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Besuch beim Ehrengast der Buchmesse (Teil 2)

Hier entlang zu Teil 1 der Reise …

„Flandern & die Niederlande“ präsentieren sich als Ehrengast auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse (siehe Vorbericht).

Auffällig sind die vielen Kinder- und Jugendbücher, die auch dieses Jahr ins Deutsche übertragen wurden. Sie machen ein Drittel der aktuellen Neuerscheinungen – rund 80 Titel – aus. Grund genug für die Flämische und die Niederländische Stiftung für Literatur einige Pressevertreter auf Bücherreise zu schicken, um die lebendige Kinder- und Jugendbuchszene des zukünftigen Gastlandes kennenzulernen.

Genk: Kleine Stadt mit großer Bibliothek

C-Mine Genk

Ausgedienter Förderturm in der C-Mine

Nächste Station unserer Bücherreise war das in der belgischen Provinz Limburg gelegene Städtchen Genk mit rund 65.000 Einwohnern.

Dass Genk in seiner Vergangenheit zu den bedeutendsten Steinkohlerevieren Belgiens gehörte, davon zeugen heute noch die weithin sichtbaren Fördergerüste des Steinkohlewerks von Winterslag, das 1986 schloss. Anfang des neues Jahrtausends erwarb die Stadt dann das Gelände und baute es u.a. zum Kulturzentrum um.

Doch zunächst zurück in die beeindruckende Bibliothek der Stadt Genk, der wir einen ausführlichen Besuch abstatteten.

Bibliotheek Genk

Die Eingangshalle der Stadtbibliothek in Genk

2008 eröffnete diese auch architektonisch eindrucksvolle Bibliothek auf 4 Etagen mit knapp 5.000 Quadratmetern für die Öffentlichkeit.

Allein 1.000 Quadratmeter stehen im Erdgeschoss der Kinder- und Jugendbibliothek zur Verfügung. Diesen Platz benötigt sie aber auch, um die rund 70.000 Medien (Bücher, CDs, DVDs, Spiele, Zeitschriften …) und das große Vorlesetheater unterzubekommen.

Zweimal wöchentlich wird hier für Kinder zwischen 4 und 7 Jahren vorgelesen, die Eltern dürfen währenddessen gerne in der Bibliothek stöbern oder einen Kaffee trinken.  Neu ist die Vorlesezeit für Kinder ab zweieinhalb.

© Bibliotheek Genk

© Bibliotheek Genk – Bilderbuchstunde im Vorlesetheater

Ein wahrlich würdiger Rahmen also, um den Kinder- und Jugendbuchautor Bart Moeyaert kennenzulernen, der uns auf äußerst charmante Art und Weise erklärte, wie man zu einem solchen jahresfüllenden Job wie den des künstlerischen Leiters eines Ehrengastauftritts kommt.

Und so packte er zur Erklärung aus einer Box alte, in Seidenpapier verpackte Schätze aus, wie beispielsweise sein erstes, selbst gelesenes und mittlerweile sehr zerfleddertes Buch. Stolz wie Oskar war er damals, es sich weitgehendst erlesen zu haben, denn die sehr schwierigen Wörter mit drei Silben ließ er zunächst aus. Und natürlich prangte auch der Name des Besitzers im Buch. Allerdings notierte er ihn nicht direkt auf das Papier schließlich war das ja verboten, sondern klebte vorab einen Klebestreifen hinein um darauf in krickeliger Handschrift BART zu notieren. Auch sein Notizbuch mit ersten Geschichten und schließlich sein erstes  veröffentlichtes Buch Duet met valse noten (dt. Leander, Liselot und die Liebe), das 1983 erschien, hatte er dabei. Die mitgebrachte Kittelschürze seiner Großmutter erinnert Bart Moeyaert auch heute noch an seine Wurzeln, die in Brügge liegen, wo er mit seinen Eltern und sechs großen Brüdern aufwuchs.

Bart Moeyaert

Ich ließ es mir nicht nehmen, ein Foto mit Bart Moeyaert zu machen.
Im Hintergrund ist eine Illustration von Gerda Dendooven aus dem gemeinsamen Buch „De gans en zijn broer“ zu sehen.

Bart Moeyaert ist ein begnadeter Geschichtenerzähler und die beiden Literaturstiftungen (Vlaams Fonds voor de Letteren und Nederlands Letterenfonds) taten gut daran, ihn zum künstlerischen Leiter des Auftritts in Frankfurt zu ernennen, werden er und sein Werk doch sowohl in seiner Heimat Flandern als auch in den Niederlanden geschätzt. Zudem ist er auch international bekannt (seine Werke wurden in 21 Sprachen übersetzt) und gerade in Deutschland sehr beliebt (19 Titel erschienen in deutscher Übersetzung). Und last but not least ist er seit 25 Jahren als Gast und Autor regelmäßig auf der Frankfurter Buchmesse anzutreffen.

Später trafen wir in der Bibliothek auf die Illustratoren Ingrid Godon, Benjamin Leroy und Carll Cneut, die uns aktuelle Skizzen zeigten und im Fall von Carll Cneut sogar vor Ort einen Einblick in die Maltechnik gaben.

Illustrationen von Carll Cneut

Illustrationen von Carll Cneut
Im Vordergrund ist das für den Jugendliteraturpreis nominierte Buch „Der goldende Käfig“ (Bohem) zu sehen, im Hintergrund aktuelle Acryl-Bilder für eine Überarbeitung des mittlerweile 10 Jahre alten Titels „Hexenfee“ (Residenz).

Beim anschließenden Mittagessen kamen wir mit den Übersetzern Eva Schweikart und Rolf Erdorf ins Gespräch, die uns sehr offen über Freud und Leid ihres Berufsstandes berichteten und uns später zu unserem Treffen mit sechs Autorinnen und Autoren aus Flandern in die  C-Mine begleiteten. Im Titelbild dieses Beitrags sind diese mit ihren aktuellen Büchern zu sehen. Von links nach rechts: Michael De Cock, Kristien Dieltiens, Jan De Leeuw, Aline Sax, Kathleen Vereecken und Joke van Leeuwen.

Jan De Leeuw und Rolf Erdorf

Autor und Übersetzer im Bild vereint.
Jan De Leeuw (li.) und Rolf Erdorf (re.)

Nachdem uns die Autorinnen und Autoren ausführlich über ihre Arbeit berichtet hatten, ließ es sich Eddie Guldolf (Programmleiter Theater, Tanz, Ausstellung, Film der C-Mine) nicht nehmen, uns „seine“ Mine zu zeigen.

Im Anschluss trafen wir beim geselligen Abendessen auf die flämischen (vornehmlich) Verlegerinnen und Verleger der Häuser De Eenhoorn, Lannoo, Abimo, Davidsfonds und Clavis.

Anschließend machten wir uns auf den Weg nach Amsterdam, Teil 3 meiner Bücherreise.

 

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Besuch beim Ehrengast der Buchmesse (Teil 1)

„Flandern & die Niederlande“ präsentieren sich als Ehrengast auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse (siehe Vorbericht).

Auffällig sind die vielen Kinder- und Jugendbücher, die auch dieses Jahr ins Deutsche übertragen wurden. Sie machen ein Drittel der aktuellen Neuerscheinungen – rund 80 Titel – aus. Grund genug für die Flämische und die Niederländische Stiftung für Literatur einige Pressevertreter auf Bücherreise zu schicken, um die lebendige Kinder- und Jugendbuchszene des zukünftigen Gastlandes kennenzulernen.

Ein wenig Ehrengast-Feeling in Köln

Meine Bücherreise verschlug mich zunächst nach Köln, denn manchmal geht eben auch ein Ehrengast auf Reisen. Anlässlich der 20. Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen werden zwischen 25. Mai und 12. Juni in Köln zehn niederländische und flämische Autorinnen und Autoren ihre neuesten Bücher in Kölner Schulen und Bibliotheken vorstellen. Zum Auftakt der Buchwochen wurde zudem die Ausstellung „Schau mich an“ (bis 10. Juli) im Museum für Angewandte Kunst eröffnet.

Hier fiel auch der Startschuss für unsere Bücherreise. Die Ausstellung zeigt Illustrationen der flämischen Künstlerin Ingrid Godon und Kinderporträts des Fotografen August Sander. Ergänzt werden diese durch Texte des niederländischen Autors Toon Tellegen.

Die Kuratorin Dr. Maria Linsmann-Dege (Leiterin des Troisdorfer Bilderbuchmuseum) führte uns durch die Ausstellung und erläuterte, wie es zu den jeweiligen Pärchen aus Illustration und Foto kam und dass insbesondere das Wesen der Portätierten – mehr noch als äußerliche Ähnlichkeiten – zur Zusammenstellung führte.

ehrengast-köln-1

Im Anschluss besuchten wir das Theaterstück „En morgen was het Feest“ (Morgen gibt’s ein Fest), das auf dem gleichnamigen Buch von Toon Tellegen beruht. Und obwohl das Stück auf flämisch vorgetragen wurde, hatten wir (und die anderen großen und kleinen Besucher des COMEDIA Theaters) aufgrund der großartigen Mimik der Schauspieler Bart Embrechts und Eric Vanthillo, der vorhandenen Ähnlichkeiten zur deutschen Sprache und des sich durch die Live-Zeichnungen des Illustrators Mattias De Leeuw ständig verändernden Bühnenbilds keine Schwierigkeiten der Erzählung zu folgen.

Hier ein kleine Kostprobe des Kindertheaters Anna’s Steen:

Bei einem anschließenden Abendessen trafen wir auf die Autorin Bibi Dumon Tak und ihren Kollegen Marco Kunst, die während der bereits oben erwähnten Buchwochen in zahlreichen Kölner Schulen aus ihren aktuellen Büchern lasen. Man unterhielt sich über länderspezifische Covergestaltung und Titelei und wir erfuhren zudem  wie wichtig für Literatur aus Flandern & den Niederlanden eine Übersetzung ins Deutsche ist, öffnet diese doch häufig Tor und Tür für weitere Lizenzverkäufe in andere Länder.

Am Abend fuhren wir schließlich weiter nach Genk in Flandern, Teil 2 meiner Bücherreise.

Eisvogelsommer
oder Der Versuch einer Rezension

Ich schreibe nicht besonders gerne Rezensionen, habe ich noch nie. Vielleicht liegt es daran, dass mich besondere Geschichten immer im Innersten berühren und ich sie durch eine nennen wir es mal literarische Analyse nicht ihres Zaubers berauben will. Ich habe das Tot-Interpretieren in der Schule schon nicht gemocht. Möglicherweise fehlt mir aber auch schlicht und ergreifend das Rüstzeug zum Schreiben einer „echten“ Rezension.

Wie dem auch sei, manchmal begegnen mir Bücher, die einfach besprochen werden müssen, einfach darum, weil ich ihnen zahllose weitere Leser wünsche. „Eisvogelsommer“, ein Buch des flämischen Autors Jan De Leeuw, ist so ein Buch. Es hat mich derart in seinen Bann gezogen, dass ich beim Lesen Raum und Zeit vergaß und die Nacht zum Tag machte, nur um dieses Buch zu beenden. Und das soll schon etwas heißen, schließlich ist mir meine Nachtruhe heilig.

Im Zuge meiner Vorbereitungen auf meine Reise ins Gastland der Buchmesse versuche ich, mir einen möglichst großen Überblick über die Bandbreite der flämischen und niederländischen Kinder- und Jugendliteratur zu verschaffen. „Eisvogelsommer“ war eines der Werke, das ich zumindest anlesen wollte, dessen poetischer Stil mich aber bereits nach wenigen Seiten mit einer derartigen Wucht traf, dass an ein Weglegen des Buches nicht mehr zu denken war.

Von Worten eingewickelt

eisvogelsommer2

„Eisvogelsommer“ von Jan De Leeuw, Seite 28

Die Geschichte erzählt vom Lieben, vom Leben und vom Sterben, denn der Ich-Erzähler Thomas kam bei einem Unfall ums Leben. (Dass Thomas tot ist, erfährt man leider bereits im Klappentext, was ich persönlich sehr schade finde. Man hätte den Leser darüber durchaus im Unklaren lassen können, denn eine gewisse Vorahnung ist auch ohne Erwähnung von Beginn an vorhanden.) Thomas begleitet in den Monaten nach seinem Tod die Menschen, die ihn liebten – seine Eltern, seinen Großvater, seine große Liebe Orphee. Sie halten ihn fest, können noch nicht loslassen und auch Thomas kann erst gehen, wenn die letzten offenen Fragen seines Lebens beantwortet sind. So folgt er seinen Lieben in ihre Gedanken und Erzählungen, die ihn in die nahe und ferne Vergangenheit führen.

Und so wie der Großvater Thomas in ein Netz aus Worten einwickelt, so verfing auch ich mich im Netz dieser Geschichte und sog die wunderbaren, poetischen Formulieren förmlich in mir auf. Ein Dank an dieser Stelle deshalb auch an Rolf Erdorf, der mit seiner Übersetzung aus dem Niederländischen hier wirklich Großes vollbracht hat.

Umso mehr freue ich mich, dass ich auf meiner Buchreise sowohl dem Autor als auch dem Übersetzer begegnen werde und mir mein „Eisvogelsommer“ sicherlich signieren lasse.


Bibliografie und Blick ins Buch:

Eisvogelsommer  (Original: Vijftien wilde zomers)
von Jan De Leeuw
aus dem Niederländischen übersetzt von Rolf Erdorf

Gerstenberg Verlag 2016
ISBN: 978-3-8369-5841-7

 

Bücherreise nach Flandern & die Niederlande

Flandern & die Niederlande werden in diesem Jahr gemeinsam Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse sein. Unter dem Motto Dies ist, was wir teilen präsentieren sie sich nach 1993 erneut zusammen, schließlich verbindet sie neben der gemeinsamen Sprache, dem Niederländischen, auch eine gemeinsame Geschichte, besonders in den Bereichen Kultur und Literatur.

„Grenzübergreifend“ verlaufen auch die Vorbereitungen für den großen Auftritt im Herbst mit einem flämischen Team in Antwerpen, einem niederländischen in Amsterdam und dem künstlerischen Leiter Bart Moeyaert, einem der ganz großen der europäischen Kinder- und Jugendbuchautoren. Sein Debüt veröffentlichte der in Brügge geborene Autor 1983 mit nur 19 Jahren. Sein Werk wurde in 20 Sprachen übersetzt und vielfach preisgekrönt, u.a. erhielt er 1998 auch den Deutschen Jugendliteraturpreis für sein Buch Bloße Hände.

Kein Wunder also, dass die Kinder‐ und Jugendliteratur beim diesjährigen Gastlandauftritt eine entscheidende Rolle spielt.

Kinder- und Jugendliteratur aus
Flandern & den Niederlanden

Aber was genau verbirgt sich hinter der oft als sehr lebendig beschriebenen niederländisch-sprachigen Kinder- und Jugendbuchszene? Wie ticken Autorinnen und Autoren aus Flandern & den Niederlanden so? Wie arbeiten sie und ihre Kollegen aus der Illustrationszunft? Ist es schwierig Bücher aus dem Niederländischen ins Deutsche zu übersetzen? Und was machen Verleger im zukünftigen Gastland genauso, oder eben doch ganz anders als ihre deutschen Kollegen?

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Plakat der „Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen 2016
Flandern & Die Niederlande
© Thomas Hilbig

Diesen Fragen und vermutlich noch vielen weiteren werde ich auf meiner Bücherreise nachgehen, die mich von den Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen (mit Schwerpunkt Flandern & die Niederlande) in Köln nach Genk in Belgien und Amsterdam in den Niederlanden führen wird.

Auf meinem Programm stehen beispielsweise die Sonderausstellung Schau mich an im Museum für Angewandte Kunst (MAK) mit Illustrationen der flämischen Illustratorin Ingrid Godon  und den Texten des niederländischen Kinderbuchautors Toon Tellegen oder das Theaterstück En morgen was het feest – Morgen gibt’s ein Fest im Comedia Theater in Köln.

Ich werde zahlreiche flämische und niederländische Autor*innen und Illustrator*innen in Köln, Genk und Amsterdam treffen, dem einen oder anderen sogar bei der Arbeit über die Schulter schauen. Ich werde Bart Moeyaert kennenlernen, die Kunstschule des Rijksmuseums in Amsterdam besuchen, mit Übersetzer*innen sprechen, eine Bootsfahrt machen und bestimmt auch die eine oder andere (Kinder-)Buchhandlung besuchen.

Und – last but not least – werde ich von meiner Bücherreise (Sonntag, 29. Mai bis Dienstag, 31. Mai) sofern es Netzabdeckung und WLAN zulassen so oft und so live wie möglich in die Sozialen Medien berichten.

Also haltet Augen und Ohren offen und folgt mir nach Flandern & die Niederlande:

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buecherkinder

 

#fbm16 #ehrengast #thisiswhatweshare

 

 

Grattis på födelsedagen Sven Nordqvist

Gesa Füßle (Skandinavistin und Redaktionsmitglied) hat für das Buecherkinder-Blog ein Geburtstagsinterview mit dem Petterson-Erfinder Sven Nordqvist geführt. Im Schwedischen duzt man sich, daher fragte Gesa bei Sven Nordqvist nach, wie sie die Anrede übersetzen soll. Die Antwort war eindeutig: „Du sollst du sagen.“

Deine Zeichnungen sind wie ein gemalter Film, z. B. gibt es Findus oft mehrfach auf einem Bild. Wie machst du das, wenn du so ein Bild zeichnest? Zeichnest du Findus in seiner Bewegung? Z. B. wenn er von links nach rechts springt, zeichnest du ihn dann erst auf der linken und dann auf der rechten Seite? Oder hast du das Bild so genau in deinem Kopf, dass du überall anfangen kannst zu zeichnen?

Zuerst skizziere ich immer das ganze Bild, und dann zeichne ich die Figuren rein, wo ich finde, dass sie sein sollen, und probiere aus, welche Pose sie einnehmen sollen. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, wie ich es in so einem bestimmten Fall mache. Vermutlich sehe ich beim Zeichnen, wo der nächste Findus sein soll, und wo dann der nächste … Wenn es nicht gut aussieht, verschiebe ich sie ein bisschen und probiere andere Posen aus.

Aus: Sven Nordquist "Eine Bilderreise"

Aus: Sven Nordquist „Eine Bilderreise“, erschienen im Oetinger Verlag

Ist es einfacher, deine eigenen Bücher zu illustrieren, wenn niemand dir sagt, wie das Bild aussehen muss?

Ja, ich muss nicht so viel herumüberlegen, wenn ich meine eigenen Bücher mache. Ich muss nicht so viel darüber nachdenken, ob es vielleicht irgendwie komisch wird oder nicht „ordentlich“ genug. Aber ich bekomme normalerweise auch keine genauen Beschreibungen darüber, wie es aussehen soll.

Wenn du ein neues Buch schreibst, hast du die Geschichte fertig (im Kopf oder als Manuskript), bevor du anfängst zu zeichnen? Wie muss man sich den Ablauf vorstellen?

Ich schreibe immer zuerst den Text, außer als ich „Wo ist meine Schwester?“ gemacht habe, das eigentlich ganz ohne Text sein sollte. Aber während ich über den Text nachdenke, sehe ich Bilder in meinem Kopf, und die sind es auch, die ich dann benutze, wenn ich mit dem Skizzieren anfange.

Den Handlungsverlauf sehe ich in Bildern, während ich darüber nachdenke, und dann übersetze ich diese Bilder in Text. Es gibt viele Dialoge in meinen Büchern und wenn ich schreibe, denke ich nur in Wörtern.

Mein Sohn ist sechs Jahre alt und mag besonders dein Buch „Bilderreise“ – weil die Bilder so unterschiedlich sind. Welche Art Bilder zu zeichnen/malen magst du selbst am liebsten?

Bei den meisten Illustrationen habe ich die Konturen mit Filzstift gemalt und mit Aquarellfarbe eingefärbt. Das finde ich am einfachsten, aber manchmal langweilt mich das ein bisschen, weil alles so gleich wird. Dann mag ich es, mich an Acryl zu versuchen oder mit Pinsel und Farbe zu zeichnen. Ölmalerei macht auch Spaß, aber ich habe noch kein Buch in Öl gemacht. Das ist bei Details zu schwierig und schmierig.

Was ich bei Radierungen toll finde, ist, dass es viele Möglichkeiten gibt, das Schwarz in verschiedenen Nuancen darzustellen. Aber das ist eine umständliche Prozedur und auch blöd zu drucken, finde ich.

Die Bilder in „Wo ist meine Schwester?“ sind sehr detailliert. Es hat ja sehr lang gedauert (anderthalb Jahre!), dieses Buch zu machen. Bist du ein geduldiger Mensch?

Ja, das muss ich schon sagen. Aber am meisten mag ich es, lange an einem Bild zu sitzen und ganz genau zu sein und mein Bestes zu geben.

Bekommst du Briefe von deinen LeserInnen? Wie fühlt es sich an, dass so viele Kinder deinen Namen kennen? Wie viele Fotos von Kindern im Finduskostüm hast du bisher bekommen?

Sven Nordqvist - Foto ©Alexander Lagergren

Sven Nordqvist
© Alexander Lagergren

Ich bekomme nicht viele Briefe von Einzelpersonen, vielleicht 5 bis 10 pro Jahr. Tatsächlich kommen die meisten aus Deutschland. Und es ist gut, dass es so wenig sind, weil ich nicht so gern Briefe beantworte. Aber manchmal kommt ein ganzer Packen von Schülern einer Schulklasse, die mit meinen Büchern gearbeitet haben, und die mir zeigen wollen, was sie geschrieben und gezeichnet haben. Es macht mich froh und es schmeichelt mir, wenn Kinder oder Erwachsene mir zeigen, dass sie meine Bücher mögen.

Ich habe ein paar Fotos von verkleideten Findussen bekommen, aber nicht viele. Ein paar habe ich an der Wand neben meinem Arbeitsplatz. Besonders über eins freue ich mich jedes Mal wieder, wenn ich es sehe.

Außerdem habe ich etwa genauso viele Briefe von Frauen bekommen, die finden, dass ihr Mann genau wie Petterson ist.

Wie sieht dein Weihnachtsbaum aus? Gibt es an ihm genau so viel zu sehen wie auf deinen Illustrationen?

Er ist, bilde ich mir ein, ziemlich altmodisch, mit Anhängern aus Stroh oder Papier und mit roten Glaskugeln. Kein Glitter. Elektrische Lichterkette. Nicht so viel komisches Zeug wie in Pettersons Tanne.

Findest du, dass man kreativer wird, wenn das Büro unordentlich ist? Gibt es einen bestimmen Platz, an dem du am liebsten arbeitest oder kannst du überall arbeiten? Draußen, zum Beispiel?

Ich weiß nicht, aber ich kann es mir vorstellen. Es erlaubt einem irgendwie eher, sich irgendwas Absurdes einfallen zu lassen. Ich habe fast noch nie woanders als in meinem eigenen Arbeitszimmer gearbeitet und da gibt es sehr viel Zeug. Wenn ich Pettersons Haus zeichne, kann es durchaus inspirierend sein, wenn es hier, wo ich sitze, etwa genauso aussieht.

Aus: Sven Nordquist "Eine Bilderreise"

Aus: Sven Nordqvist „Eine Bilderreise“, erschienen im Oetinger Verlag

Wenn ich gerade für ein Buch Skizzen mache, kann ich das überall tun. Oft skizziere ich im Kopf, während ich gerade draußen spazieren gehe. Aber zu Hause habe ich einen Leuchttisch und einen Computer, den ich zum Skizzieren benutze. Wenn ich dann mit Filzstift reinzeichne und das Bild anschließend mit Farbe versehe, brauche ich einen festen Tisch und alle meine Farben und Stifte und Pinsel und die sind natürlich auch zu Hause.

Danke für das Interview. Hab einen tollen Geburtstag! Noch mal herzlichen Glückwunsch!

Danke, danke!

 


nordqvist_5Eine Bilderreise

Text und Bilder von Sven Nordqvist
Übersetzung von Maike Dörries
Erschienen im Oetinger Verlag

Sven Nordqvists „Eine Bilderreise“ zeigt eine umfangreiche Werkschau zum 70. Geburtstag des beliebten Bilderbuchkünstlers sowohl mit bekannten, als auch unbekannten Zeichnungen.