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Interview mit Antonia Michaelis

„Zwei Fragen. Erstens: Ist es sinnvoll, weiterzuleben? Und Zweitens: Ist es sinnvoll, allein Geburtstag zu feiern?“ – Mit diesen Sätzen beginnt der Roman „Niemand liebt November“ meiner Lieblingsautorin Antonia Michaelis. Etwas mehr als diese zwei Fragen hatte ich dann aber doch an sie als ich die Möglichkeit bekam, ein Interview mit ihr zu führen.

Warum aber Antonia Michaelis? Nun ja, ich bin sozusagen mit ihren Büchern aufgewachsen und habe sie seitdem nie aus der Hand gelegt. Begonnen bei wilden und freien Geschichten der Kinder von Ammerlo, über eine Reise zum „Zwölften Kontinent“ und endend im dunklen Hinterzimmer des „Botelled“ aus „Niemand liebt November“ waren sie quasi immer dabei. Dieser ganz besondere Stil, die mitschwingende Ironie trotz der Dunkelheit und Tiefe und die verschwommene Grenze zwischen Realität und Fiktion haben mich zweifellos zum Fan gemacht.

Ziemlich aufgeregt tippte ich also alle Fragen, die sich über die Jahre so angesammelt hatten, in das offene Mailfenster und schickte sie noch immer so aufgeregt ab. – Klang das vielleicht zu steif? Oder hätte ich die letzte Frage nicht lieber weggelassen? Ist das zu persönlich? Oder doch langweilig? – Nun war es jedoch zu spät und mir blieb nichts anderes übrig als zu warten. Als schließlich die langersehnten Antworten kamen wechselten sich ein Schmunzeln und eifrig zustimmendes Nicken ab.

Nach all den vielen Seiten hatte ich die Chance bekommen, selbst einige Worte an die Autorin zu senden und vor allem einige mehr zurückzubekommen. Und das waren sie:

War der Plan Autorin zu werden immer da und ein Ziel auf welches Sie hinarbeiteten oder eher ein glücklicher Zufall?
Den Plan hatte ich schon mit fünf. Fünfzehn Jahre harte Arbeit halfen allerdings nicht, das Ziel zu erreichen, dafür war dann ein glücklicher Zufall nötig, und jemand zog einen Text von mir aus einem Stapel unverlangt eingesandter Manuskripte.

Was ist Ihre Intention beim Schreiben?
Was für ein kompliziertes Wort, Intention! Mit dem Buch fertig werden und überleben? Bei drei kleinen Kindern zu Hause ist das gar nicht so selbstverständlich.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Romane?
Eine unter allen Autoren gefürchtete Frage, ähnlich wie die nach der Unendlichkeit des Universums. Wir wissen es nicht!

Ähneln die Personen in Ihren Roman Bekannten oder gar Ihnen selbst oder sind sie frei erfunden?
Es gibt so viele Personen! Da kommen beide Sorten vor. Ich glaube aber, dass man nichts auf der Welt „frei erfinden“ kann. Alles hat man irgendwo her, hat man irgendwo schon mal gesehen, gehört, erlebt, auch wenn man es selbst vielleicht später vergisst. Also gilt das auch für die Personen.

Signieren im Paradies

Antonia Michaelis beim Signieren
© für dieses Foto und Titelbild:
Ralph Brugger

An welchem Punkt erkennen Sie, ob eine Geschichte Potenzial hat oder verworfen wird?
Ungefähr zehn Jahre nach Erscheinen des Buches. Wenn es dann noch bestellbar ist, war es möglicherweise okay.

Bevorzugen Sie es für Kinder oder für Erwachsenen zu schreiben?
Nur eines zu tun, wäre langweilig. Es ist schön, dass ich beides abwechselnd tun darf.

Gibt es ein Buch oder einen Autor, der sie besonders inspiriert?
Sehr viele. Im Kinderbuch bin ich, auch wenn das langweilig ist, weil jeder es sagt, immer noch Lindgren-Fan.

Was ist für Sie das Wichtigste an einem guten Buch?
Dass es sich selbst nicht allzu ernst nimmt, selbst wenn es ein tragisches Buch ist. Und dass es eine Sprache hat, die ich gerne lese. Das ist natürlich Geschmackssache. Aber allgemein achten Kinderbuchautoren mehr auf den Sprachklang, glaube ich. Viele deutsche „Erwachsenenbücher“ finde ich extrem holprig, weshalb ich lieber Englisch lese.

Sie sind viel gereist und haben verschiedenste Kulturen kennen gelernt, wie haben diese Erfahrungen Ihren Stil beeinflusst?
Das kann man wahrscheinlich nur als Außenstehender sagen, ich selbst weiß es nicht. „Tigermond“ hält sich natürlich sehr an die britisch-indische Erzähltradition von Kippling (der mit dem Dschungelbuch und „Kim“), ansonsten haben die Reisen eher Einfluss auf den Inhalt der Bücher als auf den Stil.

Die Cover Ihrer Bücher sind sehr unterschiedlich doch meist sehr treffend und kreativ gestaltet, haben Sie Einfluss auf die Auswahl dieser?
Nein. Es gibt ja oft auch mehrere Cover zu verschiedenen Ausgaben des gleichen Buches. Manche finde ich gut, manche finde ich absolut furchtbar.

Wie lange brauchen Sie durchschnittlich um einen Roman zu schreiben?
Einen Monat bis ein halbes Jahr.

Hat das Schreiben in Ihrem Leben höchste Priorität oder sehen sie es mehr als Job an?
Ersteres. Es ist ein Hobby, für das mich erstaunlicherweise manche Menschen bezahlen. Das ist nett von denen.

Was tun Sie wenn Sie weder schreiben noch lesen am liebsten?
Schlafen. Leider komme ich selten dazu.

Haben Sie sich noch ein bestimmtes Ziel für Ihre Karriere und die nächsten Jahre gesetzt?
Ich plane, durchschnittlich alle zwölf Monate ein Jahr älter zu werden. Das reicht als Ziel, finde ich
.

Gibt es etwas, dass Sie jungen Lesern, Schreibern oder generell Jugendlichen gern vermitteln würden?
Bisweilen ja. Aber das sage ich nicht in einem Satz, weil ich Zeigefingerermahnungen doof finde. Ich schreibe dann immer ein ganzes Buch, und man darf rätseln, was ich wohl damit sagen wollte. Hihi.

Vielen Dank für das Interview

Einige Titel von Antonia Michaelis wurden über die Jahre auf Buecherkinder.de gelesen und rezensiert. Eine Übersicht gibt es hier.

 

 

 

1 Kommentare

  1. Becky sagt

    Antonia Michaelis ist auch meine Lieblingsautorin und so habe ich mich sehr über dieses Interview gefreut! Tolle Fragen, tolle Antworten! 🙂

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