Die meisten Bücher werden mit Texten von mir sein. Ein Buch ist mit einem Text von jemand anderem. Ich denke, wenn ich noch ein paar Bücher vorlegen kann, dann kristallisiert sich auch immer mehr eine Richtung heraus und jedes Buch wird ganz eigen auf seine Art sein, wie die bisherigen auch.

Drei Wünsche hast du frei, welche wären das?

Beruflich wären das:

  1. Ein Beststeller, mit dem ich viele neue Projekte finanzieren kann
  2. MONTEROSA als Verlag und mich als Autorin zu etablieren
  3. mehr Zeit

Wo finden wir dich, analog und im Netz?

MONTEROSA Verlag
Seboldstraße 1
76227 Karlsruhe
Telefon 0721.48488990

www.monterosa-verlag.de
und auf Facebook

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Vielen Dank liebe Claudia für das Interview. Ich wünsche dir, dass sich der eine oder andere Wunsch erfüllen wird. Alles Gute für dich und den MONTEROSA Verlag.

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Kategorie: Büchermenschen, Bücherorte

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Seit über 10 Jahren betreibe ich die Webseite Buecherkinder.de. Ich bin leidenschaftliche Netzwerkerin (online wie offline), Jurymitglied des “Leipziger Lesekompass” und schreibe regelmäßig für die Fachzeitschrift “Eselsohr”. Obwohl technikaffin lese ich zur Zeit noch am liebsten Bücher der Holzklasse.

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