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Im Wohnzimmer mit Katrin Zipse

Vergangenen Freitag wurde bereits zum 28. Mal das heimische Wohnzimmer leer geräumt. Lampen mussten weichen, Stühle wurden gestellt und der rote Ohrensessel ins rechte Licht gerückt. Unverkennbar es war wieder Wohnzimmerlesungszeit.

Gut zwanzig Gäste und die hiesige Presse warteten gespannt auf Katrin Zipse, die mit ihrem neuesten Werk „Die Quersumme von Liebe“ die Reise von Baden-Baden ins Ohligser Wohnzimmer angetreten hatte.

Nachdem die Autorin im letzten Jahre für ihr Erstlingswerk „Glücksdrachenzeit“ den mit 10.000 Euro dotierten Thaddäus-Troll-Preis des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg erhalten hatte, war ich sehr gespannt, wie ihr neuer Roman, der aufgrund verschiedener Erzähler und Erzählebenen für Lesungen durchaus anspruchsvoll ist, bei den Lesungsgästen ankommen würde.

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Handys erlaubt 🙂
Zumindest für Twitter, FB und Instagram

Katrin Zipse löste dieses Problem mit Bravour. Sie entschied sich, nur einen Erzählstrang (nämlich den der weiblichen Protagonistin Luzie) vorzulesen und Sprünge in die Vergangenheit, die im Buch kursiv gedruckt sind, kurz anzukündigen. So konnte das Publikum der spannenden Geschichte problemlos folgen.

Nach gut einer Stunde Lesungszeit und fast auf die Sekunde genau mit den 9-Uhr-Schlägen der beiden Uhren beendete die Autorin die Lesung, natürlich nicht ohne die Zuhörer mit mächtig vielen Fragen, wie die Geschichte von Luzie denn nun weiter gehen würde, zurückzulassen. Aber wer wollte, konnte das Buch natürlich erwerben und Katrin Zipse nahm sich viel Zeit zum Signieren und Fragenbeantworten.

Und das schrieb das Solinger Tageblatt über die Lesung:

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Book-Dating: 5 Minuten für dein Lieblingsbuch

Auch wenn das Speed-Dating seinen Ursprung in der Beziehungsanbahnung hat, erfreut sich die schnelle Art des Kennenlernens mittlerweile in vielen weiteren Bereichen großer Beliebtheit.

Unter dem Motto „Buchfans lernen sich kennen!“ laden die Stadtbüchereien Düsseldorf im September und Oktober zum Book-Dating an. Im Mittelpunkt stehen bei dieser Art des Speed-Datings allerdings die mitgebrachten Lieblingsbücher, die man seinem Gegenüber schmackhaft machen will. Dafür hat man fünf Minuten Zeit ehe der Gong ertönt und man einen Sitzplatz weiter rutschen muss. Innerhalb kürzester Zeit erhält man auf diese Weise jede Menge Buchtipps aus erster Hand.

Wie das Ganze ablaufen könnte, zeigt dieses Video im YouTube-Kanal der Stadtbüchereien Düsseldorf:

Lust bekommen? Dann gibt es hier eine Übersicht, wann und in welcher Düsseldorfer Bibliothek die Book-Datings stattfinden. Anmeldung per Mail oder Telefon ist bis zwei Tage vor der Veranstaltung erwünscht.

Mittwoch, 16. September um 20 Uhr
Zentralbibliothek, Bertha-von-Suttner-Platz 1
Telefon 0211.8994027

Mittwoch, 30. September um 19 Uhr
Stadtteilbibliothek Bilk, Friedrichstraße 127
Telefon 0211.899290

Freitag, 16. Oktober um 19:30 Uhr
Stadtteilbücherei Gerresheim, Heyestraße 4
In Kooperation mit der KÖB St. Ursula
Telefon 0211.8924126

Donnerstag, 22. Oktober um 19:30 Uhr
Katholische Öffentliche Bibltiothek St. Ursula, Margaretenstraße 3
In Kooperation mit der Stadtbücherei Gerresheim
Telefon 0211.2926302

Weitere Informationen gibt es auch in der Facebookgruppe bookdatingddorf und bei der Zentralbibliothek
Bertha-von-Suttner-Platz 1
40200 Düsseldorf

Telefon 0211.8994027
Email: annette.krohn@duesseldorf.de

Twitteraccount der Stadtbüchereien Düsseldorf
Facebookseite der Stadtbüchereien Düsseldorf

Foto: Stadtbüchereien Düsseldorf

Interview mit Antonia Michaelis

„Zwei Fragen. Erstens: Ist es sinnvoll, weiterzuleben? Und Zweitens: Ist es sinnvoll, allein Geburtstag zu feiern?“ – Mit diesen Sätzen beginnt der Roman „Niemand liebt November“ meiner Lieblingsautorin Antonia Michaelis. Etwas mehr als diese zwei Fragen hatte ich dann aber doch an sie als ich die Möglichkeit bekam, ein Interview mit ihr zu führen.

Warum aber Antonia Michaelis? Nun ja, ich bin sozusagen mit ihren Büchern aufgewachsen und habe sie seitdem nie aus der Hand gelegt. Begonnen bei wilden und freien Geschichten der Kinder von Ammerlo, über eine Reise zum „Zwölften Kontinent“ und endend im dunklen Hinterzimmer des „Botelled“ aus „Niemand liebt November“ waren sie quasi immer dabei. Dieser ganz besondere Stil, die mitschwingende Ironie trotz der Dunkelheit und Tiefe und die verschwommene Grenze zwischen Realität und Fiktion haben mich zweifellos zum Fan gemacht.

Ziemlich aufgeregt tippte ich also alle Fragen, die sich über die Jahre so angesammelt hatten, in das offene Mailfenster und schickte sie noch immer so aufgeregt ab. – Klang das vielleicht zu steif? Oder hätte ich die letzte Frage nicht lieber weggelassen? Ist das zu persönlich? Oder doch langweilig? – Nun war es jedoch zu spät und mir blieb nichts anderes übrig als zu warten. Als schließlich die langersehnten Antworten kamen wechselten sich ein Schmunzeln und eifrig zustimmendes Nicken ab.

Nach all den vielen Seiten hatte ich die Chance bekommen, selbst einige Worte an die Autorin zu senden und vor allem einige mehr zurückzubekommen. Und das waren sie:

War der Plan Autorin zu werden immer da und ein Ziel auf welches Sie hinarbeiteten oder eher ein glücklicher Zufall?
Den Plan hatte ich schon mit fünf. Fünfzehn Jahre harte Arbeit halfen allerdings nicht, das Ziel zu erreichen, dafür war dann ein glücklicher Zufall nötig, und jemand zog einen Text von mir aus einem Stapel unverlangt eingesandter Manuskripte.

Was ist Ihre Intention beim Schreiben?
Was für ein kompliziertes Wort, Intention! Mit dem Buch fertig werden und überleben? Bei drei kleinen Kindern zu Hause ist das gar nicht so selbstverständlich.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Romane?
Eine unter allen Autoren gefürchtete Frage, ähnlich wie die nach der Unendlichkeit des Universums. Wir wissen es nicht!

Ähneln die Personen in Ihren Roman Bekannten oder gar Ihnen selbst oder sind sie frei erfunden?
Es gibt so viele Personen! Da kommen beide Sorten vor. Ich glaube aber, dass man nichts auf der Welt „frei erfinden“ kann. Alles hat man irgendwo her, hat man irgendwo schon mal gesehen, gehört, erlebt, auch wenn man es selbst vielleicht später vergisst. Also gilt das auch für die Personen.

Signieren im Paradies

Antonia Michaelis beim Signieren
© für dieses Foto und Titelbild:
Ralph Brugger

An welchem Punkt erkennen Sie, ob eine Geschichte Potenzial hat oder verworfen wird?
Ungefähr zehn Jahre nach Erscheinen des Buches. Wenn es dann noch bestellbar ist, war es möglicherweise okay.

Bevorzugen Sie es für Kinder oder für Erwachsenen zu schreiben?
Nur eines zu tun, wäre langweilig. Es ist schön, dass ich beides abwechselnd tun darf.

Gibt es ein Buch oder einen Autor, der sie besonders inspiriert?
Sehr viele. Im Kinderbuch bin ich, auch wenn das langweilig ist, weil jeder es sagt, immer noch Lindgren-Fan.

Was ist für Sie das Wichtigste an einem guten Buch?
Dass es sich selbst nicht allzu ernst nimmt, selbst wenn es ein tragisches Buch ist. Und dass es eine Sprache hat, die ich gerne lese. Das ist natürlich Geschmackssache. Aber allgemein achten Kinderbuchautoren mehr auf den Sprachklang, glaube ich. Viele deutsche „Erwachsenenbücher“ finde ich extrem holprig, weshalb ich lieber Englisch lese.

Sie sind viel gereist und haben verschiedenste Kulturen kennen gelernt, wie haben diese Erfahrungen Ihren Stil beeinflusst?
Das kann man wahrscheinlich nur als Außenstehender sagen, ich selbst weiß es nicht. „Tigermond“ hält sich natürlich sehr an die britisch-indische Erzähltradition von Kippling (der mit dem Dschungelbuch und „Kim“), ansonsten haben die Reisen eher Einfluss auf den Inhalt der Bücher als auf den Stil.

Die Cover Ihrer Bücher sind sehr unterschiedlich doch meist sehr treffend und kreativ gestaltet, haben Sie Einfluss auf die Auswahl dieser?
Nein. Es gibt ja oft auch mehrere Cover zu verschiedenen Ausgaben des gleichen Buches. Manche finde ich gut, manche finde ich absolut furchtbar.

Wie lange brauchen Sie durchschnittlich um einen Roman zu schreiben?
Einen Monat bis ein halbes Jahr.

Hat das Schreiben in Ihrem Leben höchste Priorität oder sehen sie es mehr als Job an?
Ersteres. Es ist ein Hobby, für das mich erstaunlicherweise manche Menschen bezahlen. Das ist nett von denen.

Was tun Sie wenn Sie weder schreiben noch lesen am liebsten?
Schlafen. Leider komme ich selten dazu.

Haben Sie sich noch ein bestimmtes Ziel für Ihre Karriere und die nächsten Jahre gesetzt?
Ich plane, durchschnittlich alle zwölf Monate ein Jahr älter zu werden. Das reicht als Ziel, finde ich
.

Gibt es etwas, dass Sie jungen Lesern, Schreibern oder generell Jugendlichen gern vermitteln würden?
Bisweilen ja. Aber das sage ich nicht in einem Satz, weil ich Zeigefingerermahnungen doof finde. Ich schreibe dann immer ein ganzes Buch, und man darf rätseln, was ich wohl damit sagen wollte. Hihi.

Vielen Dank für das Interview

Einige Titel von Antonia Michaelis wurden über die Jahre auf Buecherkinder.de gelesen und rezensiert. Eine Übersicht gibt es hier.

 

 

 

Sei dabei: #bloggerfuerfluechtlinge

Ich bin ein von Grund auf fröhlicher und optimistischer Mensch. Meine Gläser sind immer halb voll und Veränderungen sehe ich immer auch als Herausforderungen.

Doch angesichts brennender Flüchtlingsheime, schweigender Politiker und konfuser Flüchtlingshilfe geriet auch mein Optimismus ins Wanken. Daher erschien die Intitiative #bloggerfuerfluechtlinge, die von Paul Huizing, Nico Lumma, Stevan Paul und Karla Paul ins Leben gerufen wurde, wie ein Wink des Schicksals.

Was also eigentlich als Aktion in Berlin startete (Den ursprünglichen Hintergrund der Initiative muss ich hier nicht weiter erläutern, den könnt ihr in den verlinkten Beiträgen nachlesen.), nimmt dank guter Vernetzung der vier Blogger nur wenige Tage später Fahrt in ganz Deutschland auf.

BFF_1508_ButtonOrange3Egal worüber du bloggst oder ob du überhaupt bloggst, jeder kann im Netz mit dem Hashtag #bloggerfuerfluechtlinge eine klare Position gegen Fremdenfeindlichkeit beziehen.

Gleichzeitig können Blogger jeder Couleur auf ihre Blogbeiträge zum Thema aufmerksam machen, sich besser vernetzen, Hilfe besser koordiniert werden.

Verschiedene Header und Logos wurden von Desi und Béa entworfen und stehen hier zum Download bereit. Wer sie im Sinne von #bloggerfuerfluechtlinge nutzen möchte, dem geben die beiden die Copyright Rechte.

Also los, erhebt eure Stimmen im Netz und lasst Menschlichkeit sprechen!

 

So schreibt doch kein 12-Jähriger! – Doch.

Seit über 10 Jahren gibt es nun schon die Kinder- und Jugendredaktion bei Buecherkinder.de. Besonders wichtig war und ist mir eine Kontinuität in der Mitarbeit der Nachwuchsredakteure, weshalb es auch nicht verwunderlich ist, dass einige von ihnen schon viele Jahre mit von der Partie sind. Die achtzehnjährige Miriam Thiel feiert dieses Jahr sogar schon 10-jähriges „Dienstjubiläum“. An ihren Kritiken von damals bis heute kann man ihre Schreibentwicklung bestens verfolgen.

Eine 60-köpfige Redaktion zu führen bedeutet einen großen logistischen Aufwand, den ich aber nicht scheue, da er gegenüber dem Sammeln von Gastrezensionen Fremder viele Vorteile bietet. Ich kenne meine Redaktionsmitglieder, zwar oft nicht persönlich, aber eben ihre Vorlieben, ihr Lese- und Schreibverhalten. Niemand, der in der Redaktion anfängt, muss perfekte Buchkritiken abliefern, die Schreibqualitäten entwickeln sich bei den meisten über die Jahre ohnehin von alleine.

Eines haben aber alle Kritiken der Kinder- und Jugendredakteure gemeinsam:
Sie werden von den Kindern geschrieben, von mir auf Rechtschreibfehler und Verständlichkeit geprüft, jedoch NIE redaktionell überarbeitet!! Es handelt sich also definitiv um O-Töne!
Ich sage dies so klar, weil mich vor einiger Zeit eine von der Eselsohr-Redaktion an mich weitergeleitete Mail mit folgendem Wortlaut erreichte:

Liebe Eselsohr-Redaktion,
die Rubrik ‚Die Bücherkinder lesen!‘ schaue ich mir immer mit großem Interesse an, um zu erfahren, was Kinder wirklich so lesen. Nur habe ich immer wieder den Eindruck, dass dies keine echten Kinder-Buchtipps sind, sondern die Kinder nur als Sprachrohr für eine redaktionelle Buch-Auswahl dienen. Denn welches Kind würde von einem ’spannenden Sozialdrama‘ sprechen oder das Wort ’schmälern‘ benutzen? (siehe Heft 7/2015)
Vielleicht sind es ja aber tatsächlich Buch-Empfehlungen von Kindern & Jugendlichen und die Redaktion übernimmt lediglich das (ungeschickte) Formulieren… ?

Der 12-Jährige Raphael ist Verfasser oben kritisierter Kritik. Sicherlich ist er mit durchschnittlich sechs gelesenen Büchern pro Monat nicht der klassische Leser einer 8. Klasse, aber eben darum ist sein großer Wortschatz, den er durchaus einzusetzen versteht, zu erklären.

Raphaels Bewertungen müssen von mir selten nachgearbeitet werden und ich würde es ihm – aber auch allen anderen Redaktionsmitgliedern – gegenüber als anmaßend empfinden, die von der Leserin als „ungeschickt“ titulierten Formulierungen nicht zu übernehmen.

Neben Schule und anderen Aktivitäten lesen die Redaktionsmitglieder in ihrer sicherlich oft begrenzten Freizeit und beschäftigen sich (meist) sehr intensiv mit dem Gelesenen. Kritiken werden dabei genauso liebevoll formuliert wie Begeisterungsstürme. Es ist ihr gutes Recht, dass ihre Arbeit auch so im Netz und gegebenenfalls im Eselsohr wiederzufinden ist.