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Das Bilderbuchprojekt „Komm, spielen wir!“

Wer steckt hinter diesem Bilderbuchprojekt?

VIEL & MEHR e. V. ist ein gemeinnütziger Berliner Verein mit dem Ziel der Förderung von Vielfalt und Mehrsprachigkeit in Bilderbüchern. In diesem thematischen Rahmen werden in der Vereinsarbeit Bilderbuchkonzepte entwickelt und veröffentlicht, welche die vorhandene Diversität von Lebensrealitäten gleichberechtigt und unabhängig von ethnischer wie sozialer Herkunft, von Geschlecht oder Alter sowie von individuellen Fähigkeiten zeigen, ohne sie in den Vordergrund zu stellen.

Alle Kinder lieben es zu spielen und sie haben ein Recht darauf – mal ausgelassen und fröhlich, mal konzentriert und in sich gekehrt, mal allein und mal zusammen. Das möchte VIEL & MEHR in „Komm, spielen wir!“ zeigen und zwar so, dass sich viele Kinder in Sprache und Bild damit identifizieren können.

Darum geht es

„Komm, spielen wir!“ ist ein Foto-Bilderbuch in 5 + 1 Sprachen – arabisch, deutsch, englisch, französisch, türkisch und einer Sprache, die frei ergänzt werden kann. Die Fotos zeigen Kinder verschiedenster Herkunft bei dem, was sie am liebsten tun – nämlich Spielen. Auch geflüchtete Kinder, die derzeit in einer Berliner Notunterkunft leben, sind mit dabei. Beiläufig und selbstverständlich bildet Vielfalt die Folie, auf der ganz alltägliche Spielszenen mit großem Wiedererkennungseffekt gezeigt werden.

Das Bilderbuch wendet sich an ALLE Neugierigen im Kleinkindalter, also die eigenen Kinder, die von Freunden und Nachbarn, Nichten, Neffen und Patenkinder, aber selbstverständlich auch Kitas, Familienzentren usw. Besonders angesprochen werden Kinder, die in einer binationalen Familien- und mehrsprachigen Lebenssituation aufwachsen.

Und warum Crowdfunding?

Einen möglichst großen Teil der Erstauflage möchte VIEL & MEHR an geflüchtete Kinder spenden, um ihnen in ihrer aktuellen, sehr schwierigen Lebenssituation ein persönliches Stück Ausgelassenheit und Fröhlichkeit zu schenken. Je mehr Geld zusammen kommt, desto mehr Bücher können gespendet werden.

Alle Infos zur Crowdfunding-Kampagne gibt es HIER. Noch fehlen knapp 500 €, also macht doch einfach mit! Die Kampagne läuft noch bis 30. Juni.

 

 

 

Besuch beim Ehrengast der Buchmesse (Teil 3)

Hier entlang zu Teil 2 der Reise …

„Flandern & die Niederlande“ präsentieren sich als Ehrengast auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse (siehe Vorbericht).

Auffällig sind die vielen Kinder- und Jugendbücher, die auch dieses Jahr ins Deutsche übertragen wurden. Sie machen ein Drittel der aktuellen Neuerscheinungen – rund 80 Titel – aus. Grund genug für die Flämische und die Niederländische Stiftung für Literatur einige Pressevertreter auf Bücherreise zu schicken, um die lebendige Kinder- und Jugendbuchszene des zukünftigen Gastlandes kennenzulernen.

In love with Amsterdam

Die letzte Station unserer Bücherreise führte uns ins schöne Amsterdam. Für mich der erste (und sicherlich nicht der letzte) Besuch in dieser freundlichen und weltoffenen Stadt.

Vorbei an bezaubernden Häusern immer entlang der Amstel führte uns unser morgendlicher Spaziergang zum Hermitage Museum, einem Ableger der weltberühmten Eremitage im russischen Sankt Petersburg. Wahrlich ein passender Rahmen um auf acht ganz unterschiedliche Illustratorinnen und Illustratoren aus Amsterdam zu treffen.

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Ted van Lieshout bei der Vorstellung seiner Kollegin Marit Törnqvist

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Direktor des Museums, Paul Mosterd, übernahm der Illustrator Ted van Lieshout das Wort und stellte uns seine Kolleginnen und Kollegen auf äußerst charmante Art und Weise vor.

Im Anschluss hatten wir dann ausreichend Zeit mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Im Titelbild sind zu sehen (von links): Mies van Hout, Charlotte Dematons, Marije Tolman, Dieter Schubert, Ted van Lieshout, Marit Törnqvist, Floor Rieder und Ingrid Schubert.

Die Stiftung CPNB

Ein kleines, liebevoll restauriertes Boot, Jahrgang 1913, brachte und auf verwundenen und teils verwunschenen Wegen durch die Grachten Amsterdams zu unserem nächsten Ziel, der Stiftung CPNB (Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek).

2016: Das Jahr des Buches in den Niederlanden

2016: Das Jahr des Buches in den Niederlanden

Seit 1930 gibt es diese Kooperation zwischen Buchhandel und Verlagen, die zwei Ziele verfolgt, zum einen das idealistische Ziel, die Menschen zum Lesen zu bringen, und zum anderen natürlich auch die Leser zum Kauf von Büchern in die Buchhandlungen zu locken. So gibt es seit 1932 jährlich die zehntägige Buchwoche, die im Frühjahr stattfindet und zu der ein Geschenkbuch einer namhaften Schriftstellerin oder Schriftstellers herausgebracht wird. Dies waren beispielsweise Cees Nooteboom 1991, Renate Dorrestein 1997, Arnon Grunberg 1998, Harry Mulisch 2000 und Salman Rushdie 2001. Jeder Käufer eines niederländischen Buches (Original oder Übersetzung) zum Preis von mindestens 12,50 € erhält in der Buchwoche das Geschenkbuch gratis dazu. Dieses erfreut sich großer Beliebtheit und erreicht mittlerweile  eine Auflage von über 750.000 Exemplaren!

Und auch sonst werden unsere niederländischen Nachbarn nicht müde, Buchwochen zu den verschiedensten Themen wie beispielsweise Krimi, Hörbuch oder Kinderbuch mit dem jeweils passenden Buchgeschenk ins Leben zu rufen.

ehrengast-amsterdam-5Das Geschenkbuch zur diesjährigen Kinderbuchwoche, die vom 5. bis 16. Oktober stattfindet und unter dem Motto „Omas und Opas – Für immer jung“ steht, wurde vom mittlerweile 87-jährigen Dolf Verroen geschrieben und von Charlotte Dematons illustriert. Anlässlich des Ehrengastauftritts erscheint der Titel nahezu zeitgleich auf deutsch im Verlag Freies Geistesleben.

Ebenfalls zur Kinderbuchwoche erscheint ein Bilderbuch, das dieses Jahr von der Künstlerin Floor Rieder gestaltet und zum Sonderpreis von 5 € erhältlich ist.

Auf dem Weg zur Niederländischen Stiftung für Literatur machten wir schließlich noch kurz Halt in der Kinderbuchhandlung De Kinderboekwinkel, natürlich nicht ohne das eine oder andere Buch zu erwerben.

Niederländische Stiftung für Literatur

In der Niederländischen Stiftung für Literatur angekommen ließ uns die Journalistin und Buchkritikerin Mirjam Noorduijn einen Blick in „Het Boeken-Boek“ (Das Buch-Buch) werfen, das anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2016 erscheinen wird. Dieses Buch über Bücher wird dem Leser auf über 300 Seiten die enorme Bandbreite flämischer und niederländischer Kinder- und Jugendliteratur der letzten 60 Jahre zeigen. Dabei widmet sich jedes der 50 Kapitel auf drei Doppelseiten intensiv einem Titel, dem jeweiligen Autor oder Illustrator und seinem Werk und schlägt dabei noch mühelos Brücken zu weiteren internationalen Buchtiteln. Die ersten bereits verfügbaren Innenseiten, auf die wir einen Blick werfen konnten, lassen jedenfalls auf eine sehr interessante und aufgrund der Gestaltung alles andere als trockene Lektüre schließen. Schön, dass dieses Werk im Herbst auf englisch und deutsch erscheinen wird und sicher bei so manchem Leser Begehrlichkeiten in Sachen Buchkauf wecken wird.

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Blick in die Bibliothek der Niederländischen Stiftung für Literatur

Krönender Abschluss der dreitätigen Bücherreise zum Ehrengast „Flandern & die Niederlande“ war schließlich ein lockeres Abendessen mit zahlreichen niederländischen Autorinnen und Autoren, den Übersetzerinnen Birgit Erdmann und Andrea Kluitmann und einigen Verlegerinnen und Verlegern bei schönstem Sonnenschein im Hof der niederländischen Stiftung für Literatur (weshalb es auch nur ein Foto der verwaisten Bibliothek gibt).

Bleibt mir nur „hartelijk bedankt“ zu sagen für drei spannende Tage mit unzähligen Kinderbuchmenschen und einer Kinder- und Jugendbuchszene, die wirklich als äußerst lebendig beschrieben werden kann. Ich bleibe dran am Kinderbuch aus „Flandern & den Niederlanden“ und freue mich schon sehr, den einen oder anderen „neuen Bekannten“ in Frankfurt wiederzusehen.

 

 

 

 

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Besuch beim Ehrengast der Buchmesse (Teil 2)

Hier entlang zu Teil 1 der Reise …

„Flandern & die Niederlande“ präsentieren sich als Ehrengast auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse (siehe Vorbericht).

Auffällig sind die vielen Kinder- und Jugendbücher, die auch dieses Jahr ins Deutsche übertragen wurden. Sie machen ein Drittel der aktuellen Neuerscheinungen – rund 80 Titel – aus. Grund genug für die Flämische und die Niederländische Stiftung für Literatur einige Pressevertreter auf Bücherreise zu schicken, um die lebendige Kinder- und Jugendbuchszene des zukünftigen Gastlandes kennenzulernen.

Genk: Kleine Stadt mit großer Bibliothek

C-Mine Genk

Ausgedienter Förderturm in der C-Mine

Nächste Station unserer Bücherreise war das in der belgischen Provinz Limburg gelegene Städtchen Genk mit rund 65.000 Einwohnern.

Dass Genk in seiner Vergangenheit zu den bedeutendsten Steinkohlerevieren Belgiens gehörte, davon zeugen heute noch die weithin sichtbaren Fördergerüste des Steinkohlewerks von Winterslag, das 1986 schloss. Anfang des neues Jahrtausends erwarb die Stadt dann das Gelände und baute es u.a. zum Kulturzentrum um.

Doch zunächst zurück in die beeindruckende Bibliothek der Stadt Genk, der wir einen ausführlichen Besuch abstatteten.

Bibliotheek Genk

Die Eingangshalle der Stadtbibliothek in Genk

2008 eröffnete diese auch architektonisch eindrucksvolle Bibliothek auf 4 Etagen mit knapp 5.000 Quadratmetern für die Öffentlichkeit.

Allein 1.000 Quadratmeter stehen im Erdgeschoss der Kinder- und Jugendbibliothek zur Verfügung. Diesen Platz benötigt sie aber auch, um die rund 70.000 Medien (Bücher, CDs, DVDs, Spiele, Zeitschriften …) und das große Vorlesetheater unterzubekommen.

Zweimal wöchentlich wird hier für Kinder zwischen 4 und 7 Jahren vorgelesen, die Eltern dürfen währenddessen gerne in der Bibliothek stöbern oder einen Kaffee trinken.  Neu ist die Vorlesezeit für Kinder ab zweieinhalb.

© Bibliotheek Genk

© Bibliotheek Genk – Bilderbuchstunde im Vorlesetheater

Ein wahrlich würdiger Rahmen also, um den Kinder- und Jugendbuchautor Bart Moeyaert kennenzulernen, der uns auf äußerst charmante Art und Weise erklärte, wie man zu einem solchen jahresfüllenden Job wie den des künstlerischen Leiters eines Ehrengastauftritts kommt.

Und so packte er zur Erklärung aus einer Box alte, in Seidenpapier verpackte Schätze aus, wie beispielsweise sein erstes, selbst gelesenes und mittlerweile sehr zerfleddertes Buch. Stolz wie Oskar war er damals, es sich weitgehendst erlesen zu haben, denn die sehr schwierigen Wörter mit drei Silben ließ er zunächst aus. Und natürlich prangte auch der Name des Besitzers im Buch. Allerdings notierte er ihn nicht direkt auf das Papier schließlich war das ja verboten, sondern klebte vorab einen Klebestreifen hinein um darauf in krickeliger Handschrift BART zu notieren. Auch sein Notizbuch mit ersten Geschichten und schließlich sein erstes  veröffentlichtes Buch Duet met valse noten (dt. Leander, Liselot und die Liebe), das 1983 erschien, hatte er dabei. Die mitgebrachte Kittelschürze seiner Großmutter erinnert Bart Moeyaert auch heute noch an seine Wurzeln, die in Brügge liegen, wo er mit seinen Eltern und sechs großen Brüdern aufwuchs.

Bart Moeyaert

Ich ließ es mir nicht nehmen, ein Foto mit Bart Moeyaert zu machen.
Im Hintergrund ist eine Illustration von Gerda Dendooven aus dem gemeinsamen Buch „De gans en zijn broer“ zu sehen.

Bart Moeyaert ist ein begnadeter Geschichtenerzähler und die beiden Literaturstiftungen (Vlaams Fonds voor de Letteren und Nederlands Letterenfonds) taten gut daran, ihn zum künstlerischen Leiter des Auftritts in Frankfurt zu ernennen, werden er und sein Werk doch sowohl in seiner Heimat Flandern als auch in den Niederlanden geschätzt. Zudem ist er auch international bekannt (seine Werke wurden in 21 Sprachen übersetzt) und gerade in Deutschland sehr beliebt (19 Titel erschienen in deutscher Übersetzung). Und last but not least ist er seit 25 Jahren als Gast und Autor regelmäßig auf der Frankfurter Buchmesse anzutreffen.

Später trafen wir in der Bibliothek auf die Illustratoren Ingrid Godon, Benjamin Leroy und Carll Cneut, die uns aktuelle Skizzen zeigten und im Fall von Carll Cneut sogar vor Ort einen Einblick in die Maltechnik gaben.

Illustrationen von Carll Cneut

Illustrationen von Carll Cneut
Im Vordergrund ist das für den Jugendliteraturpreis nominierte Buch „Der goldende Käfig“ (Bohem) zu sehen, im Hintergrund aktuelle Acryl-Bilder für eine Überarbeitung des mittlerweile 10 Jahre alten Titels „Hexenfee“ (Residenz).

Beim anschließenden Mittagessen kamen wir mit den Übersetzern Eva Schweikart und Rolf Erdorf ins Gespräch, die uns sehr offen über Freud und Leid ihres Berufsstandes berichteten und uns später zu unserem Treffen mit sechs Autorinnen und Autoren aus Flandern in die  C-Mine begleiteten. Im Titelbild dieses Beitrags sind diese mit ihren aktuellen Büchern zu sehen. Von links nach rechts: Michael De Cock, Kristien Dieltiens, Jan De Leeuw, Aline Sax, Kathleen Vereecken und Joke van Leeuwen.

Jan De Leeuw und Rolf Erdorf

Autor und Übersetzer im Bild vereint.
Jan De Leeuw (li.) und Rolf Erdorf (re.)

Nachdem uns die Autorinnen und Autoren ausführlich über ihre Arbeit berichtet hatten, ließ es sich Eddie Guldolf (Programmleiter Theater, Tanz, Ausstellung, Film der C-Mine) nicht nehmen, uns „seine“ Mine zu zeigen.

Im Anschluss trafen wir beim geselligen Abendessen auf die flämischen (vornehmlich) Verlegerinnen und Verleger der Häuser De Eenhoorn, Lannoo, Abimo, Davidsfonds und Clavis.

Anschließend machten wir uns auf den Weg nach Amsterdam, Teil 3 meiner Bücherreise.

 

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Besuch beim Ehrengast der Buchmesse (Teil 1)

„Flandern & die Niederlande“ präsentieren sich als Ehrengast auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse (siehe Vorbericht).

Auffällig sind die vielen Kinder- und Jugendbücher, die auch dieses Jahr ins Deutsche übertragen wurden. Sie machen ein Drittel der aktuellen Neuerscheinungen – rund 80 Titel – aus. Grund genug für die Flämische und die Niederländische Stiftung für Literatur einige Pressevertreter auf Bücherreise zu schicken, um die lebendige Kinder- und Jugendbuchszene des zukünftigen Gastlandes kennenzulernen.

Ein wenig Ehrengast-Feeling in Köln

Meine Bücherreise verschlug mich zunächst nach Köln, denn manchmal geht eben auch ein Ehrengast auf Reisen. Anlässlich der 20. Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen werden zwischen 25. Mai und 12. Juni in Köln zehn niederländische und flämische Autorinnen und Autoren ihre neuesten Bücher in Kölner Schulen und Bibliotheken vorstellen. Zum Auftakt der Buchwochen wurde zudem die Ausstellung „Schau mich an“ (bis 10. Juli) im Museum für Angewandte Kunst eröffnet.

Hier fiel auch der Startschuss für unsere Bücherreise. Die Ausstellung zeigt Illustrationen der flämischen Künstlerin Ingrid Godon und Kinderporträts des Fotografen August Sander. Ergänzt werden diese durch Texte des niederländischen Autors Toon Tellegen.

Die Kuratorin Dr. Maria Linsmann-Dege (Leiterin des Troisdorfer Bilderbuchmuseum) führte uns durch die Ausstellung und erläuterte, wie es zu den jeweiligen Pärchen aus Illustration und Foto kam und dass insbesondere das Wesen der Portätierten – mehr noch als äußerliche Ähnlichkeiten – zur Zusammenstellung führte.

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Im Anschluss besuchten wir das Theaterstück „En morgen was het Feest“ (Morgen gibt’s ein Fest), das auf dem gleichnamigen Buch von Toon Tellegen beruht. Und obwohl das Stück auf flämisch vorgetragen wurde, hatten wir (und die anderen großen und kleinen Besucher des COMEDIA Theaters) aufgrund der großartigen Mimik der Schauspieler Bart Embrechts und Eric Vanthillo, der vorhandenen Ähnlichkeiten zur deutschen Sprache und des sich durch die Live-Zeichnungen des Illustrators Mattias De Leeuw ständig verändernden Bühnenbilds keine Schwierigkeiten der Erzählung zu folgen.

Hier ein kleine Kostprobe des Kindertheaters Anna’s Steen:

Bei einem anschließenden Abendessen trafen wir auf die Autorin Bibi Dumon Tak und ihren Kollegen Marco Kunst, die während der bereits oben erwähnten Buchwochen in zahlreichen Kölner Schulen aus ihren aktuellen Büchern lasen. Man unterhielt sich über länderspezifische Covergestaltung und Titelei und wir erfuhren zudem  wie wichtig für Literatur aus Flandern & den Niederlanden eine Übersetzung ins Deutsche ist, öffnet diese doch häufig Tor und Tür für weitere Lizenzverkäufe in andere Länder.

Am Abend fuhren wir schließlich weiter nach Genk in Flandern, Teil 2 meiner Bücherreise.

Eisvogelsommer
oder Der Versuch einer Rezension

Ich schreibe nicht besonders gerne Rezensionen, habe ich noch nie. Vielleicht liegt es daran, dass mich besondere Geschichten immer im Innersten berühren und ich sie durch eine nennen wir es mal literarische Analyse nicht ihres Zaubers berauben will. Ich habe das Tot-Interpretieren in der Schule schon nicht gemocht. Möglicherweise fehlt mir aber auch schlicht und ergreifend das Rüstzeug zum Schreiben einer „echten“ Rezension.

Wie dem auch sei, manchmal begegnen mir Bücher, die einfach besprochen werden müssen, einfach darum, weil ich ihnen zahllose weitere Leser wünsche. „Eisvogelsommer“, ein Buch des flämischen Autors Jan De Leeuw, ist so ein Buch. Es hat mich derart in seinen Bann gezogen, dass ich beim Lesen Raum und Zeit vergaß und die Nacht zum Tag machte, nur um dieses Buch zu beenden. Und das soll schon etwas heißen, schließlich ist mir meine Nachtruhe heilig.

Im Zuge meiner Vorbereitungen auf meine Reise ins Gastland der Buchmesse versuche ich, mir einen möglichst großen Überblick über die Bandbreite der flämischen und niederländischen Kinder- und Jugendliteratur zu verschaffen. „Eisvogelsommer“ war eines der Werke, das ich zumindest anlesen wollte, dessen poetischer Stil mich aber bereits nach wenigen Seiten mit einer derartigen Wucht traf, dass an ein Weglegen des Buches nicht mehr zu denken war.

Von Worten eingewickelt

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„Eisvogelsommer“ von Jan De Leeuw, Seite 28

Die Geschichte erzählt vom Lieben, vom Leben und vom Sterben, denn der Ich-Erzähler Thomas kam bei einem Unfall ums Leben. (Dass Thomas tot ist, erfährt man leider bereits im Klappentext, was ich persönlich sehr schade finde. Man hätte den Leser darüber durchaus im Unklaren lassen können, denn eine gewisse Vorahnung ist auch ohne Erwähnung von Beginn an vorhanden.) Thomas begleitet in den Monaten nach seinem Tod die Menschen, die ihn liebten – seine Eltern, seinen Großvater, seine große Liebe Orphee. Sie halten ihn fest, können noch nicht loslassen und auch Thomas kann erst gehen, wenn die letzten offenen Fragen seines Lebens beantwortet sind. So folgt er seinen Lieben in ihre Gedanken und Erzählungen, die ihn in die nahe und ferne Vergangenheit führen.

Und so wie der Großvater Thomas in ein Netz aus Worten einwickelt, so verfing auch ich mich im Netz dieser Geschichte und sog die wunderbaren, poetischen Formulieren förmlich in mir auf. Ein Dank an dieser Stelle deshalb auch an Rolf Erdorf, der mit seiner Übersetzung aus dem Niederländischen hier wirklich Großes vollbracht hat.

Umso mehr freue ich mich, dass ich auf meiner Buchreise sowohl dem Autor als auch dem Übersetzer begegnen werde und mir mein „Eisvogelsommer“ sicherlich signieren lasse.


Bibliografie und Blick ins Buch:

Eisvogelsommer  (Original: Vijftien wilde zomers)
von Jan De Leeuw
aus dem Niederländischen übersetzt von Rolf Erdorf

Gerstenberg Verlag 2016
ISBN: 978-3-8369-5841-7