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Ein Buch, viele Genres:
Die Quersumme von Liebe

Mit ihrem ersten Jugendbuch „Glücksdrachenzeit“ gelingt Katrin Zipse 2014 der große Wurf. Sie erhält den mit 10.000 Euro dotierten Thaddäus-Troll-Preis des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg. Ihr zweites Werk wird Mitte Juli bei Magellan erscheinen.

DSC00167Die geordnete Welt der 15-jährigen Luzie gerät ins Wanken, als sie einen Brief ihrer verstorbenen Großmutter erhält. Das Geheimnis, mit dem er sie konfrontiert, nimmt ihr Leben Stück für Stück auseinander. Luzie erfährt nicht nur, dass ihre Mutter sie jahrelang von ihrer Oma ferngehalten hat, sondern auch, dass ihr Vater unter völlig anderen Umständen ums Leben kam, als sie bisher dachte. Wie vor den Kopf gestoßen, beginnt Luzie, die Hintergründe des Kletterunfalls zu recherchieren, und trifft dabei Puma, in den sie sich verliebt.

Ich war sehr gespannt auf Zipses neuen Roman, denn bereits ihr Debüt im letzten Jahr hatte mir gut gefallen. „Die Quersumme von Liebe“ jedoch überzeugte mich ohne Einschränkung von der ersten bis zur letzten Seite. Dieses Buch habe ich nicht gelesen, ich habe es verschlungen. Ich bin atemlos und ohne Pause von Seite zu Seite geflogen, habe 290 Seiten lang alles um mich herum vergessen, um endlich zur erlösenden Auflösung zu gelangen.

Während des Lesens fragte ich mich, welchem Genre ich das Werk wohl zuordnen werde. Der Titel lässt einen eine Liebesgeschichte vermuten, letztlich macht diese aber nur einen Bruchteil der Handlung aus. Wir haben es mit einer Familiengeschichte voller Geheimnisse und Lügen zu tun, einer Protagonistin, die diese nach und nach aufdeckt. Die Spannung bleibt während des ganzen Romans auf einem derart hohen Niveau, dass man in Teilen durchaus auch von einem Thriller sprechen könnte.

Dazu kommt noch die sehr eigenwillige Erzähltechnik des Romans. Zwei Ich-Erzähler und eine dritte Erzählebene beleuchten nicht nur verschiedene Personen und Situationen sondern auch verschiedene Zeiten. Die vielen Perspektiv-Wechsel geben der Handlung, die kaum mehr als zwei Wochen umfasst, ein hohes Tempo, trotzdem ist das Geschehen nie verworren.

Katrin Zipse hat einen grandiosen, spannungsgeladenen Roman voller überraschender Wendungen geschrieben. Sicherlich wird sie mit „Die Quersumme von Liebe“ nahtlos an ihren Erfolg aus dem Vorjahr anknüpfen können.


Verlosung: Hast du Lust, dich ebenfalls von dieser Geschichte mitreißen zu lassen? – 
Wunderbar, denn ich verlose zwei Exemplare unter allen Kommentierenden, die mir verraten,
welches Buch sie zuletzt - wie ich dieses - an einem Tag verschlungen haben. 
Bis zum 17. Juni um 18:00 Uhr hast du Zeit zu kommentieren. Bei mehr als zwei 
Teilnehmern entscheidet das Los per random.org. Bücher verschicke ich augrund der 
Portokosten nur an Postadressen in Deutschland. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Willkommen im Peter Hammer Verlag

Im Zuge des Veranstaltungsformats #bookupDE* besuchten acht buchbegeisterte Menschen gestern den Peter Hammer Verlag in Wuppertal und erhielten äußerst interessante und mit Anekdoten gespickte Einblicke ins Verlagsleben.

Kurz vor 17 Uhr biege ich – nachdem mich mein Navigationsgerät sicher durch die mit Einbahnstraßen durchzogene Stadt Wuppertal geleitet hat – in eine Sackgasse ein, an dessen Ende sich im Souterrain eines Mehrfamilienhauses das Domizil des Peter Hammer Verlags versteckt. Augenzwinkernd verrät uns Monika Bilstein, ihres Zeichens Verlegerin des kleinen aber sehr feinen Indieverlags, später, dass dieser Umstand regelmäßig für Belustigung sorgt, jedoch lediglich die Heimat des Verlags und keinesfalls seine Lage widerspiegelt.

vogelAn der Tür werden wir nicht nur von einem riesigen Pappmaché-Vogel sondern auch von der Verlagscrew (bestehend aus vier Powerfrauen) begrüßt, die uns umgehend mit einem prickelnden Getränk versorgen. Einige Teilnehmer sind zum ersten mal bei einem #bookupDE, andere sind Wiederholungstäter, man kennt sich, zumindest online.

Das Konferenzzimmer, in dem wir anschließend Platz nehmen, hält neben einem riesigen Plüsch-Maulwurf mit Kackwurst auf dem Kopf noch eine weitere Überraschung für uns bereit, denn man hat uns extra einen Maulwurfskuchen gebacken. Den lassen wir uns schmecken während Monika Bilstein uns lebhaft von den Beginnen des Peter Hammer Verlags erzählt.

Der Verlag ging 1966 aus dem Jugenddienst-Verlag, einem ebenfalls Wuppertaler Verlag mit christlicher Tradition, hervor. Der Peter Hammer Verlag wurde mit der Zielsetzung gegründet, linkspolitische Sachbücher und Literatur aus Afrika und Lateinamerika zu veröffentlichen. Zu den Autoren, die der Verlag in Deutschland bekannt machte, gehören beispielsweise Ernesto Cardenal, der 1980 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, oder der im April verstorbene Eduardo Galeano. Auch die Entdeckung der Schriftstellerin Gioconda Belli kann sich Peter Hammer auf seine Fahnen schreiben.

Ein weiterer Schwerpunkt ist seit den späten 80er Jahren das Bilder- und Kinderbuchprogramm, das mit dem heute schon als Klassiker zu bezeichnenden „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ einen riesigen Erfolg erzielte. Mit anfänglichen Startschwierigkeiten behaftet, wurde das Buch wie so viele andere gegen den Strich gebürstete Titel des Verlags zum Kassenschlager. Mittlerweile gibt es fünf verschiedene Ausgaben vom kleinen Maulwurf, die Originalausgabe ist gerade in der 44. Auflage erschienen und mittlerweile über 30 mal übersetzt. Der Erfolg von Wolf Erlbruch hatte Signalwirkung und lockte viele Autoren und Illustratoren nach Wuppertal, unter ihnen auch Nadia Budde, die mit meinen speziellen Lieblingsbuch „Eins zwei drei Tier“ den Jugendliteraturpreis erhielt.

Einer der wichtigsten Preise, den der Verlag erhielt, war 2009 der mit 26.000 Euro dotierte Kurt Wolff Preis, der eben nicht nur einen Titel sondern das Gesamtwerk des Verlags auszeichnete.

Nach dieser spannenden Reise in die Verlagsgeschichte stellt uns Claudia Putz als Pressefrau des Verlags noch drei aktuelle Titel vor: „Die Fünferbande“ (Yvonne Hergane, illustriert von Christiane Pieper), ein Pappbuch aus dem aktuellen Frühjahrsprogramm, das druckfrische Bilderbuch „Kleopatra“ (Will Gmehling, illustriert von Tobias Krejtschi), das Ende Juli erscheint und die kurzen Geschichten „Der kleine Löwe und der kleine Clown“ (Stefanie Schütz, illustriert von Béatrice Rodriguez), die noch nicht einmal fertig gedruckt waren. Dabei sei euch die Tüpfelhyäne Kleopatra schon jetzt ans Herz gelegt.

Nach zwei kurzweiligen #bookupDE-Stunden verließen wir gut informiert und unterhalten, Maulwurfskuchen gesättigt und mit einer Überraschungstüte ausgestattet den Verlag. Vielen Dank an Monika Bilstein und Claudia Putz für den tollen Dienstagnachmittag. Wir freuen uns auf viele weitere wunderbare Bücher aus Ihrem Verlag … und grüßen Sie Peter Hammer!

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Post an „Herrn Peter Hammer“ erreicht den Verlag noch heute regelmäßig. Diesen Herrn hat es aber nie gegeben. „Pierre Marteau“ oder eben die deutsche Übersetzung „Peter Hammer“ nutzten Schriftsteller und Drucker bereits im Mittelalter als Pseudonym, um die eigentliche Herkunft eines Textes oder Werkes zu verschleiern.

*#bookupDE - Online trifft Offline und das in Buchhandlungen, Bibliotheken, Verlagen.
Wir treffen uns zu einem bestimmten Termin in einer Buchhandlung, Bibliothek oder 
Verlag und werfen einen Blick hinter die Kulissen. Das ganze begleiten wir medial 
auf Twitter, Facebook oder auch im eigenen Blog mit dem Hashtag #bookupDE. 
Unsere Devise lautet deshalb auch: "Handy raus, statt Handy aus!"

 

Ein Bücherkind auf Entdeckungsreise

Redaktionsmitglied Paulina (15) berichtet über ein ganz besonders Praktikum.

Schon von Anfang an war mir klar, dass ich die Zeit meines Schulpraktikums gerne mit Büchern verbringen würde. Ich liebe es nämlich, sie zu lesen, und genauso liebe ich es, über sie zu schreiben. Deshalb bin ich ja auch seit 2008 ein „Bücherkind“.

Da stand ich also. Wissend, dass ich irgendetwas mit Büchern machen wollte, aber trotzdem keine Ahnung habend, wo genau ich mein Praktikum verbringen sollte.

Mein Bruder hatte seins drei Jahre zuvor in einer Bibliothek gemacht, aber darauf hatte ich nicht so große Lust. Also fragte ich einfach mal Stefanie Leo. Und auf diesem Weg landete ich dann irgendwann bei den Egmont Verlagsgesellschaften, Schneiderbuch. Ich war auf jeden Fall super glücklich, als ich dort eine Stelle ergatterte, zumal man dort für gewöhnlich gar keine Schülerpraktikanten nimmt.

Kleine Bücher, große Bücher, dicke Bücher, dünne Bücher – Bücher, Bücher und noch mehr Bücher. Ungefähr so stellte ich mir einen Verlag vor.

egmont

Doch so richtig Ahnung davon, was in einem Verlag eigentlich genau passiert, hatte ich noch nicht. Aber um das herauszufinden, hatte ich ja jetzt ganze zwei Wochen Zeit!

Und mein Praktikum machte echt unglaublich viel Spaß! Die Leute waren nämlich nicht nur super nett, sondern erzählten auch mit total viel Begeisterung von ihrer Arbeit und gingen immer auf meine Fragen ein.

Ich erfuhr unter anderem, was eigentlich alles in einem Verlag und in den verschiedenen Abteilungen passiert. In der Marketingabteilung, in der ich den größten Teil meines Praktikums verbrachte, wurde mir der Weg eines Buches vom Autor bis in die Hand des Lesers erklärt, und hier lernte ich, wie man einen Blogartikel schreibt und ihn danach ins Internet stellt.

Und in der Herstellung zeigte man mir, wie ein Buchcover entsteht. Mein persönliches Highlight war, dass ein von mir verfasster Artikel auch tatsächlich auf der Internetseite des Verlages veröffentlicht wurde! Natürlich ist das nur ein ganz kleiner Ausschnitt der Erfahrungen, die ich innerhalb der zwei Wochen sammeln konnte.

Heute kann ich jedenfalls sagen, dass ich die für mich persönlich richtige Entscheidung getroffen habe, als ich mich für ein Praktikum im Verlag entschied. Ganz besonders möchte ich mich bei Markus und den vielen netten Kolleginnen und Kollegen bedanken, die sich so viel Zeit für mich genommen haben, um mir einen Einblick in ihre Arbeit zu verschaffen.


Paulina Trapp ist fünfzehn Jahre alt. Seit 2008 ist sie Mitglied der Kinder- und Jugendredaktion von Buecherkinder.de und hat seitdem zahlreiche Bücher gelesen und bewertet. Ihr zweiwöchiges Schülerpraktikum absolvierte sie bei den Egmont Verlagsgesellschaften in Köln.

Ja, Übersetzer sind wichtig, aber …

Als ich vor über 10 Jahren mit meiner Webseite begann nannte ich zu jedem Titel zwar Autor, Illustrator und Verlag, jedoch keinen Übersetzer*. (*Ich beschränke mich in diesem Blogbeitrag auf die männliche Form der Bezeichnung „Übersetzer“, weiß aber, dass gerade Frauen zum großen Teil für die Übersetzungen in der Kinder- und Jugendliteratur zuständig sind.) Nennt mich dumm oder ignorant, bei meinen ersten Schritten auf der Internetbühne habe ich schlicht und ergreifend nicht daran gedacht. Erst der freundliche Kommentar einer Übersetzerin ließ mich aufhorchen und die Rubrik „Übersetzung“ einfügen.

Seitdem gibt es diese Angabe zu fast jedem übersetzten Titel. Ich sage „fast“, da der Übersetzer – gerade bei Bilderbüchern – nicht immer zwingend auf dem Titelblatt genannt wird und auch auf den Webseiten der Verlage hin und wieder keine Erwähnung findet. Dann bleibt nur noch die Hoffnung, seinen Namen im Impressum zu finden.

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„Die Geschichtenmaschine“ von Tom McLaughlin (aus dem Englischen von Petra Thoms, Bohem 2015)

Übersetzer haben einen großen Anteil am Erfolg oder Misserfolg eines Titels, sie können eine gute Geschichte noch besser machen. In diesem Zusammenhang werde ich das Lob, das Markus Zusak auf einer Lesung seiner Übersetzerin Alexandra Ernst spendete, nie vergessen. Er behauptete, dass „Die Bücherdiebin“ dank Ernst in der deutschen Übersetzung besser sei als das Original.

Trotzdem sind Übersetzer keine Hexen und Zauberer, eine schlechte Geschichte bleibt schlecht auch wenn sie noch so gut übersetzt wird, allerdings kann eine schlechte Übersetzung eine gute Erzählung auch „versauen“. Für den Leser ist beides schwer herauszufinden, sofern er das Original nicht kennt.

Ein angenehmer Nebeneffekt meiner täglichen Datenbankarbeit, in der ich über die Jahre die bibliographischen Daten hunderter Kinder- und Jugendbücher eingepflegt habe, ist das „Kennenlernen“ zahlreicher Übersetzer. Über kurz oder lang begegnet man einigen von ihnen häufiger und kann vom Namen des Übersetzers und seiner bisher geleisteten Arbeit sogar auf einen möglichen Erfolg, zumindest aber auf die Bedeutung des Titels für den Verlag, schließen. Ob der geneigte Kinder- und Jugendbuchleser allerdings aufgrund eines bestimmten Übersetzers zu einem Titel greift oder eben nicht – eine Erfahrung die Isabel Bogdan in ihrem sehr lesenswerten Blogbeitrag beschreibt – wage ich zu bezweifeln. Diese Fertigkeit wird er meiner Meinung nach höchstens im Laufe seines Leserlebens erlangen.

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Auswahl einiger Donaldson-Scheffler-Titel

Eine besondere Kunst der Übersetzung stellt für mich die Übertragung von Reimen dar.

Gerade in den frühen Werken des Autoren-Illustratoren-Duos Julia Donaldson und Axel Scheffler, die von Monika Osberghaus und Mirjam Pressler übersetzt wurden, ist dies wunderbar gelungen. Zwischendurch schwächelten ein paar Titel bis Salah Naoura das Übersetzer-Ruder übernahm.

„Das Grüffelokind“, trotz Übersetzung von Osberghaus, konnte mich jedoch nie gänzlich überzeugen. Bis heute weiß ich nicht, ob es an der Übersetzung oder der Originalvorlage lag. Ich tippe allerdings auf Letzteres.

Ja, Übersetzer sind wichtig, aber trotzdem schenken wir ihnen bisweilen nicht die Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt und bisweilen sogar rechtlich zusteht. Deshalb möchte ich hier noch einmal Isabel Bogdan zitieren:

Der Übersetzer ist der Urheber der deutschen Fassung. […] Und dass wir Urheber sind, bedeutet unter anderem, dass wir bei jedem Zitat genannt werden müssen. Ich sehe schon, das schreibt Ihr Euch jetzt alle schön hinter die Ohren, ne?

Wird gemacht!

 

Heute bin ich … ja was denn?

Fische gehören wohl zu den ausdruckärmsten Haustieren, die man sich vorstellen kann. Fröhlich, traurig, ängstlich, es gibt wohl kaum ein Gefühl, das man ihnen im Gesicht ablesen könnte. In dem fantastischen Bilderbuch „Heute bin ich“ von Mies van Hout, das 2012 bei aracari erschien, sieht das jedoch ganz anders aus. Hier werden Gefühle pur präsentiert. Auf jeder Doppelseite ist ein Fisch auf schwarzem Grund abgebildet, der jeweils in einer anderen Stimmung ist. Von A wie ängstlich bis Z wie zufrieden ist alles dabei.

fisch1Beim Aufräumen meines Büros fiel mir neben dem eigentlichen Bilderbuch auch ein Kunstkarten-Set in die Hand, das auf 20 Karten Fische mit ganz unterschiedlichen Gefühlen zeigt.

Ich bin der Meinung, dass diese Karte dringend geschrieben werden müssten, denn hin und wieder sollten wir unsere Lieben auch einmal mit ein paar ganz analogen Zeilen beglücken.

Überzeuge mich mit einem pfiffigen Kommentar, dass gerade DU unbedingt mal wieder Karten schreiben müsstest. Am Ende bin ich dann so zufrieden wie der grüne Fisch und schicke sie dir zu!

Ich versende die hochemotionalen Fische aufgrund der Portokosten nur an Postadressen in Deutschland.