Leseentwicklung bei Kindern

Vom Buggy-Buch zum Erstlesebuch

0 bis 1 Jahr – Bücher als Spielzeug
Mit etwa 9 Monaten lernen Babys etwas sehr Entscheidendes: das Krabbeln. Das Gehirn koordiniert die Zusammenarbeit von linker und rechter Gehirnhälfte. Dieses Zusammenspiel ist aber nicht nur für die Fortbewegung wichtig, sondern auch für die spätere Fähigkeit lesen zu lernen.
Mit allen fünf Sinnen erkundet das Baby seine Umgebung. Zum Anfassen sollten auch Bücher gehören, damit die Kleinen sich schon jetzt an den Gegenstand Buch gewöhnen.
Dies können klassische Pappbilderbücher sein, aber auch Bücher aus Holz, aus Plastik (Badewannenbücher), Buggy-Bücher etc.

1 bis 2 Jahre – Bücher zum Umblättern
In diesen 12 Monaten erweitert sich der aktive Wortschatz von etwa 50 Wörtern auf über 300. Sehr beliebt in dieser Zeit sind sogenannte Wörterbücher für Kinder, da diese viel Freude daran haben, Gegenstände zu erkennen und zu benennen (Literaturempfehlung: Mein kleiner Brockhaus). Am Ende des 2. Lebensjahres sind die Kinder in der Lage, klitzekleine Geschichten zu verstehen. Der Text besteht meist aus einem oder zwei Sätzen, die Bilder zeigen vereinfachte Szenen (Literaturempfehlung: Bobo Siebenschläfer, Die kleine Raupe Nimmersatt). Das 2. Lebensjahr eignet sich zudem hervorragend um das Vorlesen zu ritualisieren (Vorlesen vor dem Mittagsschlaf oder dem abendlichen Zubettgehen)

2 bis 3 Jahre – Bilderbücher mit viel Bild und wenig Text
Die geistige Entwicklung des Kleinkindes geht nun explosionsartig vor sich. Es verzehnfacht seinen aktiven Wortschatz auf etwa 3.000 Wörter und spricht nun Zwei- und Dreiwörtsätze. Es kommt langsam in das sogenannte Trotzalter, wird selbstständiger, löst sich vom Zuhause und wird kindergartenreif. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Themenspektrum wieder. Besonders interessant sind Bücher über das Leben zu Hause, Themen wie Liebe, Freundschaft, Wut und Angst (Literaturempfehlung: Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?, Mia und Mama). Man kann nun auch mit ersten Sach- und Klappenbüchern beginnen (Literaturempfehlung: Wieso Weshalb Warum Junior). Auch an Reimen haben Kinder viel Spaß (Literaturempfehlung: Eins Zwei Drei Tier, ).

3 bis 4 Jahre – Bilderbücher mit komplexeren Geschichten
Kinder in diesem Alter sind in der Lage Handlungsabläufe zu verstehen. Sie begreifen jetzt schon längere Geschichten mit einer durchgängigen Handlung. Zudem können Sie das Gelesene auf das eigene Leben übertragen. Weil die Kinder aber oft erst am Ende des 4. Lebensjahres in der Lage sind, Realität und Fantasie zu unterscheiden, können Bücher auch Angst machen. Deshalb sollten die Kinder auch in die Buchauswahl einbezogen werden. Andersherum können Bilderbücher auch zur Problembewältigung herangezogen werden. Auch manches Märchen eignet sich hierfür (Literaturempfehlung:
Wie Hasenherz die Angst besiegte, Der Dachs hat heute schlechte Laune, Fritz Frosch, Das alte Haus).

4 bis 5 Jahre – Bilderbücher mit detailreichen Bildern und komplexen Geschichten
Die Vier- bis Fünfjährigen verfügen über einen aktiven Wortschatz von etwa 8.000 Wörtern. Ein Fünfjähriger kann aber auch über 20.000 Wörter verfügen. Da der Spracherwerb bei jedem Kind sehr unterschiedlich verläuft und auch seine Umgebung großen Einfluss nimmt, sind in diesem Alter große Unterschiede möglich. Die Kinder sind nun in der Lage Fantasie und Wirklichkeit zu unterscheiden, sie können wichtige und unwichtige Informationen filtern, verschiedene Standpunkte verstehen und auf die eigene Realität übertragen (Literaturempfehlung: Zähne putzen verboten, Ich will! Ich will!, Was ist da passiert?, Petterson und Findus).

5 bis 6 Jahre – Vorlesen
Nun ist das richtige Alter zum Vorlesen von komplexeren Geschichten gekommen. Die Kinder sind vielfältig interessiert, zu langer Konzentration fähig und haben im Vorschulalter viel Spaß an Lesen, Vorlesen, Sprache und Schrift. Zu Beginn des 6. Lebensjahres bieten sich Bücher mit abgeschlossenen kleinen Geschichten an (Literaturempfehlung: Heute ist Lucy Prinzessin, 33 Bazi-Geschichten, Von Drachen und Mäusen). Etwas später beginnt die Zeit der Klassiker (Literaturempfehlung: Pippi Langstrumpf, Das kleine Gespenst). Auch das Interesse an Buchstaben und Sprache kann durch entsprechende Bücher gefördert werden (Literaturempfehlung: Trauriger Tiger toastet Tomaten, ). Viele Jungen sind in diesem Alter sehr Sachbuchinteressiert. (Literaturempfehlung: Frag doch mal die Maus, Willi wills wissen).

6 bis 7 Jahre – Erstlesebücher, Kinderromane
Das Lesenlernen in der Schule beginnt. Trotzdem sollte auch weiter vorgelesen werden, da die Kinder gerade im ersten Schuljahr handlungskomplexere Geschichten verstehen jedoch noch nicht selber lesen können. Zudem stellt das Lesen zu Beginn noch keine Entspannung sondern eher eine Anstrengung dar.