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Hitsuzen oder Die Philosophie der Zufälle

Ist unser Leben seit dem Urknall vorbestimmt und unser Schicksal unausweichlich oder haben wir den Lauf unseres Lebens selbst in der Hand?

Eine Frage, die sich der Leser des außergewöhnlichen Buches „Das zufällige Leben der Azalea Lewis“ sicher bisweilen auch selbst gestellt hat. Das Leben der Hauptfigur ist hingegen von so vielen Zufällen, die ein bestimmtes Muster verfolgen, bestimmt, dass es so scheint, als sei ihr Schicksal unausweichlich.

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„Das zufällige Leben der Azalea Lewis“ von J.W. Ironmonger, erschienen bei script5
Übersetzt von Franca Fritz und Heinrich Koop

Mein Großvater starb an einem Mittsommertag. Meine leibliche Mutter starb an einem Mittsommertag. Der Mann, der mein leiblicher Vater gewesen sein muss, starb auf See an einem Mittsommertag. Und meine Adoptiveltern starben an einem Mittsommertag. Und es vergeht kein Tag, mein Liebster, an dem ich nicht schon morgens beim Aufstehen an einen Tag in nur vier Monaten denke, wenn die Teile des Räderwerks erneut ineinandergreifen werden und nur noch eine Person zum Sterben übrig ist. Und diese Person werde ich sein. [Klappentext]

Dieses Buch ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Zum einen ist da natürlich das äußerst spannende Thema des Romans. Ist unser Leben vorbestimmt – der Japaner nennt das hitsuzen – oder eben doch kein Teil eines großen Plans (guzen)?

Zum anderen besticht der Roman durch eine sehr außergewöhnliche Erzählweise. Ein auktorialer Erzähler beleuchtet in 27 Kapiteln das Leben von Azalea Lewis, dabei springt er fröhlich zwischen mehreren Jahrzehnten und Personen hin und her und verlässt bisweilen – gerne an den spannendsten Stellen – den Haupterzählstrang, um durchaus wichtige Nebenschauplätze zu beleuchten.

Seine Erzählsweise ist dabei sehr nüchtern, oft spricht er über die Protagonisten mit Vor- und Nachnamen, nur selten lässt er sich zu emotionalen Ausbrüchen hinreißen und scheint in solchen Momenten den Leser sogar persönlich anzusprechen.

Diese Erzähltechnik führt dazu, dass man beim Lesen ein eher beobachtendes und distanziertes Verhältnis zu den Figuren und dem Geschehen hat, was ich nicht als störend empfand sondern – im Gegenteil – die eher spröden Charaktere in meinen Augen noch unterstrich.

Wer sich also philosophischen Fragen hingeben und dabei von der irischen See bis nach Afrika reisen möchte, der wird mit einer außergewöhnlichen Geschichte belohnt und erfährt,  zumindest was Azalea anbelangt, ob hitsuzen unser Leben bestimmt, oder eben nicht …

Verlosung: Hast du Lust, dich der philosophischen Frage nach dem Schicksal zu stellen? 
In diesem Fall kannst du ein Exemplar von "Das zufällige Leben der Azalea Lewis"
gewinnen, das ich unter allen Kommentierenden verlose, die mir verraten, welche 
verrückten Zufälle sich in ihrem Leben schon zugetragen haben.
Bis zum 29. Juli um 18:00 Uhr hast du Zeit zu kommentieren. Bei mehreren Teilnehmern
entscheidet das Los per random.org. Bücher verschicke ich augrund der Portokosten nur 
an Postadressen in Deutschland. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Kategorie: Bücherregal, Buchtipps

von

Seit über 10 Jahren betreibe ich die Webseite Buecherkinder.de. Ich bin leidenschaftliche Netzwerkerin (online wie offline), Jurymitglied des “Leipziger Lesekompass” und schreibe regelmäßig für die Fachzeitschrift “Eselsohr”. Obwohl technikaffin lese ich zur Zeit noch am liebsten Bücher der Holzklasse.

5 Kommentare

  1. Wasserfrau sagt

    Bis vor ein paar Monaten habe ich an so etwas wie Schicksal nicht geglaubt, aber seitdem ich eine bestimmte Person kenne passieren immer wieder Dinge für die ich keine Erklärung finde. Vor mehr als einem halben Jahr habe ich mich verliebt. Ob das auf Gegenseitigkeit beruht weiß ich bis heute nicht, aber es war immer eine besondere Chemie zwischen uns.
    Wir haben uns auf Grund viele Missverständnisse aus den Augen verloren und er hat den Kontakt abgebrochen. Wir sind uns nie wirklich nahe gewesen – nur im Geiste. Es fühlte sich so an, als hätte ich eine große Chance nie ergriffen und als ob eine Geschichte nicht zu Ende erzählt worden wäre. Man muss dazu sagen, dass die Person in der gleichen Stadt wie ich wohnt. Meine Stadt hat allerdings 150.000 Einwohner.

    Nach einem halben Jahr begegnete ich der Person an unterschiedlichen Orten in der Stadt zufällig, dazwischen habe ich kein Wort mehr von ihm gehört – es herrschte totale Funkstille zwischen uns. Wir waren beide so stur und verwirrt, dass wir die ersten beiden Male als wir uns sahen stumm aneinander vorbeigegangen sind. Bei der dritten Begegnung innerhalb des selben Monats sprach er mich plötzlich an und ich hatte genau das selbe Gefühl wie vor einem halben Jahr. Die dritte Begegnung war in einem indischen Bistro. Als ich zwei Wochen später dort etwas zu Mittag essen wollte, traf ich ihn in genau dem selben Bistro wieder. Ich treffe ihn sehr häufig und kann mich dem nicht entziehen. Es ist wie ein unsichtbares Band, dass uns immer wieder zusammenführt. Irgendwas soll uns das sagen, vermute ich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Zufall so oft eintritt, sondern dass es sich um Schicksal handelt und irgendeine höhere Macht die Finger im Spiel hat.

  2. Kristina sagt

    Auf einer Bahnreise musste ich in einer Stadt umsteigen, in der ich genau eine Person kannte. Ratet mal, wem ich prompt am Bahnhof über den Weg gelaufen bin!

  3. Neben vielen Dingen, in denen mein Mann und ich so absolut gleich sind (Auch Gedanken), haben mich zeitlebens „Geburtstagszufälle“ regelrecht verfolgt.
    Ich habe am 3.2. Geburtstag, mein erster bester Freund am 2.3., ab gleichen Tag auch ein sehr „interessanter“ aktueller Kollege.
    Dann ist mein Papa genau 1/2 Jahr „jünger“ als ich, er hat am 3.8. Mein großer Sohn liegt genau zwischen uns: 3.11.
    Mein kleiner hat das Quartal knapp versäumt, er kam am 9.5. (damals Muttertag). Damit hat er aber auch die 9 von meinem Mann eingesammelt: 9.12.
    Dann hatte meine Oma am 22.10., ebenso meine beste Freundin beim Abi, meine Schwägerin, meine liebste Arbeitskollegin (deren Nichte aussieht wie ich *grusel*) und noch mind. 5 Bekannte.
    Meine Mama und Schwiegermama haben an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Geburtstag.
    Ich könnte noch so vieles aufzählen, was mich immer wieder haben lässt, ob das noch Zufälle sein können…

  4. Maria sagt

    Als ich vor einigen Monaten nach Hamburg gezogen bin, kannte ich dort noch niemanden. Ich wusste nur, dass eine ehemalige Schulkollegin von mir irgendwo in der Stadt wohnte. An meinem ersten Abend ging ich zum nächstgelegenen Supermarkt und rannte glatt in sie rein. Stellt sich raus, dass wir Nachbarn sind.

  5. Stefanie Leo sagt

    Random.org hat endlich entschieden 🙂
    Ivonne darf sich über das Buch freuen. Herzlichen Glückwunsch.

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