Zwei Athleten, zwei Medien, zwei Rezensenten

Matteo (14) und Leif (13) haben sich den ersten beiden Teilen der Track Series (Leichtathletik-Reihe klingt da etwas uncooler) von Jason Reynolds gewidmet. Der eine lesend, der andere hörend.

[Matteo] Heute stelle ich euch eine außergewöhnliche Serie vor, die mich total begeistert hat. In diesen beiden Romanen geht es um Sport, genauer gesagt um mehrere Nachwuchssportler, die in ein und demselben Leichtathletikverein trainieren. Beide Bücher sind jeweils aus der Perspektive eines dieser Athleten geschrieben. Vom Coverbild her versteht man zwar, dass es sich um eine Serie handelt, doch welches der erste oder der zweite Band ist, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, da weder Nummern noch irgendwelche Hinweise im Klappentext vorhanden sind.

Jugendbuch ab 12
von Jason Reynolds
übersetzt von Anja Hansen-Schmidt
dtv 2018

Jugendbuch ab 12
von Jason Reynolds
übersetzt von Anja Hansen-Schmidt
dtv 2018

Ghost

Die Geschichte beginnt mit „Ghost. Jede Menge Leben“. Darin geht es um einen Jungen, der aus sehr armen Verhältnissen stammt und viele Probleme hat. Er steht kurz vor einem Rauswurf aus der Schule und seitdem er mit seiner Mutter allein leben muss, haben sie auch fast nichts mehr zu essen und stecken in großen finanziellen Schwierigkeiten. Mehr aus Zufall als geplant kommt er in eine Leichtathletikmannschaft, denn eigentlich wollte er dieser nur beim Probetraining zuschauen. Als er aber mit einem der Athleten in Streit gerät, machen sie ein Wettrennen, um diesen zu regeln. Dabei rennt Ghost so schnell, dass der Trainer ihn völlig begeistert in seine Mannschaft aufnehmen will. So wird diese Mannschaft immer mehr zu einer Familie für ihn.

Am meisten an diesem Roman hat mir die Tatsache gefallen, dass es um Leichtathletik geht. Das liegt daran, dass ich selber seit mehreren Jahren auch Leichtathletik betreibe, und in diesem Buch viele verschiedene Trainingseinheiten und Übungen wiedergefunden habe, die ich in Training täglich machen muss. Z. B. absolviert Ghost eine Trainingseinheit, die „Leiter“ genannt wird, in der man erst 400, dann 300, 200, 100 Meter sprinten muss, und dann, nach einer fünfminutigen Pause, die Leiter wieder hinauflaufen muss. Dabei fühlt sich Ghost genauso, wie ich wenn wir dieses Training machen. Deshalb konnte ich mich sehr leicht mit Ghost identifizieren, allerdings nur während dem Training, denn ansonsten ist sein Leben ganz anders als meins. Dank des Sports ist es nicht allzu schwer, das Leben dieses Jungen zu verstehen, obwohl es vollkommen verschieden als das Eigene ist. Der Sport ist auch der Grund, weshalb sich das Leben für Ghost im Laufe der Geschichte vollkommen verändert: Er findet neue Freunde, lernt, sich zu beherrschen, und hat doch endlich Ziele.

Dieses Buch hat mir besonders gefallen, da es ausnahmsweise kein Fantasy, Krimi oder Abenteuerbuch ist, sondern mehrere Szene aus dem normalen Alltag beinhaltet, die einem selbst passieren könnten.

Patina

Im zweiten Roman dieser Reihe „Patina. Was ich liebe und was ich hasse“ setzt sich die Geschichte des ersten Bandes fort. Allerdings ist dieses Buch aus der Perspektive eines anderen Athleten (Patina) geschrieben, die somit in den Mittelpunkt rückt. Im Gegensatz zu Ghost ist Patina keine Sprinterin, sondern eine Langstreckenläuferin. So sind auch ihre Trainingseinheiten meistens getrennt von denen von Ghost, der in diesem Roman deshalb nur eine kleinere Rolle spielt. Im Fokus dieser Geschichte steht diesmal nicht der Sport, sondern das Privatleben, insbesondere das Schulleben, von Patina. Vor kurzem ist sie an einer neuen Schule gekommen, auf der sie sich überhaupt nicht zurechtfindet. In der Schule gibt es keine Jungs, sie müssen Uniformen tragen und die Mädchen sind alle unsympathisch. Doch zum Glück hat sie noch das Rennen, denn dabei regt sie sich ab und vergisst alles um sich herum.

Obwohl es in diesem zweiten Band deutlich weniger um Leichtathletik geht und die Geschichte aus der Sichtweise eines Mädchens geschrieben ist, konnte ich mich dennoch mit Patina identifizieren. Am meisten gefallen hat mir, dass der Verein mit seinen Mitgliedern wie eine Familie ist. In mehreren Szene wird auch verdeutlich, wie wichtig es dem Trainer ist, dass alle zusammenhalten und sich gut verstehen. Der Autor hat es geschafft, den meisten Athleten einen eigenen Charakter zu verleihen. Die Person, die mir insgesamt in beiden Büchern am besten gefallen hat, ist der Trainer. Das liegt daran, dass er sich sehr besorgt um die Sportler kümmert und ihnen nicht nur im Bereich des Sportes hilft. Gut fand ich auch, dass dieser seine Trainertätigkeit vollkommen freiwillig und ohne Bezahlung macht (von Beruf ist er Taxifahrer) und, wenn er kann, den Sportlern seiner Mannschaft auch finanziell unter die Arme greift.

 

Eine weitere Besonderheit dieser Reihe ist die Schriftweise: in „Ghost“ ist jeder Kapitelname ein besonderer Weltrekord (z. B. Kap. 2 „Weltrekord für den kürzesten Testlauf aller Zeiten“ oder Kap. 9 „Weltrekord für das Putzen des schmutzigsten Autos der Welt“), der in dem jeweiligen Kapitel zur Sprache kommt oder sogar erfunden wird. In „Patina“ hingegen heißt jeder Kapitel „Dringend noch erledigen“, gefolgt von einer Liste der Sachen, die die Hauptperson in diesem Kapitel auch erledigt (z. B. Kap. 9 „Dringend noch erledigen: in großen, teuren Häusern über Außerirdische nachdenken (und über Angeberinnen)“). Aus der Leseprobe des dritten Bandes am Ende des Buches versteht man, dass dieser wie ein Tagebuch aufgebaut sein wird, und ich bin gespannt, was sich der Autor schließlich für den vierten Band einfallen lässt.

Ich empfehle diese Reihe wirklich sowohl Jungen als auch Mädchen, denn sie ist keinesfalls geschlechtsbestimmt. Obwohl Leichtathletik eine wichtige Rolle in dieser Serie spielt, würde ich nicht behaupten, dass Jugendliche, die kein Sport machen, diese Romane weniger mögen, denn die erzählte Geschichte wird jeden mitnehmen. Deshalb bewerte ich beide bisher erschienene Teile dieser Buchreihe jeweils mit fünf Sternen.

Matteo Schmidt (14) aus der Kinder- und Jugendredaktion

[Leif]

Hörbuch ab 12
von Jason Reynolds
übersetzt vonAnja Hansen-Schmidt
gelesen von Jörg Pohl

3 CDs, 215 Min.
Hörcompany 2018

Hörbuch ab 12
von Jason Reynolds
übersetzt vonAnja Hansen-Schmidt
gelesen von Jodie Leslie Ahlborn

4 CDs, 330 Min.
Hörcompany 2018

Ghost

Castle Cranshaw, der sich selber den Namen „Ghost“ gegeben hat, musste um sein Leben rennen, als sein Vater auf ihn und seine Mutter schoss. Der Vater sitzt im Gefängnis, seine Mutter macht eine Ausbildung zur Krankenschwester und versucht, sich und Ghost durch zu bringen.
Ghost will Basketballprofi werden. Er sitzt eines Tages im Park und sieht der Laufmannschaft beim Training zu. „So schwer kann das doch nicht sein“ denkt er sich und stellt sich neben einen sehr arrogant wirkenden Läufer, um einfach mal mitzulaufen, denn laufen kann er. Der Trainer sieht sein Talent, denn Ghost hat gewonnen, und lässt ihn mittrainieren. Ob er in die Mannschaft kommt?

Cover: Wie das Buch: ein Junge, der gerade einen Lauf startet!
Sprecher: Jörg Pohl liest fantastisch, ihm zuzuhören, ist die Geschichte live zu erleben!

Was für eine großartige Geschichte! Einfach und so aus dem Leben, zwar vorhersehbar aber wunderschön! Ich stand an der Startlinie mit Herzklopfen und wollte gewinnen. Ich habe mich über einige Stellen köstlich amüsiert, weil „Ghost“, trotz seines Geheimnisses ein cooler, sympatischer und normaler Junge ist!

Kinder von besser verdienen Eltern haben mehr Möglichkeiten, werden oft besser gefördert und erreichen fast immer das, was sie wollen! Das Hörbuch hat mich auch nachdenklich gemacht, wie ungerecht das Geld auf der Welt verteilt ist und wie viele Kinder es gibt, die, statt zu Schule zu gehen, arbeiten müssen – oder eben Kinder wie Ghost, die sich keine Laufschuhe leisten können.
Der Trainer ist mir sehr sympatisch, auch wenn Otis wirklich komisch klingt.  Er kümmert sich so toll um die Mannschaft und hilft den Kindern, etwas zu schaffen. Er ist ein echtes Vorbild, da auch er in der sozial schwachen Gegend, mit einem drogenabhängigen Vater, groß wurde.

3 CDs und somit 3 Stunden und 35 Minuten Hörgenuss ab 12 Jahren, wobei mein Bruder mit fast 11 auch mitgehört, alles verstanden hat und die Geschichte auch toll fand!
Ich gebe dem Hörbuch 5 von 5 Sternen und höre jetzt den Nachfolger „Patina – Was ich liebe und was ich hasse“ und ich bin sehr gespannt!

Patina

Patina Jones hat es nicht leicht im Leben. Der Vater gestorben, die Mutter an Diabetes erkrankt und im Rollstuhl, sodass sich Patina um ihre kleine Schwester Maddy kümmern muss. Zusammen leben die beiden bei ihren Paten, da ein Leben als Familie nicht anders möglich ist.
Patina rennt ihren Problemen hinterher: zielsicher, strebsam will sie sich und den anderen beweisen, dass sie die Beste und Schnellste ist.

Cover: Passt zu „Ghost“ und sieht aus wie das Buch
Sprecher: Jodie Leslie Ahlborn liest die Geschichte gut, manchmal etwas „hektisch“, aber das passt zu Patina.

Patina, das einzige Mädchen der Laufmannschaft „Defenders“, kommt – nach „Ghost“ – in diesem Hörbuch zu Wort. Es geht direkt da weiter, wo „Ghost“ aufgehört hat, nur eben aus Patinas Sicht.
Ich bin immer noch von dem Konzept begeistert, dass jeder Läufer, wie der Protagonist aus „Ghost“, ein eigenes Buch bekommt und ich so jeden besser kennen lernen kann.

Auch Patina hat ein schweres Leben, gerade ist sie überall die Neue, will mithalten und besser sein. Was gleich auffällt, ist, dass sie nur sich selbst vertraut und weniger im Team arbeiten kann. Sie hat Wut in sich, die sie mit Laufen aus sich heraustreibt, die Wut treibt sie an.
Ich bin schon gespannt, was „Sunny“, ab  Februar 2019 im Handel, zu berichten hat.

4 CDs mit einer Länge von etwas über 5 Stunden, die Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren hören und verstehen können.

Ich gebe dem Hörbuch 5 von 5 Sternen, auch wenn ich „Ghost“ spannender fand, mir seine Geschichte mehr zugesagt hat und ich mich besser in ihn reinversetzten konnte, aber das liegt vielleicht daran, dass Patina ein Mädchen ist und ich mich daher nicht so sehr mit ihr identifizieren konnte.

Leif Tammen (13) aus der Hörbuchredaktion

Matteo ist 14 Jahre alt und seit fünf Jahren Redakteur bei buecherkinder.de. Am liebsten liest er Abenteuerbücher, doch er mag auch andere Genres, nur Sachbücher liest er ungern. Er lässt sich auch nicht von sehr dicken Büchern erschrecken! Wenn er nicht liest, geht er meistens zum Leichtathletiktraining, und dies fünf Mal die Woche.

 

Leif ist 13 1/2 Jahre alt, kommt aus Hannover und ist neben zwei jüngeren und einem älteren Bruder der vierte aus der Familie, der für Bücherkinder rezensiert. Er geht in die 7. Klasse des Herschelgymnasiums. Als Ausgleich hört er Hörbücher und liest auch gerne Bücher. Zudem fährt er gerne Inliner oder Fahrrad und beschäftigt sich sonst mit seinem Laptop und vielen verschiedenen Konsolen.

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