Alle Artikel mit dem Schlagwort: Buchtipps

Eisvogelsommer
oder Der Versuch einer Rezension

Ich schreibe nicht besonders gerne Rezensionen, habe ich noch nie. Vielleicht liegt es daran, dass mich besondere Geschichten immer im Innersten berühren und ich sie durch eine nennen wir es mal literarische Analyse nicht ihres Zaubers berauben will. Ich habe das Tot-Interpretieren in der Schule schon nicht gemocht. Möglicherweise fehlt mir aber auch schlicht und ergreifend das Rüstzeug zum Schreiben einer „echten“ Rezension. Wie dem auch sei, manchmal begegnen mir Bücher, die einfach besprochen werden müssen, einfach darum, weil ich ihnen zahllose weitere Leser wünsche. „Eisvogelsommer“, ein Buch des flämischen Autors Jan De Leeuw, ist so ein Buch. Es hat mich derart in seinen Bann gezogen, dass ich beim Lesen Raum und Zeit vergaß und die Nacht zum Tag machte, nur um dieses Buch zu beenden. Und das soll schon etwas heißen, schließlich ist mir meine Nachtruhe heilig. Im Zuge meiner Vorbereitungen auf meine Reise ins Gastland der Buchmesse versuche ich, mir einen möglichst großen Überblick über die Bandbreite der flämischen und niederländischen Kinder- und Jugendliteratur zu verschaffen. „Eisvogelsommer“ war eines der Werke, das ich …

Hitsuzen oder Die Philosophie der Zufälle

Ist unser Leben seit dem Urknall vorbestimmt und unser Schicksal unausweichlich oder haben wir den Lauf unseres Lebens selbst in der Hand? Eine Frage, die sich der Leser des außergewöhnlichen Buches „Das zufällige Leben der Azalea Lewis“ sicher bisweilen auch selbst gestellt hat. Das Leben der Hauptfigur ist hingegen von so vielen Zufällen, die ein bestimmtes Muster verfolgen, bestimmt, dass es so scheint, als sei ihr Schicksal unausweichlich. Mein Großvater starb an einem Mittsommertag. Meine leibliche Mutter starb an einem Mittsommertag. Der Mann, der mein leiblicher Vater gewesen sein muss, starb auf See an einem Mittsommertag. Und meine Adoptiveltern starben an einem Mittsommertag. Und es vergeht kein Tag, mein Liebster, an dem ich nicht schon morgens beim Aufstehen an einen Tag in nur vier Monaten denke, wenn die Teile des Räderwerks erneut ineinandergreifen werden und nur noch eine Person zum Sterben übrig ist. Und diese Person werde ich sein. [Klappentext] Dieses Buch ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Zum einen ist da natürlich das äußerst spannende Thema des Romans. Ist unser Leben vorbestimmt – der Japaner …

Kurz und gut: Buchtipps für den Sommer

Manchmal braucht es nur einen Satz, um lesenswerte Bücher vorzustellen. So wie bei diesen drei Titeln, die mich endlich aus meiner vorsommerlichen Leseflaute holten. Nun kann der Sommer kommen! „Das Zusammenspiel zwischen Matthias Morgenroths fantasievoller Geschichte und den kongenialen Illustrationen von Regina Kehn lässt den Leser auch visuell in die Dunkelheit der Erzählung abtauchen.“ Inhalt: Es ist etwas Besonderes, mit Lea befreundet zu sein. Sie kommt auf die verrücktesten Ideen und kann dabei immer auf ihren Freund Jojo zählen. Doch als sie in der Mittsommernacht bei ihm im Garten steht und ihn drängt, unten am Fluss mit ihr ein Johannisfeuer zu entzünden, spürt er sofort: Was ihnen diesmal bevorsteht, das ist etwas Größeres. Werden in der Mittsommernacht wirklich Wünsche wahr, wie Lea behauptet? Auf der Suche nach der Antwort geraten die Freunde in ein Abenteuer, das selbst Lea sich nicht hätte träumen lassen: Die Nacht erwacht zum Leben und die Nachtlinge möchten sie nur zu gern zu einer der ihren machen. Jetzt kann nur ihre Freundschaft sie noch retten! Bibliografie: „Freunde der Nacht“ von Matthias …

Herzlichen Glückwunsch, Mirjam Pressler!

Eine ganz Große der Kinder- und Jugenbuchszene wird heute 75 Jahre alt: „Herzlichen Glückwunsch und masel tov, liebe Mirjam Pressler!“ Mirjam Pressler wurde 1940 in Darmstadt geboren, sie studierte an der Akademie für Bildende Künste in Frankfurt sowie Sprachen in München und lebte für ein Jahr in einem Kibbuz in Israel. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin und Übersetzerin bei München. In der Pressemitteilung des Beltz & Gelberg Verlags heißt es u.a.: Mirjam Pressler zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Autorinnen der Kinder- und Jugend­literatur, vielfach besprochen und prämiert. Über 30 Kinder- und Jugend­bücher und eine Vielzahl an Übersetzungen zeugen sowohl von einem scharfen Blick für die kleinen wie großen Themen als auch von hoher literarästhetischer Qualität. Zentral in Presslers Werk ist die Auseinandersetzung mit Geschichte, Kultur und Weltliteratur. Nicht nur durch ihre Übersetzungen aus dem Hebräischen, Niederländischen und Englischen tritt sie als »Botschafterin« einer internationalen Jugendliteratur auf den Plan. Ihr Engagement zur Völkerverständigung zeigt sich auch in ihren Romanen, wie etwa im 2009 erschienen »Nathan und seine Kinder«. Mirjam Presslers Neuerzählung von …

Ein Buch, viele Genres:
Die Quersumme von Liebe

Mit ihrem ersten Jugendbuch „Glücksdrachenzeit“ gelingt Katrin Zipse 2014 der große Wurf. Sie erhält den mit 10.000 Euro dotierten Thaddäus-Troll-Preis des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg. Ihr zweites Werk wird Mitte Juli bei Magellan erscheinen. Die geordnete Welt der 15-jährigen Luzie gerät ins Wanken, als sie einen Brief ihrer verstorbenen Großmutter erhält. Das Geheimnis, mit dem er sie konfrontiert, nimmt ihr Leben Stück für Stück auseinander. Luzie erfährt nicht nur, dass ihre Mutter sie jahrelang von ihrer Oma ferngehalten hat, sondern auch, dass ihr Vater unter völlig anderen Umständen ums Leben kam, als sie bisher dachte. Wie vor den Kopf gestoßen, beginnt Luzie, die Hintergründe des Kletterunfalls zu recherchieren, und trifft dabei Puma, in den sie sich verliebt. Ich war sehr gespannt auf Zipses neuen Roman, denn bereits ihr Debüt im letzten Jahr hatte mir gut gefallen. „Die Quersumme von Liebe“ jedoch überzeugte mich ohne Einschränkung von der ersten bis zur letzten Seite. Dieses Buch habe ich nicht gelesen, ich habe es verschlungen. Ich bin atemlos und ohne Pause von Seite zu Seite geflogen, habe …