10 Fragen an Barbara Rose

Uns alle verbinden gute Geschichten und die Leidenschaft, Kinder und Jugendliche für diese zu begeistern. Im Rahmen der Bücherkinder-Interview-Reihe möchte ich diese Menschen vorstellen.

© Wolfgang Irg

Wer sind Sie und wie sieht Ihre Arbeit mit Kinderbüchern aus?
Ich bin Kinder- und Jugendbuchautorin und Journalistin. Derzeit schreibe ich vor allem Bilder-, Vorlese- und Erstlesebücher und Kinderromane. Meine Themen sind breit gefächert, sie reichen vom Ritterbuch über die Stadtgeschichte für Kinder bis hin zum Katzenkrimi. In meinen Büchern nehme ich Kinder ernst, möchte sie zum Nachdenken anregen, aber auch zum Lachen bringen. Auf keinen Fall jedoch möchte ich sie belehren.

Wie würden Sie sich aktuell in drei Hashtags (#) beschreiben?
#kreativ #autorin #brauchejetztGummibärchen

Welches Buch liegt derzeit ganz oben auf Ihrem Nachttisch und warum?
Zwei Bücher:
Ijoma Mangold: Das deutsche Krokodil – meine Geschichte (Rowohlt Verlag): Passt in diese Zeit.
Piers Torday: Die große Wildnis (cbj): Spannend und aktuell.

Wie beeinflusst Ihre Arbeit mit bzw. für Kinder und Jugendliche Ihre Sicht auf die heutige Gesellschaft und unsere Welt?
Fast alle, die mit Kindern oder für Kinder arbeiten, stellen irgendwann fest, dass Kinder in unserer Gesellschaft zu wenig gefördert werden. Dabei wäre das eine sinnvolle Investition in die Zukunft. Kinder werden zu wenig ernst genommen. Dabei können wir viel von ihnen lernen, gerade wenn es um vorbehaltloses Miteinander geht. Als Autorin mühe ich mich darum, Lobbyarbeit für Kinder zu betreiben, indem ich mich für ihre Belange einsetze. Gerade unterstütze ich beispielsweise die großartige Petition von Kirsten Boie „Jedes Kind muss lesen lernen“ nicht nur mit meiner Unterschrift, sondern mit Buchpaketen für die Grundschulen in meiner näheren Umgebung.
Was mir beim Schreiben im Hinblick auf unsere Gesellschaft wichtig ist, hat Astrid Lindgren ganz wunderbar in einem Zeit-Interview zusammengefasst: „Demokratie und Geborgenheit, das ist es, was ich von Kinderliteratur erwarte.“

Was ist die treibende Kraft, auch weiterhin was mit Kinderbüchern zu machen?
Mein Kopf ist voller Ideen, meine Schubladen sind gefüllt mit Notizen, Hinweisen und Bildern. Es gibt einfach noch so viel zu erzählen. Mit meinen Büchern möchte ich die Welt ein bisschen bunter machen. Ich möchte, dass Kinder spannende Abenteuer erleben, in andere Welten eintauchen, sich wegträumen können. Aber auch wahre, sehr ernsthafte Themen wie Streit, Angst, Traurigsein, Ausgrenzung, fremd in einer neuen Umgebung sein, sich klein und unwichtig fühlen, gehören selbstverständlich dazu. Allerdings verpacke ich diese Sorgen oder Probleme möglichst so, dass sie ohne den häufig zitierten pädagogischen Zeigefinger auskommen. Gelingt mir das nicht, werde ich von den Kindern in meinen Lesungen sofort geschimpft, deshalb schätze ich die Begegnung mit ihnen so sehr. Kinder möchten nicht von oben herab behandelt werden. Arroganz oder Distanz spüren sie sofort, weil sie viel schlauer sind, als die Erwachsenen häufig annehmen.

Wie begeistern Sie potenzielle Nichtleser für das Buch?
In meinen Lesungen, meinen Erzähl- und Schreibwerkstätten versuche ich auch Nichtlesern möglichst viel Spaß am Lesen, an Sprache und Reimen zu vermitteln. Ich möchte, dass Kinder die unglaubliche Kraft der Fantasie entdecken, die in so vielen Büchern steckt. Sogar in meinen Kreativ-Kursen, die ich mit Kollegen aus dem Bereich Tanz, Malerei und Bildhauerei gebe, geht es um Leseförderung. Die baue ich klammheimlich immer und überall ein.

Was macht für Sie ein gutes Kinderbuch aus?
Es ist auf Augenhöhe mit den Kindern, es belehrt nicht, es lässt Raum für Fantasie und macht Spaß beim Lesen.

Wie hat sich Ihre Arbeit mit fortschreitender Digitalisierung verändert?
Manchmal fühle ich mich ein bisschen von den ständigen Neuerungen überfordert. Es kostete eine Menge Zeit, wenn man auch nur halbwegs am Ball bleiben will. Aber insgesamt erleichtert mir die Digitalisierung das Leben. Es ist leicht, mit den Verlagen zu kommunizieren, sich schnell mit Kollegen auszutauschen, für Bücher zu recherchieren, Lesungen und Reisen vorzubereiten.

Welche sozialen Netzwerke nutzen Sie und warum?
Über Facebook habe ich viele Kontakte zu Kollegen, Buchhändlern, Veranstaltern, Bloggern und Lesern geknüpft. Hier steht meine Arbeit im Fokus, nicht mein Privatleben. Allerdings tummeln sich bei Facebook längst nicht mehr so viele Menschen wie früher, zumindest habe ich den Eindruck. Twitter nutze ich, leider viel zu unregelmäßig, für schnelle Updates in allen Bereichen. Auch Instagram ist für mich eine berufliche, keine private Spielwiese. Es macht Spaß, ein bisschen Buntes aus dem Autorenleben zu verraten. Mein Privatleben teile ich allerdings nicht in den sozialen Netzwerken.

Mit welchem Kinderbuchmenschen sollten wir dieses Interview unbedingt mal führen?
Da kann ich sogar eine ganze Liste angeben. In unserem neu gegründeten Bundeskongress Kinderbuch finden Sie jede Menge engagierte Autorinnen und Autoren, die sicher Spannendes zu erzählen haben.

Titelbild und Porträtfoto: © Wolfgang Irg

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