10 Fragen an Andrea Schomburg

Uns alle verbinden gute Geschichten und die Leidenschaft, Kinder und Jugendliche für diese zu begeistern. Im Rahmen der Bücherkinder-Interview-Reihe möchte ich diese Menschen vorstellen.

© Agnieszka Kosakowskaja

Wer sind Sie und wie sieht Ihre Arbeit mit Kinderbüchern aus?
Mein Name ist Andrea Schomburg und ich bin Kinderbuchautorin und Universitätsdozentin. An der Uni gebe ich unter anderem Seminare zum Bereich Kinderliteratur für zukünftige LehrerInnen.

Wie würden Sie sich aktuell in drei Hashtags (#) beschreiben?
#atemlos #aktiv #wuselig

Welches Buch liegt derzeit ganz oben auf Ihrem Nachttisch und warum?
„Damals“ von Siri Hustvedt. Den englischen Titel finde ich noch interessanter: „Memories of the Future“. Ich mag die Art, wie Siri Hustvedt über den Prozess des Denkens und Sich-Erinnerns schreibt, ihre eigene Biographie verrätselt und verändert, ich mochte auch schon sehr „Die Leiden eines Amerikaners“, wo sie Aufzeichnungen ihres Vaters und eigene Erfindungen zu einer ganz neuen Geschichte komponiert. Ich mag ihre Kombination von Kenntnisreichtum, (z. B. über Literatur, Philosophie und Neurowissenschaft), und Kreativität. Und was ich sonst immer wieder lese, ist Thomas Mann, rauf und runter und in jeder Form und Gestalt. ☺

Wie beeinflusst Ihre Arbeit mit bzw. für Kinder und Jugendliche Ihre Sicht auf die heutige Gesellschaft und unsere Welt?
Ich habe immer gefunden, dass Kinder und Jugendliche total kreativ sind und kritisch und das Herz auf dem rechten Fleck haben und auch, wenn sie nicht „formal“ gebildet sind, oft eine Herzensbildung haben, die man bei machen Erwachsenen vergeblich sucht …. Und da man ja bekanntlich nur mit dem Herzen gut sieht, haben Kinder auch oft einen Blick für das Wesentliche.
Und ich habe immer gedacht, dass Kinder eigentlich viel mehr Möglichkeiten bekommen sollten, kreativ zu arbeiten und dass das heutige Schulsystem mit seinen ständigen Evaluationen und Vergleichsarbeiten dafür immer weniger Möglichkeiten bietet. Der Film „Alphabet“ von Erwin Wagenhofer hat mich in diesem Zusammenhang sehr beeindruckt. Er zeigt, wie sehr die Schule in fast allen Ländern die natürliche Neugierde und Begeisterungsfähigkeit der Kinder durch Leistungsdenken ersetzt, von rühmlichen Ausnahmen, die es zum Glück gibt, einmal abgesehen. Dennoch – oder gerade deshalb – bin ich immer wieder begeistert von GrundschullehrerInnen, die im Rahmen dieses Systems eine so tolle und engagierte Arbeit leisten, dass man sie eigentlich in Gold fassen müsste. Erschreckend fand ich die Aussage einer Grundschullehrerin, die in einem Interview sagte, dass viele Kinder gar nicht mehr wissen, was sie in der freien Pausenzeit machen sollen, wenn sie keine elektronischen Medien zur Verfügung gestellt bekommen.

Was ist die treibende Kraft, auch weiterhin was mit Kinderbüchern zu machen?
Ich fabuliere gern. Diese Fabulierkraft kann sich im Kinderbuch voll entfalten. Und danach kann ich in Lesungen mit den Kindern diskutieren und lachen, – super! Und der Austausch mit den vielen tollen Kinderbuchmenschen in den Verlagen, mit Illustratorinnen, mit KollegInnen – das ist schon großartig und sehr inspirierend.

Wie begeistern Sie potenzielle Nichtleser für das Buch?
Ich bin auf dem Weg, Bücher in einfacher Sprache zu schreiben und hoffe, auf diesem Weg auch solche Kinder und Jugendliche zu erreichen, denen das Lesen schwerfällt. Und für diejenigen, die einfach keine Lust zum Lesen haben, für die versucht ich halt, so spannend und lustig wie möglich zu schreiben. Und, mit meinen Pappbilderbüchern, Kinder schon in ganz jungem Alter zu erreichen. Aber ich kann da eigentlich gar nicht SO viel machen – möglichst frühes, liebevolles und kuscheliges Vorlesen und Bücher anschauen in den Familien, das macht zukünftige Leser – mehr, als wir Autoren das jemals bewirken können.

Was macht für Sie ein gutes Kinderbuch aus?
Spannung, Fantasie, Humor, eine überzeugende Geschichte, sprachliche Qualität, Originalität und Kreativität und eine Leseransprache auf Augenhöhe.

Wie hat sich Ihre Arbeit mit fortschreitender Digitalisierung verändert?
Kaum. Als ich anfing zu schreiben, gab es natürlich bereits E-Mail etc. Ich schreibe am PC und verschicke meine Manuskripte per Mail – und in diesem Bereich finde ich die Digitalisierung extrem praktisch und zeitsparend.

Welche sozialen Netzwerke nutzen Sie und warum?
Ich habe eine Facebook-Seite, allerdings nur für Facebook-„Freunde“. Ich finde es praktisch, über dieses Medium über Lesungen, Neuerscheinungen etc. zu informieren und mit anderen Büchermenschen auf unkomplizierte Art in Kontakt zu bleiben. Außerdem schreibe ich manchmal für den Spreeautorenblog in Berlin, z. B. als „Schomburgs Reimomat“, der sich in Reimen zur Situation von Kreativen äußert. Und stimmt, ich bin ja auf Instagram – aber da muss ich mich zu regelmäßigen Beiträgen noch motivieren…

Mit welchem Kinderbuchmenschen sollten wir dieses Interview unbedingt mal führen?
Mit Julia Süßbrich, (Übersetzerin und Journalistin), die sich unglaublich engagiert für die Entstehung von Büchern in leichter Sprache einsetzt, und Jutta Nymphius, einer tollen Kinderbuchautorin, die mit Stephanie Taschinski und mir das Hamburger Kinderbuchnetzwerk „Elbautoren“ gegründet hat und unfassbar aktiv, energisch und kraftvoll für die Elbautoren (und damit für das Kinderbuch in Hamburg überhaupt) tätig ist.


Webseite von Andrea Schomburg. Und HIER geht es zu den Elbautoren.
Titelbild: © Hilmar Herweg, Berlin

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