Schau mal, was ich kann, Pettersson!

Grauenhaft grimmig, verschroben vergnügt – Zum neuen „Pettersson und Findus“-Band lohnt sich ein Rückblick auf die ganze Reihe, meint Saskia aus der Bilderbuchredaktion.

Gleich vorweg: Ich bin Fan. Durch und durch. Und schon immer. Ich kann mich nämlich gar nicht mehr erinnern, wann ich den alten Mann Pettersson und seinen Kater kennengelernt habe. Sie gehören zu meinem Leben wie, tja, wie Pu der Bär oder Michel aus Lönneberga. – Gute alte Freunde eben. Es wird nicht überraschen, dass mein Herz da einen kleinen Hüpfer machte, als es hießt, dass Sven Nordqvist eine neue Geschichte mit den beiden entwickelt hat.

Aber bevor wir zum neuesten Band kommen, erst einmal ein bisschen was zu den „alten“ Geschichten.

Ein Blick zurück

Pettersson und Findus sind ja mittlerweile echte Erfolgsfiguren und es gibt die Geschichten sowohl als Hörspiele als auch verfilmt. Für mich ganz persönlich sind die Bücher allerdings immer noch das tollste (auch wenn die Adaptionen gut gemacht sind). Das liegt daran, dass es hier auf jeder Seite Wundersames zu entdecken gibt. Es ist Sven Nordqvists Liebe zum Detail, die jede einzelne Illustration zu einem wahren Schatz macht: Ob es um die Bilder geht, in denen Findus mal wieder wie wild durch die Gegend hüpft-springt-rennt-tobt, was Nodqvist dadurch einfängt, dass er den Kater in den unterschiedlichsten Positionen direkt hintereinander im selben Bild darstellt und so den Eindruck eines Daumenkinos im Einbildformat schafft, oder um die vielen kleinen Verschrobenheiten wie eine Regentonne, die aussieht wie eine geöffnete Dose Mais. Kleines kann riesig werden und Riesiges klein, Nordqvists Perspektivverschiebungen sind immer für eine Überraschung gut. Und lassen uns die Welt mit neuen Augen sehen.

Und dann sind da natürlich noch die Mucklas! Die Mucklas wohnen beim Alten und seinem Kater. Pettersson kann sie war nicht sehen, Findus aber schon und – was für ein Glück! – wir auch. Diese kleinen Wesen haben die unterschiedlichsten Farben und Formen. Mal haben sie nur Quatsch im Kopf und mal sind sie Miniaturputzfrauen, die sich über die Unordnung aufregen. Auf jeden Fall aber sind sie der Beweis dafür, dass die Welt deutlich bunter und wundersamer ist, als wir oft meinen mögen.

Doch es sind natürlich nicht ausschließlich Nordqvists Illustrationen, die Pettersson und Findus so liebenswert machen. Die Geschichten um den Alten und seinen Kater sind echte All Ager im besten Sinne, denn sie spiegeln die Beziehung zwischen Eltern und Kind und jede*r dürfte sich hin und wieder in einem der beiden wiederfinden.

Die Bücher wenden sich teilweise durchaus komplexen Problemen zu. Sind die allerersten Bände „Eine Geburtstagstorte für die Katze“ (1984) und „Ein Feuerwerk für den Fuchs“ (1987) noch eher reine Abenteuergeschichten, in denen Pettersson und Findus gemeinsam Probleme lösen (und von den Nachbarn für komplett verrückt erklärt werden), ist „Armer Pettersson“ (1988) deutlich tiefsinniger. Hier hat Pettersson furchtbar schlechte Laune. Richtig griesgrämig ist er. Findus braucht wirklich all seinen Erfindungsreichtum, um den mürrischen Alten nach draußen zu locken und wieder zu guter Laune zu bringen.

In allen Bänden geht es um Beziehung. Darum, wie wir Rücksicht auf den anderen nehmen können, aber auch, wie wir unsere eigenen Bedürfnisse erfüllen können. Und darum, wie schön es ist, jemanden zu haben, der das Leben mit einem teilt. Ganz besonders ist dies in „Wie Findus zu Pettersson kam“ (2002) und in „Findus zieht um“ (2013) der Fall. Dass wir uns allerdings nicht immer mit allen gut verstehen können, zeigt „Findus und der Hahn im Korb“ (1997), denn Findus und der neue Hahn auf dem Hof verstehen sich wirklich ganz und gar nicht. Bemerkenswert ist hier, dass am Ende keine Versöhnung zwischen den beiden erreicht wird – und vielleicht ist das wiederum auch das Besondere an den „Pettersson und Findus“-Büchern. So, wie es vollkommen in Ordnung ist, ein wenig eigenbrötlerisch und verschroben zu sein, so darf jede*r auch mal schlechte Laune haben und so müssen wir uns eben nicht immer vertragen. Das Leben ist nicht nur Harmonie, auch nicht im Bilderbuch.

Sind die meisten „Pettersson und Findus“-Texte klassisches Bilderbuchformat, gibt es auch noch „Morgen, Findus, wird’s was geben“ (1995), das ein ausgewachsenes Weihnachtsvorlesebuch ist. Zwar wird es vom Verlag wie die Bilderbücher ab 4 Jahren empfohlen, allerdings müssen die Kinder hier schon etwas mehr Zuhördurchhaltevermögen mitbringen. Das wird allerdings reichlich belohnt! In diesem Text bekommen allerlei skurrile Charaktere den Raum, der in den Bilderbüchern oft fehlt. Die Muckla-Putzfrau kommt endlich zu Wort, wir lernen einen verrückten Briefträger und einen wahnwitzigen Vertreter kennen, ganz zu schweigen von Kiste in ihrem Kistenladen – wo wir auch gleich bemerken, dass Beziehungen zwischen Erwachsenen nicht immer rund laufen müssen. Jedenfalls nicht, wenn die eine von der Löwenjagd in Afrika träumt und der andere immer bloß Kisten in einem Kistenladen verkaufen will. Vor allem aber lernen wir, dass Weihnachten eine Zeit der kleinen feinen Wunder ist. Ein Weihnachtsbuch mit Wohlfühl-Warm-im-Bauch-Garantie, was allerdings auch für das deutlich kürzere Bilderbuch „Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch“ (1989) gilt.

Schau mal, was ich kann, Pettersson!

Das neue Buch nun unterscheidet sich in Format und Erzählung so sehr von den anderen wie „Morgen, Findus, wird’s was geben“ – bloß in die andere Richtung.

„Schau mal, was ich kann, Pettersson!“ wird vom Verlag ab 3 Jahren empfohlen und diese veränderte Zielgruppe ist dem Text deutlich anzumerken. Viel knapper ist er und Pettersson und Findus werden als bekannte Charaktere mehr oder weniger vorausgesetzt, zumindest aber nicht so ausführlich eingeführt wie in den anderen Büchern. Dafür ist auch kaum Raum, denn es geht sofort los: Findus will Pettersson zeigen, was er alles kann und Pettersson nicht. – Eine ganze Menge, wie sich zeigt. Ein alter Mann ist eben kein junger Kater, keine Frage. Doch es stellt sich heraus, dass auch Pettersson viele Dinge kann, die Findus vielleicht nicht ganz so gut hingekriegt hätte.

„Schau mal, was ich kann, Pettersson!“ ist also wieder ein Buch darüber, wie schön es ist, dass wir Freunde haben, die uns ergänzen. Es geht um Beziehungen und Offenheit füreinander. Und natürlich auch ein bisschen darum, wie toll es ist, Dinge besser zu können als andere. Trotzdem seien alle Fans vorgewarnt: Der Text ist deutlich weniger komplex als die bisher gewohnten Geschichten. Der Charakter des All Agers geht dadurch ein klein wenig verloren. Die Illustrationen überzeugen jedoch nach wie vor und Pettersson und Findus bleiben in ihrer Einzigartigkeit Charaktere, die das Herz erobern!

Wer übrigens echter Nordqvist-Fan ist und ein wenig die Entwicklung seines Werks bestaunen möchte, dem sei „Eine Bilderreise“ (2016) empfohlen. Das Buch ist sozusagen eine illustrierte Autobiographie, die Einblick in das facettenreiche Schaffen des Schweden gibt, der sich selbst ein wenig im eigenbrötlerischen Pettersson gespiegelt sieht.

Für mich sind und bleiben die „Pettersson und Findus“-Bücher echte Klassiker, die in jedes Buchregal gehören. „Schau mal, was ich kann, Pettersson!“, könnte dabei das Buch werden, das für viele das erste ist – und für uns Vorleser*innen die Vorfreude steigert schon bald die komplexeren Geschichten zu Ohr bringen zu können. Daher: Volle fünf Sterne, für jeden einzelnen Band, und nicht verblassende Begeisterung für diesen liebenswerten Alten und seinen vorwitzigen Kater.

Alles über Pettersson und Findus bei Oetinger.

Saskia Geisler aus der Bilderbuchredaktion

Saskia Geisler ist riesiger Kinder- und Jugendbuchfan. Wenn sie gerade nicht schmökert oder mit ihrem Hund unterwegs ist, schreibt sie ihre Doktorarbeit im Fach Geschichte. – Darum blogt sie unter lies-geschichte.de auch über historische Themen in Kinder- und Jugendbüchern. Seit Ende 2014 ist sie bei buecherkinder.de dabei.

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