Deutscher Jugendliteraturpreis

Nominiert und für gut befunden #djlp18

Seit 1956 zeichnet der Deutsche Jugendliteraturpreis jährlich herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur aus. Wir haben die nominierten Bücher der Kategorie Kinderbuch gelesen.

Würde jemand nach meinem „Beziehungsstatus“ zum Deutschen Jugendliteraturpreis (im Netz in diesem Jahr unter #djlp18 zu finden) fragen, so würde ich vermutlich mit „Es ist kompliziert.“ antworten. Viele Jahre verfolge ich nun schon die Nominierung in Leipzig und die Preisverleihung in Frankfurt und genauso viele Jahre hadere ich – mal mehr, mal weniger – mit den nominierten Titeln, vornehmlich denen der Kritikerjury.

Umso erfreuter war ich, dieses Jahr nicht nur viele der nominierten Titel auf der Lese-Wunschliste der Kinder- und Jugendredaktion wiederzufinden, sondern auch über die durchweg positiven Buchbesprechungen der jungen Leser*innen zu selbigen. Und auch wenn man erneut über das schlechte Verhältnis von Übersetzungen zu deutschsprachigen Autor*innen meckern könnte, so überwiegt doch meine Begeisterung für eine buntgemischte, literarische und lesbare Nominierungsliste.

Ein Grund mehr mich mit diesem und vermutlich noch weiteren Beiträgen einer Gruppe Bloggerinnen* anzuschließen, die über und vom Deutschen Jugendliteraturpreis berichten (werden).

Kategorie Kinderbuch
von der Kritikerjury nominiert
von den Bücherkindern gelesen:

 

Viele Grüße, Deine Giraffe

Kinderbuch ab 6
von Megumi Iwasa
übersetzt von Ursula Gräfe
Illustrationen Jörg Mühle
Moritz Verlag 2017

Eine Giraffe aus Afrika langweilt sich furchtbar. Sie hat keinen Freund und schreibt einen Brief an das erste Tier am Horizont.
Der Brief gelangt mit Hilfe von einem Pelikan zu einem Pinguin am Kap der Wale. So entsteht eine tolle Brieffreundschaft.

In diesem Buch sind sogar ein paar echte handschriftliche Briefe untergebracht. Pinguins Briefe sind in Schreibschrift und Giraffes in Druckschrift geschrieben. Das fand ich toll. So schreiben sie sich hin und her und lernen sich ein bisschen kennen. Aber dabei bleibt es nicht. Es gibt noch einen Überraschungsbesuch!!!

Dem Buch gebe ich gerne 5 Sterne und empfehle es Kindern, die schon ein bisschen lesen können. Die Geschichte ist süß und lustig. Schon das Titelbild ist witzig, ein Pinguin, der auf einem Eimer sitzt. Die bunten Bilder sind sehr schön und es sind viele Bilder in diesem Buch. Das mag ich sehr. Die Schrift ist groß genug, gute Absätze. Man findet schnell die nächste Zeile.

Solche Bücher mag ich. Ich habe mich nicht gelangweilt, es in einem Zug gelesen und könnte mir sogar vorstellen, einem der Tiere aus dem Buch auch einen Brief zu schreiben. Vielleicht würde das auch eine tolle Geschichte werden.

Dieses Buch können Kinder alleine, aber auch mit ihren Eltern lesen. Ich empfehle es ab 5 Jahren. Es gibt noch ein weiteres Buch aus dieser Reihe. Das muss ich unbedingt auch lesen und freue mich schon darauf.

Matti Radeisen (7) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Bluma und das Gummischlangengeheimnis

Kinderbuch ab 8
von Silke Schlichtmann
Illustrationen Ulrike Möltgen
Hanser Verlag 2017

Bluma hat in Mathe eine fünf geschrieben und traut sich nicht, es ihrem Vater zu sagen. Dann entdeckt sie noch einen Büttenzettel, worauf steht, dass es einen Hund zu verschenken gibt. Sie wünscht sich so sehr einen Hund, doch mit der schlechten Note bekommt sie wahrscheinlich keinen. Nach der Schule geht sie zu Alice, um sie um Hilfe zu bitten, aber sie hat gerade keine Zeit, was bisher noch nie passiert war, denn sie war ansonsten immer für sie da. Bluma muss also allein zurechtkommen, und so klaut sie eine leckere, magische Gummischlange, die angeblich alle Probleme lösen kann. Doch dann bereut sie es: Wie soll sie nun die abgebissene Schlange zurückbringen und sich bei Alice entschuldigen?

Dieses kleine Buch sieht von außen ein bisschen japanisch aus, weil die Namen Bluma und Hanser besonders geschrieben sind und auch die Haare von Bluma so aussehen wie japanische Schriftzeichen. So war ich sofort neugierig, worum es in dieser Geschichte ging.

Ich habe mich gleich von Anfang an mit Bluma identifizieren können, obwohl ich eigentlich noch nie in ihrer Situation war, mir keinen Hund wünsche und keine fünf in Mathe geschrieben habe. Das liegt fast nur an dem Schreibstil dieses Romans, der so geschrieben ist, dass man die Hauptfigur sofort mag. Ich konnte auch nicht aufhören zu lesen, weil ich wissen wollte, wie es weiter geht. Fast alle zehn Seite passiert noch etwas und entsteht ein neues Problem, und als gerade ein Problem gelöst ist, kommt gleich ein Neues hinzu. So waren die 175 Seiten in einem Zug gelesen. Nicht nur die Schreibweise, sondern auch die Zeichnungen in diesem Buch sind sehr außergewöhnlich: Sie sind nur schwarz oder rot oder grau, ein ziemlich verrücktes Bild ist auf S. 103, wo Bluma sich die ganze Zeit in die Wange zwickt, um eine allergische Reaktion vorzutäuschen.

Ich möchte dieses Buch unbedingt empfehlen, und zwar an Mädchen und auch an Jungen im Alter von 10 Jahren. Dieser Roman hat mir wirklich gefallen und bekommt 5 Sterne von mir.

Flavia Schmidt (10) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Tagebuch eines Möchtegern-Versagers

Kinderbuch ab 10
von Luc Blanvillain
übersetzt von Maren Illinger
Fischer KJB 2017

Nils ist hochbegabt! Er würde aber lieber ganz normal sein, weil er dann vielleicht draußen mit anderen Fußball spielen oder Fernsehen schauen könnte. Als er auf das Hochbegabtengymnasium kommt, tut er so, als ob er sehr dumm wäre. Leider gibt es das Problem, dass er sich in ein Mädchen verliebt, das aber nur einen Schlauen will. Bei einem Mathewettbewerb kommt raus, dass er hochbegabt ist und kein bisschen dumm. Dabei merkt Mona – das Mädchen, in das er verliebt ist – aber, dass Nils gelogen hat. Nach Nils‘ Geburtstag versteht sie, warum Nils sich so verhalten hat. Am Ende des Buches befreunden sich die beiden schließlich.

Ich gebe dem Buch 4 Sterne, weil es witzig ist, aber manche Sachen sich wiederholen und es dadurch nicht so spannend ist.

Nathanael Koszudowski (10) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Krakonos

Kinderbuch ab 10
von Wieland Freund
Beltz & Gelberg 2017

Nick und Levi gehen in Berlin-Adlershof in einen Hort, der zur Arbeitsstelle ihrer Eltern gehört. Sie wohnen auch in dem Hort, da ihre Eltern kaum Zeit für die beiden haben. Eines Nachts hat Levi einen Traum, in dem ein Rabe vorkommt. Als sie am nächsten Abend zu einem Freund eingeladen werden, entdecken sie den Raben, den Levi in seinem Traum gesehen hat. Sie gehen hinaus um nachzuschauen, suchen eine Weile, finden zunächst aber nichts. Doch plötzlich sehen sie alle eine dunkle Gestalt, die zum Fürchten aussieht. Levi aber freundet sich mit der Gestalt an, weiß aber nicht, was das für ein Nachspiel haben wird.

Als ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich, das Buch handelt von einem riesigen Raben, der die Welt vernichten will, aber es hat sich ganz anders herausgestellt. Trotzdem fand ich das Buch sehr gut. Wieland Freund hat es aus der Sicht zweier wechselnden Personen geschrieben. Es ist sehr mitreißend und man will es gar nicht mehr aus der Hand legen.

Ich gebe dem Buch 5 Sterne und werde es ab 10 Jahren empfehlen.

Kilian Wiendl (12) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Die Mississippi-Bande

Kinderbuch ab 11
von Davide Morosinotto
übersetzt von Cornelia Panzacchi
Illustration Stefano Moro
Thienemann 2018

In dem Buch geht es um vier Freunde – Te Trois, Julie, Tit und Eddie -, die eine Art Kanu gebaut haben. Eines Tages haben sie an der Angel eine Blechdose, in der drei Dollar sind. Sie bestellen eine Pistole aus dem Katalog von „Walker und Dawns“. Aber es kommt nicht das Richtige an, sondern nur eine alte Uhr. Also fahren sie mit dem Kanu los, um die Uhr zurückzubringen. Bevor sie losfahren und auch auf der Reise werden sie immer wieder bedroht und erleben viele Abenteuer. Es wird klar, dass die Uhr sehr wertvoll sein muss.

Am Anfang des Buches hat mir irgendetwas gefehlt. Es ist noch nicht so richtig etwas passiert. Eigentlich wird es erst spannend, als die Vier sich auf die Reise machen und die Uhr zurückbringen wollen. Da musste ich immer weiter lesen, weil klar war, dass immer wieder etwas Aufregendes passiert. Der mittlere Teil des Buches war der Beste; kurz vor dem Ende wurde es noch einmal richtig spannend. Der Schluss des Buches war leider sehr traurig und hat keinen Sinn für mich ergeben. Da hätte man wirklich etwas ganz anderes schreiben können.

Ich empfehle das Buch Kindern ab 10 Jahren und vergebe gerade noch 4 Sterne.

Mattes Dreier (10) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Der Riesentöter

Kinderbuch ab 12
von Iain Lawrence
übersetzt von Alexandra Ernst
Verlag Freies Geistesleben 2017

An dieser Geschichte ist wirklich alles außergewöhnlich. Sie beginnt im Jahr 1955 und erzählt von einem uns heute kaum noch bekannten Abschnitt medizinischer Geschichte, der Bekämpfung der Kinderlähmung (Polio). Dies ist allerdings nur eine Erzählebene, denn mit der Geschichtenerzählerin Laurie gelangen wir über die Große Nordroute ins Land der Riesen.

Zunächst laufen die beiden Erzählstränge parallel nebeneinander her. Im Krankenhaus erzählt Laurie ihren Freunden die fantasievolle Geschichte von Collosso und Jimmy dem Riesentöter, Zuhause dreht sich ihr Leben um die heimtückische Krankheit Polio, denn ihr Vater hat sein Leben dem Sammeln von Spendengeldern für den Kampf gegen die Krankheit gewidmet.
Doch nach und nach verweben sich die beiden Erzählebenen miteinander und die Kinder der Polio-Station werden zu Protagonisten in Lauries Geschichte, in der der Riese Collosso (die Krankheit Polio) besiegt werden muss.

Der Riesentöter ist ein spannendes, fesselndes und ungeheuer fantasievolles Buch, das ich verschlungen habe.

Stefanie Leo (48) - Frau Bücherkinder

* Die diesjährigen #djlp18-Bloggerinnen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.