10 Fragen an Julia Bousboa

Uns alle verbinden gute Geschichten und die Leidenschaft, Kinder und Jugendliche für diese zu begeistern. Im Rahmen der Bücherkinder-Interview-Reihe möchte ich diese Menschen vorstellen.

Wer sind Sie und wie sieht Ihre Arbeit mit Kinderbüchern aus?
Mein Name ist Julia Bousboa, ich bin Literaturwissenschaftlerin und Mutter von drei Söhnen. In meinem Berufsleben bin ich Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, in meinem Privatleben blogge ich über Kinderbücher auf Juli liest – und manchmal kann ich diese beiden Bereiche miteinander verbinden, das ist dann besonders schön.

Wie würden Sie sich aktuell in drei Hashtags (#) beschreiben?
#müde #fussballmutti #lesenbildet

Welches Buch liegt derzeit ganz oben auf Ihrem Nachttisch und warum?
„Kriegsenkel“ von Sabine Bode. Ich finde es erschreckend, wie stark sich die Traumata der Kriegsgeneration noch auf die zweite und dritte Generation auswirken. Viele Familiengefüge stehen durch Kriegs- und Fluchterfahrung auf ganz wackeligen Beinen und über diese Wackeligkeit wird einfach nicht gesprochen. Darüber möchte ich gern mehr erfahren, um zu verstehen und um einen Umgang damit zu finden.

Wie beeinflusst Ihre Arbeit für Kinder und Jugendliche Ihre Sicht auf die heutige Gesellschaft und unsere Welt?
Es ist ein wenig andersherum: Die Einblicke, die ich als Mutter und in meiner Zeit in der Schulsozialarbeit in einem „schwierigen“ Stadtteil bekommen habe, beeinflussen meine Arbeit an dem Blog. Als ich den Blog 2015 gestartet habe, war es mir wichtig, tolle Kinderbücher aus kleinen Verlagen zu zeigen, die in den Buchhandlungen zwischen den Kampagnen der großen Verlage untergehen. Dieser Schwerpunkt hat sich durch meine Erlebnisse auf dem Schulhof und den Rechtsruck in Deutschland verlagert. Ich möchte auf meinem Blog nun vor allem Bücher zeigen, die Kindern die Welt erklären – und zwar sowohl auf der Sachebene als auch auf der emotionalen Ebene. In Zeiten von Fake News, Klimawandelleugnern und Präsidenten, die Mauern bauen wollen, müssen wir Kindern Zugang zu Wissen und zu Büchern ermöglichen, die sie zu aufgeklärten Erwachsenen werden lassen. Deshalb hoffe ich, dass ich mit meinem Blog insbesondere Pädagogen erreiche, die auf Juli liest Anregungen für tolle Bücher zu bestimmten Themen bekommen und schon im Kindergarten und in der Grundschule Lust auf Lesen verbreiten.

Was ist die treibende Kraft, auch weiterhin was mit Kinderbüchern zu machen?
Eigentlich das, was ich oben beschrieben habe. Ich möchte ein Nachschlagewerk im Internet sein, das man aufruft, wenn man zu einem bestimmten Thema Kinderliteratur sucht. Für mehr als den Vorlesetag (z. B. ehrenamtliches Engagment in diesem Bereich) fehlt mir als berufstätige Mutter momentan leider die Zeit. Doch das kann und wird sich ja auch wieder ändern!

Wie begeistern Sie potenzielle Nichtleser für das Buch?
Das kann ich gar nicht sagen, auf meinen Blog verirren sich vermutlich nur literaturaffine Menschen… Vielleicht durch stetiges Nachfragen und Interesse an diesem Nichtleser. Mit irgendwas wird man ihn schon kriegen! 😉 Und mit Offenheit: „Mein Sohn liest leider nur Comics!“ – warum „leider“? Er liest. Und es gibt tolle Comics. Also: Alles ist gut.

Was macht für Sie ein gutes Kinderbuch aus?
Ein gutes Kinderbuch erzählt für mich nicht den Einheitsbrei, den das Kind schon hundertmal irgendwo anders gesehen hat. Es hat vielfältige Protagonisten und Familienkonstellationen und im Bestfall wird das gar nicht thematisiert. Ich mag es, wenn Kinderbücher mit den Erwartungen von Erwachsenen und Kindern brechen und so zum Staunen, Nachdenken und Reden anregen. Bücher können wirklich das Tor zur Welt sein – das sollte man nicht mit rosa Prinzessinnen, blauen Piraten und Familien, an denen die 50er Jahre ihre wahre Freude hätten, kaputt machen.

Wie hat sich Ihre Arbeit mit fortschreitender Digitalisierung verändert?
Ohne Digitalisierung kein Blog! 🙂 Ich bin allgemein ein Riesenfan des Internets, aber am tollsten finde ich die unkomplizierten Kommunikationswege. Vor einigen Jahren wäre es noch unvorstellbar gewesen, wie viele tolle Sachen man durch eine Direktnachricht auf Instagram auf den Weg bringen kann – mit Menschen, die man noch nie persönlich getroffen hat!

Welche sozialen Netzwerke nutzen Sie und warum?
Ich nutze täglich Twitter als Nachrichtenquelle und um einen Überblick über aktuelle Ereignisse zu bekommen. Mit Facebook bin ich nie warm geworden, aber mit Instagram freunde ich mich gerade langsam an – wobei aus mir weder ein Bookstagrammer noch eine Instamom werden wird, dafür habe ich einfach keine Geduld (und dafür ist es bei uns auch einfach zu unordentlich)!

Mit welchem Kinderbuchmenschen sollten wir dieses Interview unbedingt mal führen?
Aus aktuellem Anlass fällt mir sofort Mehrdad Zaeri ein, ansonsten lohnt sich immer ein Gespräch mit Ute Nöth vom Carlsen Verlag, weil sie einfach eine tolle und warmherzige Frau ist, die sich richtig gut auskennt. Und unbedingt mit Nikola Huppertz, die seit längerem zu den TOP 3 meiner Lieblingskinderbuchautorinnen zählt. Wer so empathische Bücher schreibt, muss viel zu erzählen haben.


Blog von Julia Bousboa
Fotos: © Irina Höft

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