Bücherorte, Bücherregal
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Willkommen im Peter Hammer Verlag

Im Zuge des Veranstaltungsformats #bookupDE* besuchten acht buchbegeisterte Menschen gestern den Peter Hammer Verlag in Wuppertal und erhielten äußerst interessante und mit Anekdoten gespickte Einblicke ins Verlagsleben.

Kurz vor 17 Uhr biege ich – nachdem mich mein Navigationsgerät sicher durch die mit Einbahnstraßen durchzogene Stadt Wuppertal geleitet hat – in eine Sackgasse ein, an dessen Ende sich im Souterrain eines Mehrfamilienhauses das Domizil des Peter Hammer Verlags versteckt. Augenzwinkernd verrät uns Monika Bilstein, ihres Zeichens Verlegerin des kleinen aber sehr feinen Indieverlags, später, dass dieser Umstand regelmäßig für Belustigung sorgt, jedoch lediglich die Heimat des Verlags und keinesfalls seine Lage widerspiegelt.

vogelAn der Tür werden wir nicht nur von einem riesigen Pappmaché-Vogel sondern auch von der Verlagscrew (bestehend aus vier Powerfrauen) begrüßt, die uns umgehend mit einem prickelnden Getränk versorgen. Einige Teilnehmer sind zum ersten mal bei einem #bookupDE, andere sind Wiederholungstäter, man kennt sich, zumindest online.

Das Konferenzzimmer, in dem wir anschließend Platz nehmen, hält neben einem riesigen Plüsch-Maulwurf mit Kackwurst auf dem Kopf noch eine weitere Überraschung für uns bereit, denn man hat uns extra einen Maulwurfskuchen gebacken. Den lassen wir uns schmecken während Monika Bilstein uns lebhaft von den Beginnen des Peter Hammer Verlags erzählt.

Der Verlag ging 1966 aus dem Jugenddienst-Verlag, einem ebenfalls Wuppertaler Verlag mit christlicher Tradition, hervor. Der Peter Hammer Verlag wurde mit der Zielsetzung gegründet, linkspolitische Sachbücher und Literatur aus Afrika und Lateinamerika zu veröffentlichen. Zu den Autoren, die der Verlag in Deutschland bekannt machte, gehören beispielsweise Ernesto Cardenal, der 1980 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, oder der im April verstorbene Eduardo Galeano. Auch die Entdeckung der Schriftstellerin Gioconda Belli kann sich Peter Hammer auf seine Fahnen schreiben.

Ein weiterer Schwerpunkt ist seit den späten 80er Jahren das Bilder- und Kinderbuchprogramm, das mit dem heute schon als Klassiker zu bezeichnenden „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ einen riesigen Erfolg erzielte. Mit anfänglichen Startschwierigkeiten behaftet, wurde das Buch wie so viele andere gegen den Strich gebürstete Titel des Verlags zum Kassenschlager. Mittlerweile gibt es fünf verschiedene Ausgaben vom kleinen Maulwurf, die Originalausgabe ist gerade in der 44. Auflage erschienen und mittlerweile über 30 mal übersetzt. Der Erfolg von Wolf Erlbruch hatte Signalwirkung und lockte viele Autoren und Illustratoren nach Wuppertal, unter ihnen auch Nadia Budde, die mit meinen speziellen Lieblingsbuch „Eins zwei drei Tier“ den Jugendliteraturpreis erhielt.

Einer der wichtigsten Preise, den der Verlag erhielt, war 2009 der mit 26.000 Euro dotierte Kurt Wolff Preis, der eben nicht nur einen Titel sondern das Gesamtwerk des Verlags auszeichnete.

Nach dieser spannenden Reise in die Verlagsgeschichte stellt uns Claudia Putz als Pressefrau des Verlags noch drei aktuelle Titel vor: „Die Fünferbande“ (Yvonne Hergane, illustriert von Christiane Pieper), ein Pappbuch aus dem aktuellen Frühjahrsprogramm, das druckfrische Bilderbuch „Kleopatra“ (Will Gmehling, illustriert von Tobias Krejtschi), das Ende Juli erscheint und die kurzen Geschichten „Der kleine Löwe und der kleine Clown“ (Stefanie Schütz, illustriert von Béatrice Rodriguez), die noch nicht einmal fertig gedruckt waren. Dabei sei euch die Tüpfelhyäne Kleopatra schon jetzt ans Herz gelegt.

Nach zwei kurzweiligen #bookupDE-Stunden verließen wir gut informiert und unterhalten, Maulwurfskuchen gesättigt und mit einer Überraschungstüte ausgestattet den Verlag. Vielen Dank an Monika Bilstein und Claudia Putz für den tollen Dienstagnachmittag. Wir freuen uns auf viele weitere wunderbare Bücher aus Ihrem Verlag … und grüßen Sie Peter Hammer!

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Post an „Herrn Peter Hammer“ erreicht den Verlag noch heute regelmäßig. Diesen Herrn hat es aber nie gegeben. „Pierre Marteau“ oder eben die deutsche Übersetzung „Peter Hammer“ nutzten Schriftsteller und Drucker bereits im Mittelalter als Pseudonym, um die eigentliche Herkunft eines Textes oder Werkes zu verschleiern.

*#bookupDE - Online trifft Offline und das in Buchhandlungen, Bibliotheken, Verlagen.
Wir treffen uns zu einem bestimmten Termin in einer Buchhandlung, Bibliothek oder 
Verlag und werfen einen Blick hinter die Kulissen. Das ganze begleiten wir medial 
auf Twitter, Facebook oder auch im eigenen Blog mit dem Hashtag #bookupDE. 
Unsere Devise lautet deshalb auch: "Handy raus, statt Handy aus!"

 

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Seit über 10 Jahren betreibe ich die Webseite Buecherkinder.de. Ich bin leidenschaftliche Netzwerkerin (online wie offline), Jurymitglied des “Leipziger Lesekompass” und schreibe regelmäßig für die Fachzeitschrift “Eselsohr”. Obwohl technikaffin lese ich zur Zeit noch am liebsten Bücher der Holzklasse.

2 Kommentare

  1. Danke für den Bericht! Den Peter Hammer Verlag kannte ich bis jetzt vor allem aus dem Kinder- und Bilderbuchbereich – muss ich doch glatt mal guck’n, was die sonst noch so verlegen 🙂
    Von „Kleopatra“ hab‘ ich mir gerade die Leseprobe angeguckt – wenn’s erschienen ist, will ich mir das auf jeden Fall näher anschauen; sieht witzig aus!
    Übrigens dachte ich bis eben auch, dass es mal einen Peter Hammer gegeben habe, der der Namensgeber für den Verlag gewesen sei. So kann man sich irren 😀 Aber spannend, dass es ein bekanntes Pseudonym war, das wusste ich noch gar nicht.
    Liebe Grüße,
    sosha

  2. Pingback: #bookupDE von der anderen Seite: Zu Besuch im “Peter Hammer Verlag” | Leseoase

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