Ines Hanke

10 Fragen an Ines Hanke

Wer sind Sie und wie sieht Ihre Arbeit mit Kinderbüchern aus?
Mein Name ist Ines Hanke, ich bin 46 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und arbeite mit ganzem Herzen, aber in Teilzeit als pädagogische Fachkraft in einer Tageseinrichtung für Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren. Viele unserer Familien haben Sprachhindernisse unterschiedlichsten Ursprungs.

Schon seit meiner Kindheit sind Bücher meine Leidenschaft und dadurch ist heute mein Steckenpferd die Sprache, der Sprachgebrauch und die Sprachbildung. Das Kinderbuch, mit all seinen Facetten, ist da einfach ein unglaublich wichtiges Medium. Die auffordernden Bilder, die vielen, vielen wunderbaren Geschichten, die dazu herausfordern, Sprache zu gebrauchen, Worte zu finden und zu formen und in Reihenfolge zu bringen. Wörter einfach zu (er-)finden, auszusprechen und zu verstehen. Reime zu bilden, zu singen, mit Worten zu spielen, sie in Bilder zu bringen oder auf Bildern wiederzufinden, all das ist einfach herrlich und so wichtig!

Wie würden Sie sich aktuell in drei Hashtags (#) beschreiben?
#nordseesüchtig #brauchetee #sommeradeherbstjetztokay

Welches Buch liegt derzeit ganz oben auf Ihrem Nachttisch und warum?
Auf meinem Nachttisch liegt zur Zeit „Hilft auch bei Liebeskummer“ von Anne-Laure Bondoux und Jean-Claude Mourlevat. Der deutsche Titel klingt nach einem Kitschroman, das ist er aber mitnichten. Ein wunderbar kurzweiliger, anrührender Roman-Dialog in Form von E-Mails. Eine nicht ganz zufällige schriftliche Unterhaltung zwischen einer jungen Frau und einem älteren Autoren.

Auf dem Nachttisch meiner Tochter liegt gerade der Kinderbuchklassiker „Die Borger“ von Mary Norton in einer Fassung aus dem Sauerländer-Verlag mit wunderschönen Illustrationen von Emilia Dziubak. Zuvor hatten wir das Hörbuch dazu gehört – eingelesen mit der unvergleichlichen Stimme von Katharina Thalbach – und nun kann meine Tochter es nicht erwarten die zauberhafte und wundersame Welt der Borger mit eigener „Lesekraft“ zu erobern, bzw. stellenweise mit mir gemeinsam zu lesen.

Für die Arbeit lese ich gerade verschiedene Fachliteratur zum Einsatz von Kamishibais (jap. Bilderbuchtheater) und Erzählschienen, da ich diese Medien ganz prima finde um Kinder erzählen üben zu lasssen.

Wie beeinflusst Ihre Arbeit mit bzw. für Kinder und Jugendliche Ihre Sicht auf die heutige Gesellschaft und unsere Welt?
Immer stärker habe ich den Eindruck, das Eltern zu wenig mit ihren Kindern reden, Familien verstummen regelrecht. Die digitalen Medien tragen sicherlich mit dazu bei. Wenn handyfreie Zonen in KiTas nötig werden, damit Eltern die 10 Minuten Bring- und Abholzeit ohne Handy am Ohr verbringen, oder wenn ich sehe, wie Eltern Kinderwagen schieben und dabei Knöpfe im Ohr haben, um lieber zu chatten, anstatt mit den Kleinen zu sprechen, dann stimmt mich dies sehr traurig und ich mache mir Sorgen, wie aus diesen spracharmen Kindern später wertschätzende, soziale Erwachsene werden sollen.

Ich möchte mit meiner Arbeit das Miteinander, das Sprechen, das Lesen und insbesondere das „Geborgenheit-gebende“ Vorlesen wieder mehr ins Bewusstsein der Familie rücken. Bewusstsein schaffen, dass Eltern und Kinder sich wieder mehr erzählen sollen, Kinder abends im Bett Geschichten vorgelesen bekommen und überhaupt als „Sprach-Partner“ wertgeschätzt werden. Ich möchte den Kindern Spaß am Sprechen, der Sprache und dem Spielen damit näherbringen und natürlich, last – but not least- die Sprachbildung fördern. Dies ist übrigens nicht nur bei Nicht-Muttersprachlern nötig, sondern oft auch bei Kindern/Familien, deren (Erst-)Sprache Deutsch ist.

Neben den verschiedenen Formen des Vorlesen ist es mir auch wichtig, die Kinder mit der örtlichen Bücherei vertraut zu machen, damit die Familien ihre Schwellenangst verlieren und diesen Ort als eine Möglichkeit der Begegnung kennenlernen, wo sie mit ihren Kindern kostenfrei wertvolle Zeit miteinander verbringen können und wo man Geschichten in allen möglichen Sprachen oder auch ganz ohne Wörter ausleihen kann.

Was ist die treibende Kraft, auch weiterhin was mit Kinderbüchern zu machen?
Meine treibende Kraft? Kinder sind es immer wert, dass man sich Gedanke um ihre Entwicklung macht und Liebe und Mühe (und gute Kinderliteratur) in sie investiert! 🙂

Wie begeistern Sie potenzielle Nichtleser für das Buch?
Bücher, von denen ich begeistert bin, empfehle ich auf allen mir zur Verfügung stehenden Kanälen weiter und ich vermute, dass andere an meiner Begeisterung und Liebe zu bestimmten Büchern nicht ohne angesteckt zu werden vorbei kommen.

Was macht für Sie ein gutes Kinderbuch aus?
Ein Kinderbuch muss mich ansprechen. Wenn die Geschichte mich packt, mich lachen, staunen oder weinen lässt. Wenn die Illustrationen dazu meine Phantasie anregen, ohne zu weit einzugreifen. Wenn der erhobene pädagogische Zeigefinger wegbleibt und ich einfach Spaß und Verzauberung an der Geschichte haben darf. Wenn ich das Buch immer wieder greife und lese oder vorlese, dann ist es wohl (für mich) ein gutes Buch!

Wie hat sich Ihre Arbeit mit fortschreitender Digitalisierung verändert?
Ich versuche, das klassische Buch, das Vorlesen (durch die Eltern/Großeltern/Erzieher*innen) zu stärken, den Eltern Mut zu machen, vorzulesen. Auch wenn sie meinen, es nicht „gut genug“ zu können. Denn darauf kommt es ja letztendlich nicht an. Die Behaglichkeit, die Geborgenheit, die Zwischenmenschlichkeit, das ist es doch, was im Vorlese-Moment zählt. Und dass daraus die Liebe zum Buch und zur Sprache geweckt wird. Es gibt durchaus auch tolle digitale Bilderbuch-Apps, oder schöne Spiele mit bekannten Bücherhelden, aber in erster Linie wird es bei mir wohl das wohlduftende Buch mit echten Seiten bleiben, das ich den Kindern und Eltern ans Herz legen möchte.

Welche sozialen Netzwerke nutzen Sie und warum?
Ich bin auf Facebook und Instagram unterwegs und nutze mit großem Vergnügen die WhatsApp-Status-Funktion. Bei der Plattform Snapchat kann ich immerhin schon die Hasenohren-Hundezunge-Fotofilter auf mein Gesicht zaubern und prokrastiniere damit auf wunderbare Weise und zum Vergnügen (oder eben nicht) meiner lieben Mitmenschen! Warum ich soziale Netzwerke nutze? Im Laufe der Jahre habe ich über Facebook wirklich viele tolle Leute kennengelernt (die meisten davon mittlerweile auch in „echt“) und auch Menschen wiedergefunden, zu denen ich ohne das soziale Netzwerk sonst mittlerweile sicherlich nur selten Kontakt hätte.

Mit welchem Kinderbuchmenschen sollten wir dieses Interview unbedingt mal führen?
Eigentlich solltest du dringend einmal Harry Potter interviewen …

  1. Anette Mielke

    Dieses Statement würde ich sofort unterschreiben.
    Nicht zuletzt weil ich die Interviepartnerin kenne.
    Sie gibt Ihre Ideologie sehr authentisch wieder.
    Bin Mutter von 2 erwachsene Kindern und Oma von 2 wundervollen Buben.
    Ich freue mich aufs vorlesen. Das größere Enkelkind erlernt gerade das Sprechen. Mit Vergnügen unterstütze ich ihn. Manchmal werden Sätze gefühlte 20 mal wiederholt. Genau diese Übung macht ihn sicher im Umgang mit der Sprache.
    Sprache ist ein Lebensinstrument.

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