Autor: Stefanie Leo

Buchpremiere im roten Ohrensessel

Buchpremieren sind immer etwas besonderes, für das Publikum ebenso wie für den Autor oder die Autorin. Die Zuhörer kommen in den Genuss, als erste einem neuen Werk lauschen zu dürfen, für die Autorin – am gestrigen Abend Mechthild Gläser – ist es nicht weniger spannend herauszufinden, wie die gewählten Textpassagen auf die Lesungsgäste wirken. Die anfängliche Anspannung von Mechthild Gläser stellte sich zügig als völlig unbegründet heraus. Mehr als dreißig Augenpaare im völlig überfüllten Wohnzimmer hingen gespannt an ihren Lippen als die junge Autorin aus dem Ruhrgebiet aus ihrem neuesten Werk zu lesen begann. Dabei hatte sie die Textauszüge aus „Die Buchspringer“ geschickt gewählt und ergänzte das Gelesene zwischendurch immer durch kleine eigene Zusammenfassungen. Dass sie die Zuhörer bereits nach dem Prolog für sich und ihren Roman gewonnen hatte, konnte man sogar hören, denn die Lesungsgäste lauschten der Autorin derart gebannt, dass man die sprichtwörtliche Stecknadel hätte fallen hören können. Kein Wunder also, dass der Büchertisch nach der Lesung gut besucht war, schließlich wollten nun alle wissen, wie es mit Amy, Goethes Werther und den …

Flucht, Vertreibung, Völkermord: Konfliktthemen im Jugendbuch

Bücher bieten Jugendlichen wie Erwachsenen die Möglichkeit, sich neben der Berichterstattung in Zeitung, TV und Internet aktuellen, aber auch vergangenen Konflikten lesend zu nähern. Biographien aber auch fiktive Erzählungen geben Tätern wie Opfern ein Gesicht, historische Geschichte und aktuelles Zeitgeschehen werden lebendig vermittelt und verkommen nicht im täglichen Einerlei ungreifbarer Zahlenstatistik. Bücher und ihre Geschichten lehren uns zu verstehen, mitzufühlen und im besten Fall für die Zukunft daraus zu lernen, eine Eigenschaft, die man recht trockenem Geschichtsunterricht oder Gesellschaftslehre nicht immer nachsagen kann. Folgende Kinder- und Jugendbücher, die sich den Themen „Flucht aus Afghanistan“, „Warschauer Ghetto“, „Völkermord in Ruanda“ und „Herrschaft der Roten Khmer“ widmen, möchte ich euch kurz vorstellen und empfehlen. Es handelt sich bei den Büchern nicht um sogenanntes „Lesefutter“, schnell weggelesen und leicht verdaulich, und sicherlich eignen sich diese Bücher nicht für jeden Leser. Dennoch sind es wichtige Bücher mit noch wichtigeren Inhalten, denen ich viele Leser wünsche. Das Schicksal der Sterne von Daniel Höra, erschienen bei Bloomoon Inhalt: Adib und Karl. Der eine ein junger Flüchtling aus Afghanistan, der andere ein …

„Blätterrauschen“: Ein Buchtipp von Matteo (10) und Steffi (44)

Das Besondere an der Webseite Buecherkinder.de ist, dass alle Titel (Bilderbücher ausgenommen) ausschließlich von den gut 50 Mitgliedern der Kinder- und Jugendredaktion bewertet werden. Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 6 und 20 Jahren haben einen ganz anderen Blick auf das Gelesene als wir Erwachsene. Entscheidend ist, ob die Buchhelden die Gefühle, Wünsche und Probleme der jungen Leser widerspiegeln. Dabei müssen die Geschichten nicht zwingend in der Realität angesiedelt sein, auch Fantasy kann durchaus einen Bezug zu ihrer aktuellen Lebenswirklichkeit haben. Besonders spannend finde ich daher immer wieder, wie ein bereits von mir gelesenes Buch in der Zielgruppe ankommt. Den neuen Roman von Holly-Jane Rahlens habe ich mit Begeisterung verschlungen und war daher besonders gespannt zu hören, wie dem zehnjährigen Matteo der Titel gefallen hat. Hier kommen nun unsere beiden Meinungen: Matteo (10) über Blätterrauschen Die Hauptpersonen dieses Buches sind drei dreizehnjährige Kinder: Oliver, Rosa und Iris. Olivers Vater kommt oft betrunken nach Hause, und sein Bruder ist wegen eines Streites mit dem Papa spurlos verschwunden. Rosa hat eine Prothese, denn sie hat ihre …

#bookupDE: Bücher, Menschen, Medien

Am vergangenen Samstag fand das erste #bookupDE in Münster statt. Der Coppenrath Verlag öffnete für zahlreiche Interessierte den Showroom im Münsteraner Hafen. Neben zahlreichen Veranstaltungen in Buchhandlungen und Bibliotheken war dies das vierte #bookupDE-Treffen in einem Verlag. „Handy RAUS! statt Handy aus.“ lautet die Devise. Bei einem #bookupDE treffen sich buchbegeisterte Onliner, die bei Facebook,Twitter, Instagram und Co. aktiv sind, an bibliophilen Orten wie Buchhandlungen, Verlagen oder Bibliotheken mit Gleichgesinnten. Von dort berichten sie per Smartphone live – und/oder im Anschluss im eigenen Blog – mit dem Hashtag #bookupDE über die Veranstaltung. Rund 40 interessierte Onliner – eine bunte Mischung aus Lesern, Bibliothekaren, Buchbloggern und Buchhändlern – fanden sich gegen 15 Uhr an der Alten Feuerwache in Münster ein, um einen Blick in das altehrwürdige Gebäude zu werfen, das neben der Coppenrath-Spiegelburg-Produktpalette auch zahllose Antiquitäten und Kuriositäten beherbergt. Der Verlag war bestens auf die vielen neugierigen Buchliebhaber vorbereitet und hatte neben wunderschönem Ambiente auch für leibliches Wohl gesorgt. Zu Beginn simulierte das Team des Verlags eine Vertreterkonferenz wie sie zweimal pro Jahr im Hause stattfindet. …

„Das alte Haus“ oder Kann man ein Buch von seinem Autor trennen?

Obwohl meine Kinder schon lange selbst lesen, haben wir uns von den liebsten Vorlesebüchern selbstverständlich nicht getrennt. Und so stehen „Die Geschichten von der Maus für die Katz“, „Latte Igel“ und „Das alte Haus“ einträchtig nebeneinander im Regal. Besonders die Märchen aus letzterem haben uns viele Jahre begleitet und oft habe ich die fantasievollen Geschichten der Großmutter und ihren drei Tieren Bautz, Krahks und Murks weiterempfohlen. Gerade erst ist im Kerle Verlag eine weitere Neuauflage des Klassikers von 1923 erschienen, die – noch ohne Wertung – auf der Buecherkinder-Seite zu finden ist. Gestern erreichten mich dann auf Twitter u.a. folgende Tweets: @Buecherkinder diskutiere hier gerade auch mit meinem Mann, ob man ein scheinbar tolles Kinderbuch gut finden kann, — carolynka (@carolynka) 20. Februar 2015 @Buecherkinder obwohl es ein Antisemit geschrieben hat. — carolynka (@carolynka) 20. Februar 2015 Ich muss gestehen, dass ich mich selten bis nie mit den Lebensläufen von Autorinnen und Autoren beschäftige sondern mit den Geschichten, die sie verfassen. Aber kann/darf/muss man den Autor und sein Werk getrennt betrachten, oder nicht? Und darf …