Noch mehr nominierte Bücher #djlp18

Viele Bücher der Kategorie Jugendbuch im Deutschen Jugendliteraturpreis wurden bereits von der Redaktion gelesen. Hier ihre Meinungen zu den Büchern.

The Hate U Give

Jugendbuch ab 14
von Angie Thomas
übersetzt von Henriette Zeltner
cbt 2017

Starr und Khalil waren in ihrer Kindheit beste Freunde. Nun haben sie sich nach langer Zeit auf einer Party in ihrem Viertel Garden Heights wiedergetroffen und sind gerade auf dem Nachhauseweg, als ein Cop sie anhält. Khalil muss aussteigen, steht neben dem Auto, als er plötzlich von dem Cop erschossen wird. Nach der Tat versuchen Cop und Polizei, die Tat herunterzuspielen – seien sie doch direkt bedroht worden und Khalil „sowieso nur ein Drogendealer“ gewesen. Starr, die auf eine Privatschule geht, an der hauptsächliche weiße Jugendliche unterrichtet werden, erzählt ihren Freunden dort nichts von der Tat. Zu groß ist ihre Angst, als „die Schwarze aus dem Ghetto“ abgestempelt zu werden. Doch gleichzeitig befindet sich das Viertel in einem Aufruhr der Empörung um den Mord an Khalil, der sich systematisch in viele vorangegangene Morde an schwarzen Menschen durch die Polizei einreiht. Starr als einzige Zeugin muss nun entscheiden, ob sie das Beisein am Mord verdrängt, oder die Stimme erhebt, um gegen das Unrecht zu kämpfen, das ihrem Freund Khalil und so vielen der schwarzen amerikanischen Bevölkerung jeden Tag angetan wird.

Der Titel des Buches lautet “The Hate U Give”, ein Teil des Akronyms „Thug Life“, das sinngemäß lautet, dass all das Schlechte, welches man den Heranwachsenden der schwarzen Bevölkerung antut, später der ganzen Gesellschaft schaden wird. Viele schwarze Amerikaner leben in abgetrennten Ghettos und müssen bei Polizeikontrollen fürchten, grundlos mit Waffengewalt niedergestreckt zu werden. „The Hate U Give“ landete bei seiner Veröffentlichung sogleich auf der New York Times-Bestsellerliste, da es dieses brandaktuelle Problem so gut darstellt, ein Bewusstsein dafür schafft und Anstoß für ein Umdenken gibt.

Die systematische Ausgrenzung und Diskriminierung schwarzer Menschen wird aus Sicht der sechzehnjährigen Starr beschrieben. Die Autorin Angie Thomas beschreibt  dabei einfühlsam und eindringlich die Furcht der Bevölkerung von Garden Heights, bei einer Polizeikontrolle bei der leisesten Bewegung von einem Cop erschossen zu werden. Der Leser fühlt dies sehr gut mit und ist genauso frustriert über die ungleiche Behandlung und Einschränkungen, die den Protagonisten physisch und psychisch auferlegt werden. Das Buch ist sehr flüssig zu lesen und die Sprache gut verständlich.

So weit weg dieses Problem auch für uns zu sein scheint, ist es doch gut, auch bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welchen Fronten ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung gegenübersteht. Ich empfehle „The Hate U Give“ ab 14 Jahren.

Miriam Thiel (21) aus der Redaktion

Mehr Schwarz als Lila

Jugendbuch ab 15
von Lena Gorelik
Rowohlt Berlin 2017

Alex, Ratte und Paul sind ein eingeschworenes Team – bis ein neuer Referendar an die Schule kommt. Ab da beginnt die früher so selbstverständliche und bedingungslose Freundschaft zwischen den Dreien zu zerreißen. Alex verliebt sich in den Referendar, Ratte beginnt eine Beziehung mit einem anderen Mädchen und Paul muss mit ansehen, wie seine große Liebe Alex den Referendar anhimmelt. Das große Chaos entsteht, als Alex in ihrer Verzweiflung und Angst um die verlorene Freundschaft Paul in Auschwitz küsst. Einem der unpassendsten Orte, den man sich nur vorstellen kann. Die Freundschaft zwischen den Dreien scheint damit für immer zerstört.

Lena Gorelik hat mit ihrem Roman „Mehr Schwarz als Lila“ das literarische Zeitportrait einer außergewöhnlichen Freundschaft zwischen drei Jugendlichen geschaffen, deren enger Zusammenhalt durch das Älterwerden und das damit einhergehende Verlieben zerfällt. Die Erzählweise ist sehr poetisch mit kurzen Sätzen ohne viele Konjunktionen. Die Autorin wechselt innerhalb der langen Kapitel zwischen Zeitperioden, erzählt beinahe anekdotisch, was an den oft wirren Fluss der eigenen Gedanken erinnert. Die Geschichte wird aus dem Blick der Zukunft mit hin- und herspringenden Zeitabschnitten erzählt. Das ist zu Anfang etwas verwirrend, man findet jedoch in diesen Erzählstil herein. Das Ende wird zwar nicht vorweggenommen, jedoch hat der Leser wegen vieler Hinweise eine dunkle Vorahnung, wohin die Geschichte führen wird.

Die Freundschaft zwischen den drei Jugendlichen scheint zu Anfang unbeschwert, vorurteilslos und unzerstörbar. Dass die Liebe all das durcheinanderbringen kann, ist Zeichen des Älterwerdens und wird bei Lesern ab 15 Jahren bestimmt auf Wiedererkennung stoßen. Ich empfehle den Roman allen Jugendlichen, die sich über die Werte der Freundschaft und Liebe viele Gedanken machen und einen anspruchsvollen, schönen literarischen Erzählstil genießen.

Miriam Thiel (21) aus der Redaktion

Boy in a white room

Jugendbuch ab 13
von Karl Olsberg
Loewe Verlag 2017

Manuel erwacht ohne Erinnerungen in einem weißen Raum. Er hat nur Zugang zum Internet und der dazugehörigen Stimme Alice. Er erschließt sich Stück für Stück, wie er in diesen Raum gekommen ist, aber ist das wirklich die ganze Wahrheit?

„Boy in a white Room“ ist ein sehr gutes Buch. Es erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern hat auch einen philosophischen Tiefgang. Ich mag an dem Buch aber auch das unerwartete Ende und die flüssigen Handlungsübergänge, die für das Verständniss des Buches äußerst wichtig sind. Das Cover passt auch zum Buch. Es zeigt die halbe Gesichtshälfte eines Jungen, die zum Teil aus Würfeln zusammengestzt ist, was ich mit dem Computerprogramm im weißen Raum verbinde, und zusätzlich den durchgestrichenen Titel, ebenfalls sehr passend zur Geschichte. Es ist ein Buch, das ich gerne noch einmal lesen werde.

Miriam Knott (13) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Mohnblumen aus dem Irak

Sachbuch ab 14
von Brigitte Findakly (Text)
Lewis Trondheim (Illu.)
Dirk Rehm (Lettering)
übersetzt von Ulrich Pröfrock
Reprodukt 2017

Wie ist es, zwischen den Welten zu leben? In einem Land aufzuwachsen und die eine Hälfte der Familie in einem anderen zu wissen? Auszuwandern und zurückzukehren? Politischen Umbrüchen letztlich ohne große Einflussmöglichkeit ausgeliefert zu sein?

Brigitte Findakly erzählt uns in „Mohnblumen aus dem Irak“ ihre Lebensgeschichte. Sie erzählt, wie ihr Vater und ihre Mutter sich in Frankreich kennengelernt haben und sie schließlich gemeinsam zurückgegangen sind in den Irak. Was es bedeutete, in den 1960er Jahren im Irak zu leben, gerade als Mädchen, und wie groß die Umstellung bei der Rückkehr nach Frankreich war, das nun eben nicht mehr das Urlaubsparadies war, sondern vielmehr der Ort, der dem Vater die Arbeit als Arzt verweigerte und ihr die Integration wegen fehlender pädagogischer Flexibilität im Schulsystem erschwerte.

Hinter der Szenerie des Alltags- und Familienlebens, der Ausflüge und Schulerfahrungen erzählt Findakly mit Hilfe der Bilder ihres Ehemannes Lewis Trondheim auch die Geschichte der politischen Umbrüche im Irak. Dass die beiden schon länger in diesem Genre zusammenarbeiten, ist dem Buch anzumerken, denn Bild und Text gehen überzeugend und kongenial Hand in Hand. Dabei wird nicht immer zimperlich mit den Leser*innen umgegangen, etwa wenn am Boden liegende Exekutierte gezeigt werden, hinter denen an der Wand das Blut hinunterläuft. Doch gerade die Kombination von Trivialitäten und politischem Geschehen ist es, die die Graphic Novel so lesenswert machen. Da ist die Machtergreifung Saddam Husseins genauso wichtig wie etwa der Gastgeberqualitäten der Mutter, die aufgrund der kulturellen Differenzen im Irak immer mal wieder aneckt, sich aber eigentlich so wohl fühlt, dass sie kaum zurückkehren will nach Frankreich. Trotz Repressionen und Gefahr für ihren Mann. Das ist eine der vielen überraschenden Erkenntnisse aus „Mohnblumen aus dem Irak“.

Diese autobiographische Graphic Novel ist darum wirklich mit Nachdruck zu empfehlen, denn sie kombiniert Humor mit traurigen Realitäten, kurze Alltagsepisoden mit politischer Geschichte, Gezeichnetes mit Bildern aus dem Familienalbum. Vor allem aber öffnet „Mohnblumen aus dem Irak“ die Augen für Ambivalenzen und Zwischentöne, für gebrochene Heimaten und Neu-Angekommene. Ein Buch, das zu Herzen geht und immer wieder gelesen werden kann.

Saskia Geisler aus der Redaktion

Der Junge auf dem Berg

Jugendbuch ab 12
von John Boyne
übersetzt von Ilse Layer
Fischer KJB 2017

Pierrot lebte mit seiner französischen Mutter und seinem deutschen Vater in Paris. Doch als Pierrot vier Jahre alt war, ging sein Vater von zu Hause weg und wurde kurz darauf in Deutschland von einem Zug überfahren. Auch Pierrots Mutter stirbt nur wenig später. Also zieht er für kurze Zeit bei seinem tauben, jüdischen besten Freund Anshel ein. Doch dessen Mutter schickt ihn in ein Waisenhaus. Von dort wird er dann zu seiner deutschen Tante Beatrix, die Hauswirtschaftlerin in einem Ferienhaus von Hitler ist, geschickt. Möglicherweise war das keine gute Idee, denn Pierrot wird immer mehr wie sein neues Idol und verstößt sogar seinen besten Freund. Doch das ist nur der Anfang …

Dieses Buch hat mich von außen nicht wirklich inspiriert, doch als ich mit dem Lesen begonnen habe, hat es mich so sehr gefesselt, dass ich es schon nach einem Tag beendet habe. Ich habe viele Gefühle der Personen in diesem Roman geteilt, da John Boyne alles unglaublich wahrheitsgetreu beschrieben hat. Mehrere Personen oder Schauplätze dieses Romans gab es auch in Wirklichkeit, wodurch die gesamte Geschichte noch interessanter wird. Dabei handelt es sich nicht um Personen oder Plätze des Mittelalters, sondern um Menschen und Orten, die es noch zu Zeiten meiner Großeltern gab.

Ich habe oft von Hitler und seinen Taten gehört, doch erst mit diesem Buch habe ich wirklich begriffen, wie grausam er war. Ich fand es schockierend, wie er einen kleinen traurigen Jungen so böse hat werden lassen. Allerdings habe ich mich gefragt, ob Pierrot wirklich unschuldig an seiner neuen Bosheit war, denn eigentlich hätte er auch weiterhin so bleiben können wie er war.

Trotz der vielen Fragen, die ich mir im Laufe der Geschichte gestellt habe, war das Buch von Anfang bis Ende sehr spannend. Ich bin begeistert von diesem Roman und empfehle ihn an Jungen und Mädchen ab 13 Jahren oder älter.

Matteo Schmidt (14) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Illuminae. Die Illuminae-Akten_01

Jugendbuch ab 14
von Amie Kaufman/Jay Kristoff
übersetzt von Gerald Jung/Katharina Orgaß
dtv 2017

Aus heiterem Himmel wird Kady und Ezras Planet angegriffen, doch die beiden seit kurzem getrennten Teenager schaffen es auf ein Evakuierungsschiff und flüchten nun vor dem Feind durchs All. Doch auf dem Raumschiff geht nicht alles mit rechten Dingen zu, es wurde im Gefecht schwer beschädigt und dabei auch seine künstliche Intelligenz. Außerdem hat der Feind eine bis dahin unbekannte Biowaffe eingesetzt, die nun folgenreich Wirkung zeigt.

Die beiden Teenager versuchen nun jeder auf seine eigene Weise mit diesem Schlamassel fertig zu werden, wodurch sie sich unweigerlich wieder näherkommen.

Der Einstieg in dieses Buch ist eher schwer, man wird mitten ins Geschehen geworfen und ist überwältigt von der schieren Masse an neuen Informationen, verloren in einer fremden Welt voller Raumschiffe und fremder Planeten. Man sollte sich von diesen anfänglichen Schwierigkeiten jedoch nicht demotivieren lassen, denn sobald man einen Überblick gefunden hat ist das Buch großartig.

Es besitzt eine einzigartige Gestaltung und ist nicht in einem Fließtext verfasst ist, sondern besteht aus verschieden Dokumenten, wie etwa Chatverläufen und Überwachungsprotokollen. Und obwohl das gesamte Buch nur aus Dokumenten besteht, gelingt es den Autoren sympathische Charaktere zu zeichnen und ein rasantes Handlungstempo mit hoher Spannung zu kreieren.

Ein einzigartiges Buch, das trotz einer Bandbreite von ausgefallenen Szenarien authentisch bleibt und mich überzeugen konnte.

Ellen Bartsch (17) aus der Kinder- und Jugendredaktion

Beitragsbild (Ausschnitt): © AKJ

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