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Übersetzer – unbekannte Wesen

Liebe Verlage, wir müssen reden und zwar schleunigst! Denn ich bin gerade richtig sauer, wie ihr zum Teil mit euren Übersetzer*innen umgeht.

Um euch das zu erläutern, muss ich mal kurz ausholen …
Man mag es kaum glauben, aber tatsächlich führe ich die Datenbank meiner Webseite www.buecherkinder.de noch liebevoll selbst. Will heißen: Alle bibliografischen Daten zu den rund 600 Titeln, die Jahr für Jahr neu aufgenommen werden, tippe ich sorgfältig ein und bediene mich keines Automatismus‘, der diese auf wunderbar magische Weise in meine Datenbank zaubert.

Dies ist Arbeit, keine Frage. Dies bedeutet aber auch, dass sich mir die Namen der Autoren, Illustratoren und Übersetzer (und selbstverständlich der weiblichen Pendants) nach rund 6.000 eingepflegten Büchern eingeprägt haben und ich besonders die Übersetzer*innen beim Öffnen eines Titels wohlwollend zur Kenntnis nehme.

Und deshalb, liebe Verlage, müssen wir reden!

Wie kann es sein, dass ich Übersetzer*innen zum Teil immer noch mühevoll im Impressum suchen muss? Wieso muss ich ein eingeschweißtes, 350 Seiten starkes Jugendbuch tatsächlich aus seiner Folie befreien, weil ihr den Übersetzer auf eurer Webseite nicht nennt? Besonders ihr müsst doch wissen, wie unerlässlich eine anständige Übersetzung für den Erfolg eines Titels ist – im Bilderbuch ebenso wie im Jugendbuch!

Und last but not least ist der Übersetzer schließlich auch Urheber seines Werkes. In § 3 des Urheberrechtsgesetzes heißt es dazu: „Übersetzungen und andere Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden unbeschadet des Urheberrechts am bearbeiteten Werk wie selbständige Werke geschützt. […]“

So wie ich den Autor eines Werkes in meinen bibliografischen Daten nenne, möchte ich auch den Urheber der deutschen Übersetzung erwähnen. Also, liebe Verlage, macht es mir nicht unnötig schwer und würdigt die Arbeit der Übersetzerinnen und Übersetzer angemessen durch deren Nennung in der Titelei und auf euren Webseiten und lasst sie für uns nicht länger unbekannte Wesen sein.

DANKE

Foto: Pixabay.com

 

 

Kategorie: Büchermenschen

von

Seit über 10 Jahren betreibe ich die Webseite Buecherkinder.de. Ich bin leidenschaftliche Netzwerkerin (online wie offline), Jurymitglied des “Leipziger Lesekompass” und schreibe regelmäßig für die Fachzeitschrift “Eselsohr”. Obwohl technikaffin lese ich zur Zeit noch am liebsten Bücher der Holzklasse.

3 Kommentare

  1. Daniela Pe sagt

    Liebe Steffi, leider ist es oft so und ich finde es sehr gut, dass du das Thema ansprichst. In der Vergangenheit habe ich oft als Übersetzerin und vor allem als Dolmetscherin gearbeitet, derzeit arbeite ich nur gelegentlich noch in diesem Bereich, aber ich erinnere mich immer noch daran, als ich als Studentin einmal Daniel Cohn-Bendit auf einer Tagung konsekutiv dolmetschern musste und er danach zu mir kam und sagte: „Ich habe mich nicht bei Ihnen öffentlich bedankt, weil dies das größte Kompliment für einen Übersetzer ist: Einen guten Übersetzer merkt man nicht, nur ein schlechter Übersetzer fällt auf!“ Traurig, aber leider teilweise wahr…
    Grüße
    Dani

  2. Hallo Steffi,
    ich kann mich deinen Worten nur anschließen!!!
    Nachdem vor einiger Zeit ja ein riesen Aufriss durch die Bloggerwelt ging, als die Verlage dazu aufgefordert hatten, wir sollten doch auch die Übersetzer in Rezensionen nennen, habe ich mich ein wenig mit dem Thema auseinander gesetzt.
    Ich muss ehrlich zugeben, dass ich früher in meinen Rezensionen die Übersetzer auch nicht genannt habe. Ich hab da schlicht und einfach auch nicht dran gedacht.
    Doch als die Diskussionen diesbezüglich aufkamen, hab ich das geändert. Denn ich hab den Gedanken der Verlage schon nachvollziehen können. Die Übersetzer leisten viel Arbeit und zum Großteil machen sie ihre Arbeit auch wirklich grandios. Da sollten sie auch genannt werden.
    Doch beim „Nachrüsten“ meiner Posts ist mir aufgefallen, wieviele Verlage ihre Übersetzer tatsächlich auf ihrer Homepage nicht nennen. Das geht eigentlich gar nicht.
    Ich hoffe, dass auch die Verlage da noch umdenken, wenn es schon von uns Bloggern gefordert wird.

    Alles Liebe, Nelly

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