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Hörbuchkritiker gesucht!

Für die noch ziemlich verwaiste Rubrik „Hörbücher“ auf Buecherkinder.de suche ich Nachwuchsredakteure zwischen 9 und 15 Jahren, die besonders gerne Hörbücher hören.

Die derzeit rund vierzig lesenden Kinder und Jugendlichen der Redaktion haben ihren Schwerpunkt in der Besprechung aktueller Print-Titel und nur wenige unter ihnen geben hin und wieder einen Hörbuchtipp ab – deshalb auch die derzeit überschaubare Anzahl in dieser Kategorie. Dies soll sich jetzt ändern!

Wenn du zu denjenigen gehörst, die Geschichten lieber auf die Ohren kriegen als in der Hand halten, dann bist du in der zukünftigen Buecherkinder-Hörbuch-Redaktion genau richtig!

Ich versorge dich mit aktuellen Hörbuchern auf CD und im Gegenzug erhalte ich von dir einen Hörbuchtipp für die Webseite. Interessiert? Dann melde dich – gerne mit einer ersten Hörbuchrezension – per Mail bei mir und ich schicke dir weitere Infos zu. Ich freue mich, von dir zu hören 🙂

Foto: CC0 DS-Foto/Pixabay

 

 

Tief berührend: Mein Freund Pax

Eigentlich überlasse ich schon seit Jahren das Schreiben von Rezensionen den rund vierzig Kindern und Jugendlichen der Redaktion. Zumindest auf der Webseite. Doch hin und wieder tauchen im Stapel der Leseexemplare Bücher auf, die auch für mich als erwachsener Leser so besonders sind, sich auf ihre Art aus der Masse der Neuerscheinungen abheben, dass ich nicht umhin komme, euch von ihnen zu erzählen. Häufig sind dies Geschichten, die mich ganz tief drinnen berühren, die mich mit einer wohligen Wärme im Bauch zurücklassen, die schlicht und ergreifend ein Geschenk sind. „Mein Freund Pax“ ist so ein Buch.


Mein Freund Pax
von Sara Pennypacker, aus dem Englischen von Birgitt Kollmann, mit Illustrationen von Jon Klassen, Fischer Sauerländer 2017
304 Seiten, 34 Kapitel – für Leserinnen und Leser ab 10 (und älter)


Von außen

Cover: Mein Freund PaxPeter hat den Fuchswelpen Pax vor dem sicheren Tod gerettet und aufgezogen – seitdem sind die beiden unzertrennlich.

Peter und Pax verstehen sich ohne Worte, und nur zusammen fühlen sie sich ganz. Aber dann kommt der Krieg und reißt die beiden auseinander.

Zwischen ihnen liegen Hunderte von Kilometern und warten tausend Gefahren, doch von ihrer Sehnsucht getrieben, kennen die beiden nur einen Gedanken: den anderen wiederzufinden …

 

 

Letztlich sind es immer Cover und Klappentext, die einen zunächst nach einem Buch greifen lassen. Bei „Mein Freund Pax“ war es tatsächlich das Wort Pax, das mich zunächst neugierig machte. Ein Fuchs, der Frieden heißt und laut Klappentext in Zeiten des Krieges mit einem Jungen befreundet ist, das war definitiv Stoff, den ich noch nicht gelesen hatte. Tatsächlich war ich auch ein wenig überrascht davon, dass Jon Klassen dem Buch Illustrationen beisteuerte. Zum einen, weil es bei Büchern ab einem gewissen Lesealter durchaus normal ist, dass sie ohne Innenillustrationen auskommen, zum anderen weil  Jon Klassen hauptsächlich für seine außergewöhnlichen Bilderbücher bekannt ist. Doch gerade er erweist sich als Glücksgriff, denn seine auf das Wesentliche zurückgenommenen Schwarzweiß-Illustrationen – zwölf an der Zahl – unterstreichen diese außergewöhnliche, ja poetische Freundschaftsgeschichte.

Von innen

Ich bin ehrlich, ich hatte eine einfache Freundschaftsgeschichte zwischen einem Fuchs und einem Jungen erwartet: Die zwei sind beste Freunde, werden getrennt, finden über Umwege wieder zusammen, sind glücklich. End of story. So kann man sich täuschen!

Der aus zwei Perspektiven erzählte Roman – ein allwissender Erzähler berichtet im Wechsel aus der Sicht von Peter bzw. Pax – beginnt mit der durch den Krieg bedingten Trennung der beiden Freunde. Und schon im ersten Kapitel kann man sich der Kraft und der Tiefe ihrer Liebe zueinander nicht entziehen. Die beiden sind zwei und doch nicht zwei, ein buddhistischer Gedanke, der später im Buch noch erklärt werden soll.

Sowohl Junge als auch Fuchs bekommen auf dem Weg zueinander unerwartet Hilfe von ihresgleichen, und so wird die Suche nach dem innig geliebten Freund für beide am Ende auch eine Suche nach sich selbst. Diese charakterlichen Entwicklungen machen nahezu alle Protagonisten durch und das macht die Geschichte zusätzlich spannend, da lange offen bleibt, wohin der jeweilige Weg Menschen und Tiere führen wird.

Einschätzung

Was die Geschichte von Peter und Pax allerdings zu einem – wie ich meine – Glanzstück unter den Neuerscheinungen werden lässt, ist die poetische Sprache, die die Autorin Sara Pennypacker verwendet und die von Birgitt Kollmann ausgezeichnet ins Deutsche übertragen wurde. Das Schöne ist, dass dieser ausdrucksstarke Stil für die Kinder nicht schwierig zu lesen oder zu erfassen ist und den Leser dennoch tief berührt. Das ist wahre Schreibkunst und ich freue mich, dass sie durch diese wunderschöne Geschichte auch Kindern zugänglich gemacht wird.

Acht Kinder und jede Menge Bücher

Nun ist er gekommen, mein erster Tag als Dozentin im Ulla-Hahn-Haus. Nach bald 15 Jahren Online-Redaktion – die ich selbstverständlich weiterführe –  wird in Monheim sozusagen ein „greifbarer“ Ableger der Bücherkinder entstehen.

Rheinische PostÜber mangelnden Medienrummel konnte ich mich im Vorfeld jedenfalls nicht beklagen.

Nach dem ersten Artikel am 19. Januar, der in der Rheinischen Post erschien, klingelte das Telefon gleich mehrfach und heraus kamen ein Interview im Libelle-Magazin und auch die Rheinische Post berichtete kurz vor Kursstart am vergangenenen Freitag ein weiteres Mal.

Jede Menge Vorschuss-Lorbeeren sozusagen, die es am gestrigen Montag einzulösen galt.

Dennoch war mir bewusst, dass die „Konkurrenz“ in Sachen Freizeitgestaltung für Kinder riesig ist und die Tage von 9- bis 12-Jährigen eben auch nur 24 Stunden haben. Umso mehr freute es mich, dass aus den vier fest angemeldeten Kindern am ersten Kurstag plötzlich acht wurden, die sich auch noch gleichmäßig auf die Geschlechter verteilten.

GongZum Kennenlernen ließ ich die Kinder von ihren Lieblingsbüchern berichten und einen kleinen Steckbrief ausfüllen. Und trotz meiner langjährigen Erfahrung erstaunt es mich doch immer wieder, mit welcher Begeisterung und wie detailliert die Kinder über ihre Lieblingsbücher berichten. Und das, obwohl das Lesen des Buches bei vielen sogar schon eine Weile her war und sie die Lektüre noch nicht einmal zur Hand hatten. Toll!

Der mitgebrachte Gong kam – zumindest in der ersten Stunde – gar nicht zum Einsatz, denn die Kinder lauschten gespannt, den Buchberichten der anderen. Und vor lauter Buchdiskussion wurde schließlich (fast) das Naschen vergessen.

Drei der neuen Monheimer Bücherkinder nahmen sich auch gleich ein Buch vom Tisch mit, schließlich war ich ja nicht mit leeren Händen gekommen und hatte allerhand aktuelle Bücher mitgebracht. Und – man mag es kaum glauben – heute früh hatte ich tatsächlich bereits eine erste Buch-Einschätzung der elfjährigen Lucie in meiner Mail. Das nenne ich doch mal einen tollen Start!!

Kommende Woche werden wir die Bücher dann genauer unter die Lupe nehmen und schauen, was Cover, Klappentext und Impressum uns alles verraten. Vielleicht bringe ich auch eine Geschichte von Paul Maar mit, die wir gemeinsam lesen und anhand derer wir erste Kriterien entwickeln. Doch erst einmal bin ich gespannt, ob ich alle Kinder am Montag wiedertreffe oder ob vielleicht noch weitere hinzukommen. Ich freu‘ mich jedenfalls drauf!

Flyer

Kursflyer und weitere Infos

 

 

 

 

 

Über gute und „schlechte“ Bücher

In der vergangenen Woche berichtete ich als Facebook-Kuratorin für das Ulla-Hahn-Haus, um dort meine Arbeit mit den Bücherkindern vorzustellen. Einen Beitrag widmete ich der Auswahl unserer Buchtitel. Ein Facebook-Kommentar ließ mich aufhorchen und ich entschied mich, diesen ausführlich zu beantworten. Dieser Artikel ist eine Kopie des Facebook-Beitrags vom 10.2.2017.

Beitrag: […] Alles in allem versuche ich eine gute Mischung zwischen Lesefutter und literarischen Titeln hinzubekommen […]

Kommentar: Äh, definiere ‚Lesefutter‘. Schrott, der für Discounter oder nach wenigen Wochen im Ramsch landet, hat in einer solchen Liste doch ehedem nix zu suchen.

Diesen Kommentar möchte ich zum Anlass nehmen, etwas ausführlicher über gute oder „schlechte“ Bücher zu sprechen (wobei mir diese Bezeichnung eigentlich gar nicht gefällt).

Was ist „Lesestoff“?

Lesestoff ist für mich zügig wegzulesende Lektüre, die mich nicht zu sehr anstrengt und für netten Zeitvertreib sorgt. (Und nein, NETT ist nicht die kleine Schwester von Scheiße sondern wirklich nett!!) In meinen Augen benötigt man Lesestoff in jedem Lesealter.

In der Grundschulbücherei, die ich viele Jahre leitete, war die Reihe „Das magische Baumhaus“ damals der Renner. Die Schüler waren den Erstlesebüchern entwachsen, und da bildete diese Reihe eine wunderbare Möglichkeit, das gerade erlernte Handwerk des Lesens zu festigen. Spannende Geschichten, einfachste Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätze und nicht zu großer Umfang ließen die Kinder häufig von einem zum anderen Buch greifen, um den Lesehunger zu stillen. Aber wer schließlich zehn von ihnen beendet hatte, merkte schnell, dass nun die Zeit für etwas anderes gekommen war. Die Kinder „klebten“ also nie lange an dem sprachlich einfachen Lesefutter.

Und genau diese Reihen oder auch Einzeltitel begegnen uns auch im Jugendbuch und selbst später in der Belletristik. OK, die Sprache sollte das S-P-O-Niveau schon verlassen haben, aber die Geschichten bleiben locker wegzulesen.

Macht das diese Bücher zu schlechten Büchern, nur weil sie hochliterarischen Ansprüchen nicht genügen? Mitnichten!! Genau diese Titel benötigen wir, um die heutige Lesergeneration – gegen alle anderen medialen Freizeitangebote – bei der Stange zu halten. Die Saat wurde gesät und mit ein bisschen Glück und der richtigen Pflege wird sie aufgehen, bei dem einen früher, bei dem anderen später und bei manchen eben gar nicht. Das ist schade, aber nicht zu ändern.

Vergesst die Hörbücher nicht!

Das möchte ich sehr vielen Eltern entgegenrufen. Denn tatsächlich sind Hörbücher ein ganz wunderbares Medium, auch lesemüde Kinder weiterhin mit feiner Sprache und Formulierungen, mit Spannung, Abenteuer, Liebe oder Geschichten aus dem Leben zu versorgen. Eines meiner Kinder gehörte zu diesen „lesemüden“ Kindern. Für ihn bedeutete Lesen echte Anstrengung und das macht man in der spärlichen Freizeit keinesfalls freiwillig. Hörbücher allerdings hat er und liebt er immer noch. Bei ihm sprang der Funke zum Selberlesen erst mit 14 Jahren bei Ursula Poznanskis „Erebos“ über, wofür ich ihr noch heute sehr dankbar bin.

Was ist jetzt mit den literarischen Titeln?

Dafür müsste man eigentlich erst einmal wissen, was mit literarisch eigentlich gemeint ist, denn letztlich ist jeder schriftlich festgehaltene Text ein literarischer und somit auch obiger „Lesestoff“.

Da ich selbst aber das Wort ins Spiel gebracht habe, möchte ich erläutern, was ich darunter verstehe. Die Titel, die von mir als literarisch bezeichnet werden, zeichnen sich zunächst einmal durch ihre Sprache aus, die sich eben entscheidend vom Lesestoff unterscheidet. Sie kann beispielsweise voller sprachlicher Bilder stecken („Mein Freund Pax“) oder in Gedichtform verfasst sein („Die Sprache des Wassers“). Literarische Titel sollen den jungen Leser fordern, ihn in meinen Augen aber nicht überfordern, so dass die Freude am Lesen und der Sprache womöglich verloren geht. Zudem sind diese Titel auch inhaltlich besonders. Vielleicht widmen sie sich einem nie da gewesenen Thema oder reflektieren auf ganz außergewöhnliche Weise das derzeitige Leben ihrer Leser.

Und wie bringe ich jetzt meine Kinder dazu, mal was anderes zu lesen?

Dafür gibt es kein Patentrezept. Bietet den Kindern so viele unterschiedliche Titel wie möglich an und wo ginge das besser als in der örtlichen Bibliothek. Das schöne an geliehenen Büchern ist nämlich, dass die Hemmschwelle Verschiedenes auszuprobieren viel niedriger ist. Trefft mit den Kindern ein Abkommen. Jedes Buch sollte zu einem Viertel bzw. maximal 100 Seiten angelesen werden, danach darf man gerne zum nächsten greifen, wenn man nicht ins Buch kommt.

Dasselbe gilt natürlich für die Erwachsenen, die sich ruhig auch mal einen literarischen „Schinken“ ausleihen können, um den eigenen inneren Schweinehund zu bezwingen. Gute Tipps hält da z.B. der Blogger Kaffeehaussitzer bereit.

Enden möchte ich mit einem Zitat eines befreundeten Buchhändlers, der sich auf die Beratung von Jungs spezialisiert hat. Er sagte einmal zu mir:

„Jedes gelesene Buch ist ein gutes Buch!“

und vielleicht sollten wir damit mal beginnen.

Abenteuer in der Teppichwelt

Manchmal muss man einfach nur eine Brille mit dicken Vergrößerungsgläsern anziehen und ganz genau hinschauen. Dann kann man sie vielleicht entdecken, die Einwohner von Filz, die auf dem Dachboden eines verwinkelten Hauses leben. Denn genau dort liegt ein ziemlich alter Perserteppich, den Rotweinflecken und Brandlöcher zieren. Und ganz tief in ihm drin liegt das schöne, bunte Land Filz mit seinen fusseligen Bewohnern den Filzern.

Eigentlich könnte alles so schön sein, wäre da nicht Lisa, die gerade mit ihrem Vater in das verwinkelte Häuschen einzieht. Denn als sie sich auf dem staubigen Dachboden umschaut, reißt ihr Armband und eine Perle kullert mitten hinein ins kleine Land Filz.

Doch nur der Filzjunge Flocke glaubt Opa Wollinger, der vor der Kugel warnt. Er weiß, dass sie den Untergang aller Filzer bedeuten kann, denn immer, wenn etwas auf Filz fällt, kommt kurz darauf der große Sog und saugt alles weg.

So macht sich Flocke zusammen mit dem Filzmädchen Fussel auf den Weg, der sie jenseits des Perserteppichs führt und mit großen und kleinen Abenteuern gepflastert ist.

Ob die beiden Filz wirklich retten können, das verrate ich euch nicht, aber mit ein wenig Glück könnt ihr eins von fünf Büchern gewinnen und es selbst herausfinden.


Fussel und Flocke – Die Retter von Filz
von Anja Kömmerling und Thomas Brinx, mit Illustrationen von Verena Körting,
Thienemann 2017
112 Seiten mit farbigen Abbildungen – für Zuhörerinnen und Zuhörer ab 6 Jahren



cover fussel
Was ist denn das? Fussel und Flocke sind wie vom Blitz getroffen. Eine riesige Kugel ist in ihr kleines Filzland hineingedonnert. Das bedeutet Ärger, großen Ärger. Und da kann nur eine helfen: die schwarze Namenlose. Die müssen sie finden, unbedingt! Sofort machen sich Fussel und Flocke auf die Socken. Sie reiten auf Silberfischen, treffen einen rülpsenden Holzwurm und kämpfen mit den fiesen Abstaubern. Was sie nicht ahnen: Ihr Filzland liegt mitten in einem alten Perserteppich. Und die riesige Kugel ist eine winzige, wertvolle Perle, die jemand verloren hat und unbedingt zurückhaben will …

 

VERLOSUNG von "Fussel und Flocke"!
Verratet mir per Kommentar, welche Wesen ihr auf Dachböden, unter Betten oder in
dunklen Ecken des Kellers erwartet. Unter allen Kommentierenden, die mir ihr 
persönliches fusseliges Abenteuer verraten, verlose ich insgesamt 5 Exemplare des 
Vorlesebuches von Anja Kömmerling und Thomas Brinx.
Bis zum 15. Februar 2017 um 18:00 Uhr habt ihr Zeit zu kommentieren. Bei mehr als 
5 Teilnehmern entscheidet das Los per random.org. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Titelbild: Innenillustration von Verena Körting, von mir bearbeitet.