Bücherkinder, Büchermenschen
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Wir im Fernsehen oder
Was macht eigentlich ein Bücherkind?

Vor über zehn Jahren ging die erste Version der Buecherkinder-Webseite online – damals noch in Eigenregie laienhaft html-handgeklöppelt. Zwei Relaunches und über 6.000 Titel später und mittlerweile mit einer stattlichen Kinder- und Jugendredaktion versehen, schafften wir es vergangene Woche sogar ins Fernsehen.

Viele positive Rückmeldungen haben mich über die verschiedensten Kanäle erreicht, besonders überrascht war ich über die eine oder andere Stimme, die mir rückmeldete, doch jetzt erst so ganz zu verstehen, was ich denn da eigentlich mit Buecherkinder.de machen würde.

Grund genug also, euch neben dem schönen Beitrag der WDR-Redakteurin Nadine Schaub, der am 10. Juni in der Lokalzeit aus Düsseldorf zu sehen war,  einen kleinen Einblick in meine und die „Arbeit“ der Bücherkinder zu geben.

Was macht denn eigentlich ein Bücherkind?

Als Bücherkinder werden die Nachwuchsredakteure der Webseite bezeichnet. Im Augenblick  sind das  knapp sechzig Mädchen und Jungen (zur Zeit ist die Geschlechterverteilung sogar sehr ausgewogen) im Alter zwischen 7 und 18 Jahren, die regelmäßig aktuelle Kinder- und Jugendbücher lesen und bewerten. Einige von ihnen sind schon viele Jahre dabei und haben schon an die hundert Titel besprochen. Paulina (15) aus dem WDR-Beitrag beispielsweise mit 8-jähriger Redaktions-Zugehörigkeit wird nur noch von Mirim (18) mit 10 Jahren übertrumpft.

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Paulina (15) bei den Dreharbeiten mit Nadine Schaub vom WDR

Etwa alle vier bis sechs Wochen erhält ein Bücherkind neuen Lesestoff per Büchersendung zugesandt, immer dann wenn es in der eigens für die Redaktion erstellten Online-Verwaltung seine Bewertung abgegeben hat. Dabei erstellt es dort nicht nur eine Kritik und vergibt Sterne sondern legt auch eine Wunschliste an, aus der dann das nächste Buch gewählt wird.

Ein Bücherkind sollte deshalb nicht nur gerne lesen sondern auch Spaß daran haben, die eigenen Leseeindrücke zu Papier bzw. in den Computer zu bringen. Zudem dürfen die Bücherkinder gerne diesen Blog nutzen, um beispielsweise über Lesungen, Buchreihen oder andere bibliophile Themen zu berichten. Eine langjährige Mitarbeit ist dabei für beide Seiten von großem Vorteil, schließlich kennt man schnell die Vorlieben der einzelnen Redaktionsmitglieder, ihre „Schreibe“, aber auch ihre Zuverlässigkeit.

Aufgrund der Vielzahl der Bücher und der dadurch entstehenden Portokosten ist eine Postanschrift in Deutschland jedoch leider unerlässlich.

Und was macht die Bücherkinder-Chefin?

„Den ganzen Tag nur Lesen …“, das wäre sicherlich schön, aber bleibt leider nur ein Wunschtraum, denn die meiste Arbeitszeit verbringe ich am Computer und regelmäßig bei der Post.

Die Versorgung der  Nachwuchsredakteure und weiteren knapp zwanzig erwachsenen Bilderbuchredakteuren stellt einen großen logistischen Aufwand dar. Neben dem Studieren von bestimmt über 60 Verlagsvorschauen und dem Ordern von Rezensionsexemplaren nimmt die Datenbankpflege den größten Teil meiner Arbeitszeit in Anspruch. Neue Titel müssen eingepflegt werden, Rezensionen geprüft, freigeschaltet und deren Belege an die Verlage versendet, neue Bücher zugewiesen und verschickt werden.

Darüber hinaus erscheinen zahlreiche Buchkritiken in Auszügen in den großen sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Google+ und einmal monatlich auch in der Zeitschrift Eselsohr.

Daneben lese ich natürlich so viele Titel wie irgend möglich, um mir einen Überblick über die aktuelle Kinder- und Jugendliteratur zu verschaffen, aber eben auch um eigene Highlights zu entdecken. Meine Besprechungen allerdings erscheinen schon seit Jahren nicht mehr auf der Buecherkinder-Webseite, da die Beurteilung der Kinder- und Jugendbücher dort ganz in den Händen der Nachwuchsredakteure liegt. Aber dafür habe ich ja diesen Blog.

Zweimal im Jahr reise ich zu den Buchmessen nach Frankfurt und Leipzig, zu letzterer seit 2012 in meiner Eigenschaft als Jurymitglied des Leipziger Lesekompass.

Ich hoffe, ich konnte – zusammen mit dem Beitrag des WDR – einen umfassenden Einblick in die Arbeit der Bücherkinder geben. Fragen können natürlich gerne in den Kommentaren gestellt werden.

 

 

3 Kommentare

  1. Ein wirklich sehr gelungener Beitrag! In unserer Buchhandlung (Graff in Braunschweig) gibt es ein LeseTeam aus Kindern und Jugendlichen, das Lesetipps für die Buchhandlung zusammenstellt. Ich glaube, sie veröffentlichen auch irgendwo auf der Homepage der Buchhandlung ihre Rezensionen. Aber dann immer alle auf einmal und das ist mir zuviel auf einmal. Die Idee finde ich allerdings super. Meine mittlere Tochter (9) hatte sich jetzt mal bei den Buchreportern beworben, aber auch da steht man inzwischen auf einer Warteliste. Ich finde toll, was du machst. Weiter so!

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