Nominierungen Bilderbuch #djlp19

Seit 1956 zeichnet der Deutsche Jugendliteraturpreis jährlich herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur aus. Die Bilderbuch-Redaktion hat einen Blick auf einige in der Kategorie Bilderbuch nominierten Bücher geworfen.

Zwei für mich, einer für dich

Bilderbuch ab 3
von Jörg Mühle
Moritz 2018

Leider ohne Bewertung

Der Wolf, die Ente & die Maus

Bilderbuch ab 4
von Mac Barnett
illustriert von Jon Klassen
übersetzt von Thomas Bodmer
NordSüd 2018

Eine Maus wird von einem Wolf gefressen – Ende der Geschichte? Im Gegenteil! Denn genau genommen wird sie nur verschluckt, und das macht einen großen Unterschied. Im Magen des Wolfs wohnt nämlich bereits ziemlich gemütlich und zufrieden eine Ente, und die zeigt der Maus, dass man es dort wirklich nett haben kann. Als die Maus sich zum Bleiben entschließt, feiern die beiden prompt eine Party, von der der Wolf Magengrummeln bekommt – und raten ihm, als er zu Stöhnen beginnt, sogleich, einfach leckeren Käse und Wein zu fressen …
Leider jedoch zieht der schlappe und kränkliche Wolf auch die Aufmerksamkeit des Jägers auf sich, und als es brenzlig wird, sind somit auch Maus und Ente wieder in Gefahr. Klar, dass sie um ihr Zuhause kämpfen! Aber als sie den Wolf gerettet haben und von ihm einen Wunsch gewährt bekommen – wonach sehnen sie sich da wohl am meisten? Die Freiheit ist es nicht …

Eine ausgesprochen humorvoll und augenzwinkernd erzählte, raffinierte und clevere Geschichte, deren Humor kleine wie große Leser und Betrachter begeistert. Jon Klassens unverwechselbarer Stil passt perfekt zu den kauzig-unkonventionellen Charakteren, und der Text, der zwischen den Zeilen viel Raum zum Ergänzen und Interpretieren lässt, regt zusätzlich die Fantasie an. Ein rundum gelungenes Werk, wenn auch erst für erfahrenere Bilderbuchgenießer.

Fabienne Pfeiffer aus der Bilderbuchredaktion

Polka für Igor

Bilderbuch ab 5
von Iris Anemone Paul
Kunstanstifter 2018

Igor ist ein ehemaliger Zirkushund. Seine Tage im Zirkus sind jedoch längst vorbei. Trotzdem schwelgt er vorwiegend zu Schallplattenklängen über vergangene Zeiten. Ein dankbarer Zuhörer dabei ist Ola. Die Geschichten sind bestückt mit Melancholie, viel Kreativität aber vor allem mit einer großen Portion Phantasie. Die Autorin versteht es wunderbar die Erlebnisse von Igor in einer unglaublich umschreibenden Wortwahl auf feinfühlige Weise zu erzählen. Dabei erlebt der Zuhörer einen wahrlichen Ohrenschmaus, der vom gewöhnlichen Erzählstil abweicht und jedem einzelnen Wort seine ganz eigene Bedeutung zuteilwerden lässt.

Die Illustrationen sind im Siebdruck ebenfalls von der Autorin gestaltet, was dem Ganzen eine ganz besondere Harmonie vermittelt. Trotzdem ist es für jüngere Leser im Alltagsgebrauch eher erst nach dem zweiten oder dritten Lesen verständlich. Auch ist meist die Vorstellungskraft über die beschriebenen Erlebnisse noch nicht so ganz vorhanden, sodass dieses Bilderbuch Fragen aufwirft. Im Kontext betrachtet bietet es jedoch eine Bereicherung des literarischen Gutes und ist verdient für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Eva Wimmer aus der Bilderbuchredaktion

Wer hat die Brücke angemalt?

Bilderbuch ab 6
von Dave Eggers
illustriert von Tucker Nichols
übersetzt von Peter und Sophie Torberg
Diogenes 2018

Ein dickes, teures Kunstbilderbuch über die Geschichte der Golden Gate Bridge – kann das überzeugen? Aber ja! Herausgekommen ist nämlich nicht nur eine tolle Hommage an ein Stück amerikanische Kulturgeschichte, sondern eine atmosphärische, stellenweise geradezu sonderbar rührende und starke Erzählung, die auch und vielleicht vor allem Erwachsenen ans Herz gehen wird.

Am Anfang steht eine Bucht, die in den Pazifik mündet und die Anwohner zu langen Umwegen zwingt, da eine Brücke fehlt. Also muss diese Brücke her. Sie soll aber nicht die Landschaft verschandeln, sondern hübsch anzusehen sein. Und so stürzen sich die Menschen in die Planung, es werden Architekten und Ingenieure herangezogen, alle arbeiten mit Herzblut an einer Lösung des Brückenproblems – und zwar haben sie bald eine tolle Konstruktion gewählt und machen sich eifrig an den Aufbau, doch die Frage, welche Farbe das Bauwerk am Ende haben soll, wird immer wieder aufgeschoben. Am besten vielleicht ein seriöses Grau – bewährt, bekannt, solide … aber irgendwie langweilig. Keiner ist wirklich zufrieden damit, aber eine bessere Lösung weiß auch niemand. Bis eines Tages dem Architekten Irving Morrow auffällt, dass die rostrote Rostschutzfarbe, mit der die Stahlträger provisorisch bepinselt worden sind, eigentlich doch sehr hübsch ausschaut …

Eine in reduzierten, dadurch aber umso ausdrucksstärkeren Collagen umgesetzte, beinahe ein wenig kauzig, aber ungeheuer warmherzig formulierte Geschichte, die immer wieder verblüfft – beinahe mehr darüber, wie sehr ein vermeintlich so trockenes Thema berühren und begeistern kann, als durch den eigentlichen Inhalt, auch wenn dieser ebenso kleine wie große Leser in seinen Bann schlägt. Ein echter Schatz, der keinesfalls ungehoben bleiben sollte.

Fabienne Pfeiffer aus der Bilderbuchredaktion

Stadt am Meer

Bilderbuch ab 6
von Joanne Schwartz
illustriert von Sydney Smith
übersetzt von Bernadette Ott
Aladin 2018

Schon auf dem Titelblatt dieses Buches fällt dem Leser sofort das Funkeln des Meeres ins Auge – und die scheinbar aus dem Meer hervorkommende Schrift, schwarz, wie mit einem Pinsel gemalt. Schwarz begegnet uns auch auf dem Vorsatzblatt. Besser gesagt: Pechschwarz, Nachtschwarz, Kohleschwarz. Schwarz ist ein vorherrschendes Thema dieses Buches, was aber keinesfalls negativ oder depressiv zu bewerten ist. In diesem Buch geht es um Kohle. Und Bergmänner. Und das Leben in krassen Gegensätzen.
Über Tage: Die Familie. Das Meer. Die Wellen. Sonnenschein. Sommertage. Schaukeln.
Unter Tage: Dunkelheit. Harte Arbeit. Gefahr. Kameradschaft. Und ein Familienvater, der diese Dunkelheit unter Tage täglich auf sich nimmt, um seine Familie über Tage zu ernähren. Wie schon Generationen von Bergmännern vor ihm. Wie auch sein Vater.
Ein kleiner Junge mit schwarzen Haaren führt den Leser durch seinen Alltag. Erzählt von den vielen kleinen Dingen, die ihm täglich Freude bereiten. Von der Verantwortung, die schon jetzt beginnt, im Alltag. Davon, dass er verstanden hat, dass auch er eines Tages, bald, das Tageslicht hinter sich lassen und in die Kohlegrube einfahren wird. Er erzählt auch von den kleinen Gesten seiner Eltern, die Ihre Liebe kommunizieren, und der Familienzeit welche dem Vater seine Arbeit erträglicher macht. Auch die Gefahr im Alltag klingt leise an, und die Sorge der Familie über Tage, welche mit ihren Gedanken unter Tage weilt.

Ein bildgewaltiges Buch, welches mit wenigen Worten auskommt. Die Geschichte ist alltagsnah erzählt. Kinder können sofort einen Bezug zu dem kleinen Jungen herstellen, obwohl er namenlos bleibt. Mein Sohn war sehr angetan von diesem Buch und hat gespannt zugehört. Er hatte viele Fragen. Wir haben ebenfalls einen Bergmann unter unseren Vorfahren, was ihm das Thema des Buches sehr nahe gebracht hat. „Stadt am Meer“ hat uns beide sehr nachdenklich gestimmt.

Miriam Enzmann aus der Bilderbuchredaktion mit Arno (5)

Unsere Ferien

Bilderbuch ab 8
von Blexbolex
Jacoby & Stuart 2018

Ein Mädchen verbringt ihre Ferien in schöner Harmonie, bis eines Tages ein Dickhäuter in ihr Leben tritt und ihre Idylle kläglich stört. Der kleine Elefant will ihr nichts böses, ist nur ein kleiner Tollpatsch, was das Mädchen aber schier zur Weißglut bringt. Folgedessen schüttet sie ihm beispielsweise Wasser über, oder nimmt ihm den Ball weg.

Dieses Bilderbuch kommt ganz ohne Text aus, die farbigen Bilder sind in dunkleren Farbtönen gehalten, extrem aussagekräftig und vermitteln treffend die gewollte Stimmung. Sie „beschreiben“ die Situation sehr eindeutig, sodass die Geschichte rein durch die Bilder erzählt wird. Etwas nachteilig ist, dass kein einleitender Text vorhanden ist, da sich erst durch die kurze Inhaltsangabe auf der Rückseite die grundsätzlichen Beziehungsverhältnisse klären. Trotzdem kann die Geschichte nicht nur durch die Bilder gesehen, es kann selbst eine Geschichte erfunden und bei wiederholtem Betrachten in veränderter Form jederzeit neu wiedergegeben werden.

Eva Wimmer aus der Bilderbuchredaktion

Beitragscollage erstellt aus dem Plakat von Øyvind Torseter
Online-Bestellmöglichkeit bei der Buchhandlung meines Vertrauens mit Klick auf den Titel des Buches

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