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BEO – Bücher entern Ohren

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„Der Beo besitzt ein munteres Wesen.
Wegen seiner ausgesprochenen Sprachbegabung ist er nicht nur in seiner Heimat ein beliebtes Heimtier.
Allerdings sind die vom Beo erzeugten Töne laut.“[1]

Am vergangenen Mittwochabend (25. November) war es soweit:  Der Deutsche Kinder- und Jugendhörbuchpreis wurde zum dritten Mal  in Hamburg verliehen und ich durfte dabei sein …

 

Um 20 Uhr begann die Preisverleihung im Thalia Theater in Hamburg-Altona. Alles, was Rang und Namen in der Kinderhörbuchwelt hat, fand sich in der Gaußstraße ein.

Begrüßt wurden wir Gäste durch das famose Trio Manugadjo Royal, das musikalisch durch den Abend führte. Doch pünktlich ging es trotzdem nicht los – Moderatorenpaar Alicia Aumüller und Hans Löw schlummerten noch selig hinter der Bühne: „Warum schlafe ich eigentlich immer ein, wenn ich ein Hörbuch höre?“ Eine Anspielung auf das Vorurteil mit dem Hörbücher immer noch zu kämpfen haben: Die taugen doch nur zum Einschlafen! Damit war gleich zu Beginn klar: Dies würde keine „normale“ Preisverleihung werden. Keine staubige, langweilige Aneinanderreihung von zu langen drögen Reden.

beo_2015_0992_Moderatoren-Duo Hans Löw und Alicia Aumüller amüsieren sich bei der Conference

Moderatoren-Duo Hans Löw und Alicia Aumüller
Foto: © Heiko Preller

Ich sollte Recht behalten. Selten war ich auf einer so unterhaltsamen Preisverleihung! Neben der Band, begleitete uns auch der Live-Künstler Stefan Pertschi durch den Abend und illustrierte das Gehörte wahlweise auf Overhead oder großflächig auf Leinwand. Das Moderatorenpaar Aumüller und Löw kokettierte sehr sympathisch mit einigen Hörbuch-Klischees (und miteinander). Running-Gag des Abends war jedoch der Beo im Käfig auf der Bühne. Dieser kommentierte einfach alle paar Minuten: „Blödmann“.

Als Gewinner wurden ausgezeichnet:

Kategorie I: 0 bis 6 Jahre
„Kommissar Gordon. Der erste Fall“ (von Ulf Nilsson, headroom)
Sprecher: Ulrich Noethen, Udo Kroschwald & Lotta Doll

Kategorie II: 7 bis 11 Jahre
„Yark“ (von Bertrand Santini, sauerländer audio)
Sprecher: Mechthild Großmann – und ihr Dankesvideo ist der Knaller!

Kategorie III: ab 12 Jahre
„Jetzt spricht Dylan Mint und Mr Dog hält die Klappe“ (von Brian Conaghans, Oetinger Audio)
Sprecher: Martin Baltscheit

Gewinner der Kinderjury 2015
„Bärenschwur“ (von Ryan Gebhart, Silberfisch)
Sprecher: Sebastian Rudolph

Gewinner Bestes Sound Design
Henning Schmitz, Martin Zylka und Gerrit Booms für ihre akustische Inszenierung von „Die Schule der Weihnachtsmänner“ (von Karlheinz Koingg, der Hörverlag)

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Abschlussbild mit Projektleiterin, Preisträgern, Jurymitgliedern und Moderatoren
Foto: © Heiko Preller

Besonders beeindruckt hat mich im Nachhinein (neben der famosen Inszenierung dieses Abends) die Arbeit der Lehrerinnen der Kronach-Schule in Berlin-Lichterfelde. Ihre vierte Klasse fungierte als Kinder-Jury und setzte sich über einen langen Zeitraum intensiv mit den nominierten Hörbüchern auseinander. Die beiden sympathischen Lehrerinnen haben sich wirklich ins Zeug gelegt: Es wurde gelesen, gehört, Theaterstücke aufgeführt, gemalt, einander erzählt, abgestimmt und und und… Der begleitende Video-Clip sah nach unglaublich viel Spaß aus – eine großartige Leistung! Die meiner Meinung noch viel mehr gewürdigt werden sollte.

Vielen Dank, liebe Steffi, dass ich dabei sein durfte. Wenn du im nächsten Jahr nicht kannst: Auf mich kannst du zählen!

Laura Sonnefeld, Hamburg


Zum Preis

Der Deutsche Kinderhörbuchpreis BEO unter der Schirmherrschaft von Felicitas von Lovenberg ist eine Initiative von Kinder hören e.V. und wird durch den Arbeitskreis Hörbuch des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels organi­satorisch unterstützt. Er wurde 2015 zum dritten Mal vergeben.

Die Preisträger erhalten je 5.000 Euro, der Sonderpreis und der Preis der Kinderjury sind mit je 3.000 Euro dotiert.

Der Fachjury des BEO 2015 gehörten an: Christian Bärmann (Journalist, BÜCHER, Hannover), Volker Bernius (hr2-Bildung und Kultur/Stiftung Zuhören, Frankfurt a.M.), Georg Cadeggianini (Journalist/Autor, München), Ines Dettmann (Junges Literaturhaus, Köln), Heide Germann (Rezensentin, Darm­stadt), Christine Knödler (Journalistin, ELTERN family, München), Lothar Sand (Börsenverein, Frankfurt a.M.), Ilona Schulz (Schauspielerin/Sprecherin, Berlin) und Barbara Stoll (Buchhändlerin, LüneBuch in Lüneburg).

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Beo

Titelfoto: Miriam Gabriela Möllers 

Deutsch-englische Lesung mit Julie Kagawa

Am 28. Oktober fand in Berlin die Buchpräsentation zu „Talon“ von Julie Kagawa statt. Redaktionsmitglied Lena Hansen war vor Ort und lauschte der deutsch-englischen Lesung.

Am Rosenthaler Platz purzelte ich aus der U-Bahn und machte mich auf die Suche nach „Mein Haus am See“, dem Veranstaltungsort der deutsch-englischen Lesung der amerikanischen Bestsellerautorin Julie Kagawa, die die „Plötzlich Fee“-, „Plötzlich Prinz“- und „Unsterblich“-Reihe geschrieben hat. Nach dem ich den Eingang endlich gefunden hatte, wurde ich durch eine mysteriöse Tür ins Untergeschoss geschickt. Unten angekommen suchte ich mir noch schnell ein Plätzchen zwischen den anderen Zuschauern bzw. Zuhörern und der Abend konnte beginnen.

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Durch den Abend geführt wurden wir von Theresa Feldhaus, die Julie Kagawa interessante Fragen stellte und ihre Antworten für das Publikum auch noch übersetzte. Wir erfuhren, dass Julie Kagawa gerne Computerspiele spielt und sich beispielsweise von den Settings in den Spielen für ihre Bücher inspirieren lässt. Auf die Frage, ob sie auch mal etwas weniger phantastisches geschrieben habe oder schreiben möge, meinte sie, dass sie es durchaus schon versucht hätte, aber letztendlich seien doch immer Vampire oder Feen in der Geschichte aufgetaucht, weshalb sie dann doch lieber Fantasy-Geschichten schreibt.

Anschließend hat sie ein paar Fragen zu ihrem Buch „Talon“ beantwortet und was ihre Überlegungen dazu gewesen sind. Julie Kagawa meinte, sie hätte sich Gedanken gemacht, was Drachen, wohl in unserer heutigen Welt machen würde und wie es ihnen ergehen würde. Daraus ist dann „Talon“ entstanden.

Danach hat Dennis Abrahams, eine Passage aus „Talon“ auf Deutsch vorgelesen. Da habe ich echt Gänsehaut bekomme, bei seiner tollen Stimme und der spannenden Art, wie er es vorgelesen hat.

Im Anschluss daran hat Julie Kagawa eine andere Stelle auf Englisch vorgelesen, was mich auch total begeistert hat.

julie-talonAbschließend durfte das Publikum noch Fragen an die Autorin stellen und es wurde eine kleine Drachenfigur, die die Protagonistin aus „Talon“ darstellte, verlost. Julie Kagawa macht diese kleinen Figuren selbst und arbeitet bis zu 5 Stunden daran. Sie hat sogar einen eigenen Etsy-Shop, wo sie die Figuren verkauft.

Die Lesung hat mir super gut gefallen und die Autorin war mir total sympathisch! Die Mischung aus Deutsch und Englisch an diesem Abend fand ich total interessant, da dies meine erste zweisprachige Lesung war.

Ich muss gestehen, ich habe vorher noch gar keins ihrer Bücher gelesen, aber nach der Lesung habe ich sofort mir ihrem neuen Buch „Talon“ angefangen und ich bin begeistert! Absolut empfehlenswert!

Ruben auf der Frankfurter Buchmesse 2015

Ich war am Freitag mit meiner Mama auf der Buchmesse in Frankfurt. Es war sehr toll. Ich habe für den Tag extra von der Schule frei bekommen. Natürlich musste ich auch der Klasse hinterher berichten. Außerdem habe ich für jeden meiner Mitschüler ein Lesezeichen mitgebracht.

Wir haben uns von vorneherein nur eine Messehalle vorgenommen. Die Halle 3, denn da waren die Verlage mit den Kinder-und Jugendbüchern. Und die interessieren mich ja am meisten. Das gesamte Messegelände ist riesig. Wir haben am Ende nicht mal die ganze Halle 3 gesehen! Und es waren sehr viele Messebesucher da.

Aber wir haben uns auch vorgenommen einige Autoren zu sehen.

Zuerst waren wir beim Interview von Herrn Paul Maar. Er ist der Autor der „Sams“- Bücher. Das war wirklich sehr interessant. Er sagte, er wollte zuerst nur ein Sams-Buch schreiben. Aber nun sind es doch mehr geworden. Außerdem hat er auch andere Bücher geschrieben. Er hat natürlich auch von seinem neuesten Sams-Buch erzählt. Hinterher habe ich ein Autogramm von ihm bekommen. Er hat sogar das Sams für mich gemalt.

Autogramm Paul Maar mit Sams

Als nächstes haben wir Herrn Torben Kuhlmann getroffen. Er hat das Bilderbuch „Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“ geschrieben und gemalt. Außerdem ist sein Buch für den Kinderbuchpreis nominiert.

Dann waren wir noch bei der Autorenlesung von Sabine Ludwig. Sie hat aus ihrem neuesten Buch vorgelesen: „Klassentreffen bei Miss Braitwhistle“. Das ist ein echt witziges Buch. Das hat mir meine Mama auch gekauft und Frau Ludwig konnte es mir gleich signieren. Man konnte aber nur Bücher kaufen, die gerade vom Autor vorgestellt wurden.

Gleich hinterher hat Frau Nina Weger ihr Buch, „Trick 347 oder der mutigste Junge der Welt“ vorgestellt und auch daraus vorgelesen. Das hat mir genauso gut gefallen. Frau Weger war mit drei Kindern aus dem Kinderzirkus, den sie sogar selbst leitet, da. Hinterher hat sie Fragen der Zuhörer beantwortet. Sie sagte, dass sie ihre Bücher immer vormittags schreibt, wenn ihre eigenen Kinder in der Schule sind. Da hat sie am besten Zeit dazu.

Am Abend waren wir bei der Preisverleihung der Kinder-und Jugendliteratur. So was kenne ich sonst nur vom Fernsehen. Jetzt war ich einmal live dabei. Leider kannte ich keines der Bücher, die den Preis bekamen.

Der Tag war anstrengend, aber es hat richtig Spaß gemacht. Ich habe viele, viele neue Bücher gesehen – und einige auch für meinen Weihnachtswunschzettel!

Viele Grüße, Euer Ruben Beirle (10) :: Mitglied der Buecherkinder-Redaktion

Interview mit der Autorin Irmgard Kramer

Mit „Am Ende der Welt traf ich Noah“ hat Irmgard Kramer ein packendes Jugendbuch voller überraschender Wendungen und einer großen ersten Liebe geschrieben. Ich hatte die Möglichkeit, die Autorin zu interviewen und sie über das Schreiben, ihre Einstellung zu Buchverfilmungen und Schullektüren und vielem mehr auszufragen.

„Am Ende der Welt traf ich Noah“ ist Ihr zweites Jugendbuch. Was ist für Sie das Besondere daran, Bücher für Kinder und Jugendliche zu schreiben?

9783785581278Meine Kinderzeit erschien mir endlos. Ich durfte mich sorglos durch Tag und Nacht träumen, während meine Mutter wie ein Schneepflug alle unschönen Seiten des Lebens beiseite räumte, ohne dass ich es merkte. Sie ließ mich verweilen auf Honigmonden und Himbeerwolken.

In meiner Jugend brach dann die Realität über mir herein wie die Flut eines geborstenen Staudamms. Ich sah, wie es in der Welt rund um mich herum bestellt war und wehrte mich gegen alles. Meine Eltern verstanden nicht, wie aus einem verträumten braven Kind ein aufsässiger, schwieriger Teenager wurde.

Sowohl meine Kindheit als auch meine Jugend haben sich tief in meine Erinnerung eingeprägt – das eine war besonders schön, das andere aufregend, intensiv und voller Umbrüche. Die 25 Jahre, die danach kamen, fühlen sich wie ein Einheitsbrei an und unterscheiden sich nur durch einzelne besondere Ereignisse.

Vielleicht schreibe ich deshalb für Kinder und Jugendliche; weil ich mich nach einer sorglosen und nach einer intensiv bewegten Zeit sehne, in der alles möglich scheint.

Vielleicht schreibe ich aber auch einfach nur die Geschichten, die sich mir aufdrängen und denke nicht darüber nach, wer das Zielpublikum sein wird. Wahrscheinlich ist das die bessere Antwort.

Lesen Sie selbst gerne Jugendbücher?

Ich lese Bilderbücher, Kinderbücher, Jugendbücher, Sachbücher, Belletristik und Klassiker. Eigentlich alles, wovon ich mir Neues oder Gutgemachtes erhoffe. Ein Buch muss mich unterhalten oder eine schöne Sprache liefern, es muss mich zum Nachdenken anregen oder mir neue Erkenntnis bringen. Hin und wieder passiert es, dass ein Buch all diese Kriterien erfüllt, wie „Der Distelfink“ von Donna Tartt oder „Butcher`s Crossing“ von John Williams. Solche Bücher lese ich dann immer wieder und kann nicht genug davon kriegen.

Wenn ein Buch nichts von diesen Kriterien erfüllt, lege ich es nach der Hälfte frustriert zur Seite. Früher habe ich viel mehr Jugendbücher gelesen. In den letzten Jahren bin ich oft enttäuscht worden – vielleicht trügt mich mein Eindruck, aber so viele Jugendbücher sind nach dem gleichen Muster gestrickt und langweilen mich ohne Ende. Vielleicht bin ich aber auch nur erwachsen geworden und gehöre definitiv nicht mehr zur Zielgruppe.

Haben Sie einen bestimmten Ort und eine bestimmte Tageszeit an der Sie besonders gerne schreiben?

Ich habe ein Arbeitszimmer. Ich stehe auf, setze mich an meinen Computer und schreibe. An Vormittagen bin ich produktiver als an Nachmittagen. Hin und wieder kippe ich abends in einen Schreibrausch, aus dem ich erst wieder um Mitternacht mit steifem Genick aufwache. Im Zug schreibe ich auch gern. Wenn die Landschaft vorbeizieht, bewegt sich auch was im Kopf.

Noah ist für mich ein Roman, der sowohl von Jugendlichen als auch von Erwachsenen gelesen werden kann. Planen Sie auch einen Roman zu schreiben, der sich speziell an Erwachsene richtet?

Ich habe schon etliches für Erwachsene geschrieben. Regelmäßig erscheinen Texte von mir in Magazinen. Romane sind noch nicht veröffentlicht und werden es vielleicht auch nie. Der Markt ist groß. Ich lasse das auf mich zukommen. Ein Projekt habe ich tatsächlich im Kopf. Mal sehen, was sich als nächstes aufdrängt. Im Moment habe ich noch ein paar Kinderprojekte zu erfüllen, von denen es Verträge gibt.

Sie haben bereits 2004 angefangen „Am Ende der Welt traf ich Noah“ zu schreiben.Welches Gefühl war es Ihr jahrelang gehütetes Buch zu veröffentlichen, waren Sie gespannt auf die ersten Leserreaktionen?

So wirklich lange hüten konnte ich das Manuskript nicht, dafür war ich viel zu stolz und aufgeregt, dass ich es bis ans Ende geschafft habe. Bereits 2005 habe ich dreißig Exemplare selbst ausgedruckt, notdürftig zusammengebunden und Freunden zu lesen gegeben. Für diese erste Fassung schäme ich mich heute zwar, aber meine Freunde waren großartig und haben mich bestärkt, weiter zu machen und nicht aufzugeben.

Der Roman steckt voller Überraschungen und Wendungen. Hatten Sie die Geschichte von Anfang an durchgeplant oder hat sie sich im Laufe der Zeit entwickelt und Sie vielleicht sogar einmal selbst überrascht?

Von diesem Roman gibt es so viele Fassungen, dass ich sie nicht mehr zählen kann. Jetzt bin ich selbst überrascht, wie die Geschichte schlussendlich auf dem Papier gelandet ist. Von der ursprünglichen Fassung ist sie zwar weit entfernt, aber die Grundstimmung, die sich durch den Roman zieht, und ein gewisses Gefühl, das mich dabei begleitet hat, sind gleich geblieben.

Sie haben die Villa Maund, die als Vorlage für die Villa Morris diente, besucht. Hatten sie die Möglichkeit, eine Nacht dort zu verbringen?

In ersten Fassungen hatte ich eine fiktive Villa im Kopf. Eines Tages begegnete ich meinem Hirngespinst in der Realität und wusste: Hier muss die Geschichte spielen. Ich besuchte mehrere Führungen in der Villa Maund und baute viele Details in den Roman ein (das Schild im Hauseingang, auf dem 1891 steht, befindet sich übrigens links und nichts rechts – wie ich auf Seite 17 fälschlich geschrieben habe – das fiel mir erst auf, als ich das Buch in der Villa präsentierte). Übernachtet habe ich dort nicht. Ich glaube, das ist nur in Ausnahmefällen möglich. Die Villa wird ausschließlich für gewisse Veranstaltungen im Sommer geöffnet.

Die Villa Morris liegt sehr abgelegen und ist der perfekte Ort zum Nachdenken und um seine Alltagssorgen zu vergessen. Haben sie auch einen solchen Rückzugsort?

Der Wald ist für mich ein Rückzugsort. Zwischen Baumstämmen unter einem Dach aus Nadeln und Blättern, betäubt von dem Geruch nach Harz und Rinde, wird alles wieder ins rechte Licht gerückt und ich lande wieder dort, wo ich hingehöre: auf dem Boden.

Wären Sie in Marlenes Situation, hätten sie den roten Koffer genommen und die Chance genutzt, aus dem Alltag auszubrechen oder erleben Sie ihre Abenteuer lieber zwischen zwei Buchdeckeln?

Ich bin sehr neugierig. Dieses Wort trifft seine Bedeutung perfekt: Ich bin gierig auf Neues. Um diese Gier zu befriedigen, bin ich bereit, unbekannte Wege zu gehen. Ich glaube, ich hätte den roten Koffer genommen.

Marlene scheint in dem Moment, als sie den Koffer entdeckt, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Glauben Sie an Schicksal oder Vorsehung?

Oh, viel mehr als an Schicksal glaube ich an Eigenverantwortung, an den eigenen Willen und an Hartnäckigkeit. Wenn ich darauf warten würde, was das Schicksal als nächstes mit mir vorhat, kann ich meine Hände in den Schoß legen und brauche nichts zu tun. Aber erreiche ich dann, was ich will?

Ich habe zehn Jahre lang versucht, einen Verlag zu finden. Das „Schicksal“ brachte mich zu einem Seminar in Wolfenbüttel, das hieß „Wie bewerbe ich mich bei einer Agentur“. Dieses Seminar fand im perfekten Moment statt – nur wenige Wochen zuvor hat die Agentur Kinder- und Jugendbücher in ihr Programm aufgenommen und eine neue Agentin eingestellt, die noch Kapazitäten frei hatte. Sie hat mir schlussendlich alle Türen geöffnet. War das Schicksal? Einerseits ja. Eine riesige Portion Glück war dabei. Andererseits war die Chance, bei all meinen Versuchen, irgendwann die richtige Person zu treffen, relativ hoch. Ich war hartnäckig und ich habe ausdauernd an meinen Texten gearbeitet, dafür hat mich das Schicksal belohnt.

Die Personen auf die Marlene in der Villa trifft sind alle sehr eigen und skurril. Nehmen sie sich beim Schreiben reale Menschen als Vorbilder für die Charaktere in ihren Büchern?

In diesem Buch gibt es keine realen Menschen als Vorbilder. Das liegt vielleicht daran, dass diese Figuren eine symbolische Bedeutung haben und etwas Bestimmtes verkörpern. In anderen Geschichten nehme ich sehr wohl gewisse Eigenschaften realer Menschen als Vorbilder oder habe Bilder von jemandem im Kopf.

Sie beschreiben ihre Geschichte sehr detailliert und bildhaft, sodass man das Gefühl hat, die Villa und ihre Umgebung wirklich sehen zu können. Wie ständen Sie einer Verfilmung ihres Romans gegenüber?

Über eine Verfilmung würde ich mich im ersten Moment so freuen, dass ich Luftsprünge machen und Bäume umarmen müsste. Im zweiten Moment hätte ich schreckliche Angst und wäre voller Skepsis. Leider sind Buchverfilmungen meistens nur sehr schlechte Kopien des Originals und ich kenne einige Autorinnen, die furchtbar enttäuscht wurden von den Verfilmungen ihre Bücher. Aber wenn der Film gut gemacht wäre … tja, ich glaube, da hätte ich nichts dagegen.

Finden Sie, dass Buchverfilmungen die Fantasie und Vorstellungskraft der Leser einschränken?

Vielleicht kommt’s auf die Reihenfolge an. Wenn ich ein Buch oft genug gelesen habe, brennt sich mir ein Bild in den Kopf. Dann kann ich den Film als unabhängiges Werk sehen und zwischen den beiden Bildern (meinen eigenen und den gefilmten) hin und herschalten. Aber manchmal sind die Filmbilder so aufdringlich, dass sie die eigenen Bilder mit der Zeit übermalen. Meine eigene Harry-Potter-Welt habe ich beispielsweise nach den vielen Verfilmungen vergessen. Die kommt nie wieder zurück und das finde ich schade. Fantasie ist mehrdimensional und gehört mir, Filme nicht (da nützt auch kein 3-D).

Könnten Sie sich den Roman als Schullektüre vorstellen oder finden Sie, dass das genaue Analysieren und Interpretieren im Unterricht den Zauber eines Buches zerstört?

Über meine Finanzen bräuchte ich mir dann wohl keine Sorgen mehr zu machen. (Ich habe mal eine Zahl gehört, was ein Autor verdient, dessen Buch „Sternchenthema“ im Abitur ist). Abgesehen davon sträubt sich alles in mir, wenn ich mir vorstelle, dass Schüler mein Buch lesen müssten. Viele würden es hassen und sich quälen. Andere würden sich zehn Minuten vor Unterrichtsbeginn eine Zusammenfassung aus dem Internet laden oder sich was zusammen reimen. Sie haben das passend geschrieben – Ich glaube, es würde den Zauber zerstören.

Vielen Dank für das Interview.

Herzlichen Dank für die schönen Fragen.

Tessa Scholler ist 18 Jahre alt und seit April 2012 Mitglied der Kinder- und Jugendredaktion. In dieser Zeit hat sie über 40 Jugendbücher und weitere Hörbücher für Buecherkinder.de bewertet.

Foto: Darko Todorovic

Ein Bücherkind auf der Frankfurter Buchmesse

Am 15.10.2015 um 21 Uhr:

Morgen gehe ich endlich zur Buchmesse, denn schon im Juli haben wir es geplant. Bestimmt gibt es Hunderte von Ständen mit ganz vielen spannenden Büchern, die ich noch nicht kenne und mir gefallen werden. Ich glaube, dass auch noch ganz viele andere Kinder in meinem Alter da sind, doch meine Mutter ist da anderer Meinung. Ich habe auf jeden Fall eine Schulbefreiung, obwohl es gar nicht so einfach war, diese zu bekommen, denn zum Schluss wollten zwei Lehrer ausgerechnet am 16.10. (also morgen) die erste Klassenarbeit schreiben lassen. Schließlich haben wir es jedoch geschafft, die Arbeiten zu verlegen. So fahre ich morgen um 8 Uhr nicht zur Schule, sondern mit dem Zug nach Frankfurt: wie toll!

Auf zwei Sachen freue ich mich besonders:

  1. Ich lerne einen Autor und einen Illustrator kennen (Bertram und Schulmeyer) und kann ihnen wahrscheinlich einige Fragen stellen.
  2. Ich gehe zur Verleihung des Jugendliteraturpreises (vielleicht wird es langweilig sein, wenn alle sehr viel reden, aber ich möchte unbedingt einmal dabei sein und sehen, wie es abläuft).

matteo1Morgen kann ich berichten, wie es gewesen ist. Meinen Rucksack habe ich schon gepackt (hier ist das Foto, die Spritze ist nur ein Kuli), jetzt muss ich nur noch schlafen …

Am 16.10.2015 um 9.30 Uhr:

Ich sitze jetzt in einem Zugabteil mit sechs Plätzen. Alle Leute hier gehen auch zur Buchmesse. Ich hätte nie gedacht, dass so viele Leute aus anderen Städten zur Buchmesse gehen. Bald kommen wir endlich an!

Am 17.10.2015 um 11 Uhr:

Jetzt bin ich leider wieder zu Hause, aber es war toll! Es war überraschend für mich, dass so viele Kinderbuchverlage in Deutschland existieren und so viele Leute mit Kinderbüchern arbeiten: Es gab wirklich viele verschiedene Stände mit Tischen, Stühlen, Buchregalen, Bonbons, Keksen, Postkarten und Taschen.

matteo8Mein Lieblingsstand war der von der Oetinger-Verlagsgruppe, weil ich dort am meisten Bücher gesehen habe, die mir gefallen. Am meisten habe ich mich jedoch gefreut, als mich beim Carlsen-Stand ein Mann angesprochen hat. Er zeigte mir ein Buch und fragte mich, ob mir das Coverbild gefallen würde. Es stellte sich heraus, dass dieser Mann der Autor Frank Schmeißer war, und ich wollte später ausgerechnet zur Lesung seines neuen Buches „Die Legende von Drachenhöhe“ gehen!

Höhepunkt des Tages war, als wir am Eselsohr-Stand Rüdiger Bertram und Heribert Schulmeyer (den Autor und den Illustrator von Coolman und S.W.A.P.) trafen.

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Matteo und seine Mama treffen auf Rüdiger Bertram (1. v.r.) und Heribert Schulmeyer (2. v.r.)

matteo7Sie waren sehr freundlich und witzig und haben mir ein Buch mitgebracht und auch signiert.

Es hat mich gewundert, wie schnell der Illustrator Heribert Schulmeyer die Köpfe von Tim und Bob (S.W.A.P.) zeichnen konnte!

Auch die Preisverleihung hat sich als sehr spannend herausgestellt.

Es waren sehr viele Leute da (ca. 1.500) und die Jugendjury hat die nominierten Bücher als kurzes Theaterstück vorgestellt.

Um ca. 22 Uhr war ich wieder zu Hause. Es hat sich wirklich gelohnt, dahinzufahren, ich werde die Messe nächstes Jahr bestimmt wieder besuchen.

Matteo Schmidt  ist 11 Jahre alt und seit November 2013 Mitglied der Kinder- und Jugendredaktion. In dieser Zeit hat er für Buecherkinder.de über 40 Bücher gelesen und bewertet.