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Spaß am Lesen: Der Leipziger Lesekompass

LLKDen Startschuss für den Leipziger Lesekompass bildete die Leipziger Buchmesse 2012. Seitdem wird diese Auszeichnung jährlich an 30 Titel in drei Kategorien verliehen. Seit der „Geburtsstunde“ sitze ich in der 17-köpfigen Jury, die auch dieses Jahr wieder von jugendlichen Lesescouts unterstützt wird.

Sechs Jurymitglieder pro Kategorie haben ab Dezember die Qual der Wahl, aus 20 Büchern, Hörbüchern und Medien ihre 10 Favoriten auszuwählen. Da alle Titel, die zwischen zwei Buchmessen (März bis März) erscheinen, berücksichtigt werden, gibt es natürlich immer wieder einige Nachrücker, die uns etwas später erreichen.

Die Idee hinter dem Leipziger Lesekompass

Unglaubliche 8.000 Neuerscheinungen gibt es Jahr für Jahr für junge Leser. Kein Wunder also, dass die Orientierung da bisweilen schwer fällt, denn so unterschiedlich wie die Bücher selbst sind auch ihre Leser: Lesemuffel und Bücherfresser, Bilderbuchgucker und Erstleser, Jungen wie Mädchen, allen soll der Zugang zum Buch ermöglicht und schmackhaft gemacht werden.

Der Spaß am Lesen steht beim Leipziger Lesekompass im Vordergrund, die prämierten Titel sollen Freude und Begeisterung für das Lesen wecken und bewahren. Dass die so erworbene Lesefertigkeit zugleich Schlüsselkompetenz für Schule und weitere Bildung ist, ist ein wunderbarer Nebeneffekt, den die Stiftung Lesen mit Praxistipps (diese können auf der Webseite kostenlos heruntergeladen werden) und -seminaren für Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte tatkräftig unterstützt.

Auswahlverfahren und Juryarbeit

Glücklicherweise müssen sich die Juroren nur gut zwanzig und nicht 8.000 Titeln widmen, denn eine erste Auswahl erfolgt durch die Stiftung Lesen. Anfang Dezember werden die Titel schließlich an alle Jurymitglieder zum Lesen und Bewerten verschickt. So vielfältig wie die Zusammenstellung der Bücher und Medien ist übrigens auch die Zusammensetzung der Jury: Neben den jugendlichen Lesescouts wirken unabhängige Fachleute aus den Bereichen Kita, Schule, Bibliothek, Buchhandel und Social Media mit.

Rund fünf Wochen haben die Juroren nun Zeit, alle Bücher, Hörbücher und Medien auf Herz und Nieren zu prüfen und ihre persönlichen Favoriten zu wählen. Aus allen Rückmeldungen der jeweiligen Kategorien (2-6 Jahre, 6-10 Jahre und 10-14 Jahre) ergeben sich dann die drei Top-10-Titel, die am Messedonnerstag im kommenden März feierlich der Öffentlichkeit präsentiert werden.

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Die Broschüren der Gewinnertitel 2014 sowie die dazu gehörigen Praxistipps können auf der Webseite der Stiftung Lesen heruntergeladen werden.

 

 

 

Lesen im Akkord? – Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit

montagsfrage_banner_neuJeden Montag stolpere ich über die interessanten Fragen von Libromanie und die ebenso aufschlussreichen Antworten aus der Blogosphäre.

Auf die heutige Frage: „Habt ihr eure Leseziele für 2014 erreicht?“ möchte ich gerne antworten.

 

Es gab Zeiten, da hatte ich eine App auf meinem Smartphone, die mir genau sagen konnte, wann ich ein Buch bei gleichbleibender Lesegeschwindigkeit beenden würde. Ich stapelte meine ungelesenen Bücher aufeinander und fühlte mich beim Blick auf den Stapel sofort ermahnt, doch ein wenig schneller zu lesen, schließlich gab es noch so viele tolle neue Bücher zu entdecken. In Wirklichkeit setzte ich mich aber auf diese Art und Weise nur unter permanenten Druck und das bei einer der schönsten und entspannendsten Tätigkeiten überhaupt: Dem Lesen! – Und Druck hat mich schon immer gelähmt, so war es auch nicht verwunderlich, dass ich anstatt genussvoll im Akkord zu lesen in die nächste Leseflaute stolperte. Kein Buch gefiel mir, ich schaute lieber fern und bügelte anstatt zu lesen.

Mittlerweile habe ich die App gelöscht und auch weitere Plattformen wie beispielsweise Goodreads interessieren mich nicht. Wenn ich Bücher empfehlen möchte, kann ich das auf den von mir genutzten Sozialen Netzwerken oder im Blog tun. Mich interessiert der Gelesene-Seiten-Status anderer Leser – der vermutlich von Goodreads automatisch gepostet wird – herzlich wenig und deshalb komme ich erst gar nicht auf die Idee, andere mit meinem Lesestatus zu belästigen.

Auch Challenges (deutsch: Herausforderung – ein Begriff, in dem auch das Wort „Fordern“ steckt) wie beispielsweise „Lies jede Woche ein Buch!“ lassen mich kalt. Das Leben hält schon genug Herausforderungen für mich bereit, da muss ich mir beim Lesen nicht auch noch Druck machen.

Ich bin ein Genussleser. Manchmal lasse ich nach Abschluss eines Buches auch ein paar Tage verstreichen ehe ich zum nächsten Werk greife. Hin und wieder muss man das Gelesene eben ein wenig „sacken“ lassen. Auch Ort und Zeit zum Lesen müssen passen. Für zehn Seiten krame ich mein Buch erst gar nicht heraus und wenn es um mich herum zu trubelig ist, leidet die Konzentration ebenfalls. Gerne setze ich mich gemütlich auf’s Sofa, den Kaffee oder das Kaltgetränk in Reichweite und zelebriere das Lesen. Und mit reichlich Gelassenheit schafft man dann in der Regel locker 52 Bücher in 52 Wochen.

 

Jahresendzeitpraktikantin
oder Frau Leo im Kinderbuchhimmel

Es gibt Orte, da sollte jeder Kinderbuchliebhaber mindestens einmal in seinem Leben (besser ist allerdings mehrfach, noch besser regelmäßig) gewesen sein. Einer dieser Orte liegt im Herzen von Essen-Werden: Die Kinderbuchhandlung Schmitz Junior.

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Schmitz Junior in Essen-Werden

Noch bevor man die Buchhandlung betritt kann man sich an der originellen, stets wechselnden und immer mit Liebe gestalteten Schaufensterdekoration erfreuen. Meist hat man bereits jetzt gedanklich ein bis zwei Bücher in den noch gar nicht vorhandenen Einkaufskorb gelegt. Mit einem leichten Surren öffnet sich die Schiebetür und nun gibt es kein Zurück mehr. Bilderbücher, Vorlesebücher, Kinderbücher, Jugendbücher, Sachbücher, Hörbücher und modernes Antiquariat, wer hier nichts findet, ist selber schuld!

In dieser nach „frischen“ Büchern duftenden Umgebung trete ich morgen meinen Dienst als Jahresendzeitpraktikantin an. Für mich, die die Kinderbuchwelt sonst nur vom heimischen Büro aus betrachtet, eine wunderbare Gelegenheit, echte Buchhandlungsluft zu schnuppern. Und wann könnte diese Luft betriebsamer sein als in der Adventszeit.

Bereits letztes Jahr dürfte ich dem Schmitz-Junior-Team unter die Arme greifen, Bücher auszeichnen, Geschenke einpacken (ob ich das Abreißen von der Rolle dieses Jahr besser beherrsche?), das Telefon bedienen und sogar bibliographieren. Ich bin sehr gespannt, was mich dieses Mal erwartet und schon ein wenig aufgeregt.

 

Der BEO oder Wie Hörbücher mein Herz eroberten

Wenn ich an mein Kinderzimmer zurück denke, sehe ich neben den Büchern immer noch meinen Kassettenrekorder stehen, daneben der quietschrote drehbare Ständer mit zahlreichen Hörspielen. Noch bevor ich selbst zu lesen begann, entdeckte ich mit den Hörbüchern die große Welt der Geschichten und erlebte in der Abgeschlossenheit meines Kinderzimmers zahlreiche spannende Abenteuer. Die dabei erworbene Fähigkeit zuzuhören habe ich nie wieder verlernt.

DruckLange wurden die Hörbücher auf Buecherkinder.de sträflich vernachlässigt, mit dem Relaunch erhalten sie nun endlich eine eigene Kategorie, die wir langsam mit aktuellen Hörbüchern und bald auch mit deren Bewertungen füllen wollen.

Doch die erste Orientierung im Hörbuchdschungel ist angesichts der vielen Titel und Neuerscheinungen alles andere als einfach. Erste Hilfestellung kann da der Deutsche Kinderhörbuchpreis BEO leisten. In drei Alterskategorien sowie zwei Sonderkategorien wurde der Preis 2013 erstmalig verliehen. Zur diesjährigen Preisverleihung am 12. November im Hamburg war auch ich als Hörbuch-Neuling eingeladen und so mancher Sprecher enterte mit seinem kurzen Hörbuchschmankerl nicht nur meine Ohren sondern eroberte auch gleich mein Hörerherz.

Die äußerst professionelle (Regie: Leonhard Koppelmann) und dennoch kurzweilige Veranstaltung fand im Thalia Theater in der Gaußstraße in Hamburg statt. Schauspieler und Moderator Peter Jordan führte sehr schwung- und humorvoll durch die knapp zweistündige Gala. Musikalisch unterstützt wurde er von den Coolen Streichern, dem Kinder- und Jugendorchester von Salut.

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Der Master of Ceremony Peter Jordan
Im Hintergrund Die Coolen Streicher
Foto und ©: Karl-Sebastian Schulte

Und es gab natürlich noch mehr „auf die Ohren“! Denn sofern die Sprecherinnen und Sprecher an diesem Abend anwesend waren, kam das Publikum nach der Laudatio in den Genuss kurzer Hörproben. Den Herren Friedhelm Ptok und Jens Wawrczeck hätte ich jedenfalls noch Stunden lauschen können. Die weiteren Ausgezeichneten Sandra Hüller (Maulina Schmitt) und Katharina Thalbach (Stichkopf und der Scheusalfinder) wurden mit einem kurzen Einspieler in den Theatersaal geschaltet.

Besonders hervorzuheben ist die Arbeit der diesjährigen Kinderjury. Die 20-köpfige Expertengruppe der Herman-Nohl-Schule in Berlin-Neukölln setzt sich aus 20 Kindern der Klassenstufe 3 bis 5 zusammen. Zunächst entwickelten die Kinder zusammen mit ihren Lehrerinnen Kriterien für ein gelungenes Hörbuch ehe sie aus der BEO-Longlist ihren Favoriten wählten. Bereits vor den Sommerferien starteten die Kinder mit der Juryarbeit und setzten sich neben dem Hören auch in vielfältiger Weise kreativ mit dem Gehörten auseinander. Und auch nach der Preisverleihung geht es weiter, denn die Expertengruppe soll als Literatur-AG weitergeführt werden. Einmal mehr zeigt sich, wie wertvoll Hörbücher für die Leseförderung sind.

Im Anschluss an die Preisverleihung trafen sich Besucher wie Preisträger zum gemütlichen Ausklang bei Sekt und Fingerfood im Foyer des Theaters. Einen eindrucksvolleren und schöneren Einstieg in die Hörbuchwelt hätte ich mir wirklich nicht wünschen können.

Zum Nachhören und -lesen:

 

Ritter Wüterich und Drache Borste auf Schloss Burg

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Schloss Burg an der Wupper
erbaut im 12. Jahrhundert

Hoch über der Wupper thront Schloss Burg. Den etwas außergewöhnlichen Namen aus Schloss und Burg erhielt der Stammsitz der Grafen von Berg im 15. Jahrhundert nach Abschluss der Umbauarbeiten zum Jagdschloss. Und genau an diesem Ort, im Rittersaal um genau zu sein, fand am gestrigen bundesweiten Vorlesetag die erste Patenschaftsübernahme für zwei Bilderbuchhelden statt.

Keine geringere als Annette Langen, Autorin von mehr als 80 Kinderbüchern (u.a. Felix der Reisehase), hatte zur feierlichen Zeremonie eingeladen, um ihren neuen Bilderbuchhelden Ritter Wüterich und Drache Borste zwei Paten zur Seite zu stellen.

Andreas Maximilian Tim Ritter Clanner von Engelshofen, der als Patenonkel von Ritter Wüterich fungieren sollte, musste bedauerlicherweise kurzfristig absagen. Aufgrund eines Infekts blieb seine Ritterrüstung im Schrank. Die Drachenbeauftragte der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar Maren Bonacker hingegen kam zwar nicht auf dem Rücken eines Drachen geflogen, brachte dafür als Drachenkennerin – es sollen sich schließlich einige in der Phantastischen Bibliothek rumtreiben – das richtige Geschenk für ihr „Patenkind“ mit: zwei Feuersteine, falls es in der feuchten Drachenhöhle beim Feuerspucken zu Startschwierigkeiten kommen sollte. Auch Ritter Wüterich ging nicht leer aus. Eine Packung Streichhölzer kann man schließlich immer gebrauchen falls der Freund mal nicht zur Hand ist.

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Ritter Wüterich und Drache Borste im Rittersaal von Schloss Burg
Im Hintergrund die besten Wünsche der Illustratorin Katja Gehrmann

Maren Bonacker versprach in ihrer kleinen Ansprache, stets gut auf die beiden acht zu geben, erinnerte aber auch an Regeln, die für Drache Borste genauso gelten wie für andere Drachen auch: KEIN FEUERSPUCKEN in der Nähe von Büchern! Da versteht eben auch die Patentante keinen Spaß!

Mit einem Glas Sekt, O-Saft und Brackwasser für Drache Borste ließen wir die Feierlichkeiten ausklingen und dürfen uns schon jetzt auf das dritte Abenteuer mit Ritter Wüterich und Drache Borste freuen.

Die Autorin beim Signieren

Die Autorin beim Signieren

Über die Bücher:

Ritter Wüterich und Drache Borste
von Annette Langen mit Illustrationen von Katja Gehrmann,
erschienen 2013 im NordSüd Verlag

Ritter Wüterich hat fast alles, was ein echter Ritter braucht: eine glänzende Rüstung, ein Schwert und sein schlaues Ross Roswitha. Tag ein Tag aus übt er kämpfen, aber ein richtiges Abenteuer hat er noch nicht erlebt. Eines Tages bricht er aus der gut gehüteten Burg aus und trifft auf Drache Borste …

Ritter Wüterich und Drache Borste büxen aus
von Annette Langen mit Illustrationen von Katja Gehrmann,
erschienen 2014 im NordSüd Verlag

Aufregung herrscht in der Ritterburg. Ein gefährlicher Drache soll im Wald sein Unwesen treiben. Ausgerechnet mit diesem wilden Kerl hat der kleine Ritter Wüterich sich angefreundet. Ob das gut gehen kann? Die ungleichen Freunde halten ihre Eltern ganz schön auf Trab.